Paketflut zu Weihnachten

Dienstleister rechnen mit mehr Sendungen durch Lockdown

Wer bei der Post nicht in der Schlange stehen möchte, wie bei der Filiale in Witzenhausen, kann auch sein Paket über Packstationen verschicken.
+
Wer bei der Post nicht in der Schlange stehen möchte, wie bei der Filiale in Witzenhausen, kann auch sein Paket über Packstationen verschicken.

Weihnachtszeit ist Päckchenzeit: Geschenke werden an die Liebsten versandt, mit denen man nicht gemeinsam feiern kann. Im Pandemiejahr werden sehr viele Menschen das so machen müssen.

Damit rechnen auch die Paketdienstleister. „Generell ist das Aufkommen in der Weihnachtszeit fast doppelt so hoch“, sagt Thomas Kutsch, Pressesprecher der Deutschen Post DHL. Mit dem Lockdown rechne man noch einmal mit einer Steigerung, wie hoch die aber ausfalle, könne er nicht sagen.

Hermes rechnet mit einem Rekord-Weihnachtsgeschäft: Für die Zeit von Oktober bis Dezember rechnen sie mit 120 Millionen Sendungen, was 20 Prozent mehr als im Vorjahr wären, sagt Pressesprecher Sebastian Kaltofen. Durch den Lockdown gehen sie davon aus, dass die ohnehin hohen Paketmengen in den Tagen vor Heiligabend weiter zunehmen werden.

Im Kreis wickelte Hermes im Oktober und November des vergangenen Jahres jeweils rund 38 000 Sendungen ab. Im November diesen Jahres waren es bereits mehr als 48 000 Päckchen und Pakete und für den Dezember rechnen sie mit der gleichen Sendungsmenge, berichtet der Pressesprecher. Rund 200 Pakete habe ein Zusteller pro Tag bei der Post auszuliefern, in der Weihnachtszeit steigere sich das auf mehr als 300. „Das ist allein nicht mehr zu schaffen“, sagt Kutsch. Deswegen verkleinere man bei der Post dann die Bezirke der Zusteller oder unterstütze sie mit Helfern. Die würden dann auf der Route mitfahren und mit ausliefern. In ländlichen Regionen, wie dem Werra-Meißner-Kreis, funktioniere das aber nicht, da hier Verbundzusteller tätig sind. Die liefern Pakete und Briefe aus und haben im Wagen keinen Platz für Mitfahrer. Deswegen müsse die Post hier Entlastungsbezirke einrichten. Generell werde deswegen in der Weihnachtszeit 10 bis 15 Prozent mehr Personal eingeplant.

Auch bei Hermes werden Personal und Transportkapazitäten für diese Hochsaison massiv aufgestockt – im Kreis sind rund 80 weitere Zusteller für das Weihnachtsgeschäft tätig. Der Lockdown betrifft Hermes auch in anderer Form: Die Paketshops des Dienstleisters befinden sich nicht immer in Geschäften, die Waren des täglichen Bedarfs führen. Ist dies nicht der Fall, kann es sein, dass das Geschäft trotz Paketshop schließen muss. Jedoch können laut Kaltofen mehr als 75 Prozent der Shops geöffnet bleiben.

Pakete so schnell wie möglich versenden

Damit alle Geschenke pünktlich zu Weihnachten ankommen, sollten sie so früh wie möglich losgeschickt werden. In diesem Punkt sind sich Deutsche Post DHL und Hermes einig. Bei der Post müssen Pakete spätestens bis zum Samstag, 19. Dezember, abgegeben werden, Briefe bis zum Anfang der Weihnachtswoche. Hermes sichert zu, dass für Pakete, die bis zum Montag, 21. Dezember, in einem Paketshop abgegeben werden, ein erster Zustellungsversuch bis Heiligabend erfolgt.

Wegen Corona werden vermehrt Päckchen und Pakete versandt. Dabei kann der Lockdown auch Geschäfte betreffen, die eine Paketstation für Hermes betreiben. Viele dieser Geschäftsinhaber im Kreis können aber in Absprache mit dem Ordnungsamt weiterhin die Versandstation betreiben.

So hat auch das Fotogeschäft von Angelika Hinkel an der Landgrafenstraße in Lichtenau wegen des Hermes-Shops geöffnet. Viele Kunden fragen verunsichert, ob das auch weiter so bleibe. Die Antwort ist ja. „Ich habe es vom Ordnungsamt genehmigt bekommen“, berichtet Hinkel. Sie verstehe nicht, warum der Einzelhandel in Lichtenau schließen muss. „Die Landgrafenstraße ist leer“, sagt Hinkel. Anders sehe es da bei den Supermärkten aus, da tummelten sich die Menschen.

In Großalmerode können Päckchen auch weiterhin im Hermes-Paketshop von Matthias Reiß an der Oberen Scheidquelle abgegeben werden. Auch er hat eine Sondererlaubnis: „Das Ordnungsamt hat angerufen und gefragt, ob ich weiter öffnen möchte“, berichtet Reiß. Das haben sie beim ersten Lockdown auch schon so gemacht. In Großalmerode habe man ein Interesse daran, dass sein Geschäft geöffnet bleibe, weil es in der Stadt die einzige Möglichkeit ist, um Päckchen abzugeben. „Zurzeit kommt eine ganze Menge an Paketen zusammen und da sind ja teilweise auch Medikamente dabei, wenn sich die Leute online bei der Apotheke etwas bestellen“, sagt Reiß.

Kunden in Witzenhausen, die Pakete über Hermes verschicken möchten, haben keine großen Einschränkungen zu befürchten. „Die Paketshops von Hermes sind zwei Wäschereien und Tankstellen. Und die haben auch während des Lockdowns geöffnet“, sagt Dominique Ziegler von der Primo Textilpflege in Witzenhausen. Die heiße Phase beim Verschicken der Pakete komme jetzt erst, sagt Ziegler. Bis zum 21. Dezember könne man noch Pakete bestellen und verschicken, die bis Weihnachten ankommen sollen. Für Fahrer und Paketshops erwarte er eine noch höhere Belastung als die Jahre zuvor. „Die Fahrer gehen ohnehin schon über die Belastungsgrenze. Mit der Schließung des Einzelhandels wird die kommende Woche sehr hart“, so Ziegler.

Wer in Witzenhausen seine DHL-Pakete abholen oder verschicken will, muss auf den Shop im Telekomladen an der Brückenstraße wohl verzichten. „Ich habe zwar beim Ordnungsamt eine Sondergenehmigung angefragt, ob wir die Pakete auch an der Tür annehmen und herausgeben dürfen“, sagt Geschäftsführer Benjamin Ludewig. Er hatte aber wenig Hoffnung, dass er die Genehmigung bekommt. Aktuell ist der Laden geschlossen. Ludewig versucht noch über eine Sonderregelung für Telekommunikationsläden die Erlaubnis zum Öffnen zu bekommen. Er hofft, bis zum Ende der Woche klären zu können, ob er für Pakete öffnen darf.

Ausweichen können Kunden in Witzenhausen auf die Deutsche-Post-Filiale, an der Ermschwerder Straße oder auf die Packstationen an der Südbahnhofstraße.

Schon ab Dienstagmittag musste Ludewig einige Kunden mit ihren Paketen an die Post Filiale verweisen, weil die DHL bereits ihre tägliche Fuhre abgeholt hatte. Wem in einer Filiale der Post zu viel Andrang herrscht, hat die Möglichkeit, auf Paketstationen auszuweichen. Auch über diese können Päckchen versendet werden, erklärt Pressesprecher Thomas Kutsch. Dafür kann man online den Paketschein ausfüllen und bezahlen. Diesen klebt man dann auf das fertig verpackte Paket. An der Packstation scannt man den Schein und gibt an, welche Größe das Päckchen hat. Daraufhin öffnet sich eine Tür der Station, in die man das Paket einlegt. Schließlich sollte noch gewählt werden, ob man die Auslieferung des Pakets nachverfolgen will.

(William Abu El-Qummsan Und Evelyn Ludolph)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.