Schlusslicht im hessischen Vergleich

Wohnungsbau im Werra-Meißner-Kreis geht um fast 40 Prozent zurück

Ein Umzugswagen steht vor einem Mietshaus
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Umzüge werden schwierig: Im Werra-Meißner-Kreis werden kaum neue Mietwohnungen gebaut.

Der Wohnungsbau im Werra-Meißner-Kreis geht zurück. Das wird in einer Erhebung des Hessischen Statistischen Landesamtes deutlich: Im Jahr 2020 wurden 38 Prozent weniger Wohnungen gebaut als im Vorjahr.

Werra-Meißner – Im Vergleich zu anderen hessischen Kreisen und Städten steht der Werra-Meißner-Kreis damit ganz unten auf der Liste. Erkan Kilci, Inhaber von Kilci Immobilien in Hessisch Lichtenau, sieht den Grund dafür in der fehlenden Unterstützung der Kommunen und Behörden. „Die Politik wirbt damit, Wohnraum schaffen zu wollen. Doch Investoren wird es oft schwer gemacht“, sagt Kilci. Denn sie wollten die Grundstücke ausnutzen und drei- oder vierstöckig bauen. Das sei besonders in kleineren Orten schwierig, denn dort seien die Grundstücke oft zu klein, so Kilci.

Zudem sei der Verdienst im ländlichen Raum niedriger, weshalb viele Investoren eher in oder nahe Kassel bauten. Dabei sei die Nachfrage für Wohnungen und Ein- oder Zweifamilienhäuser im Kreis groß. Besonders ältere Menschen, die barrierefrei wohnen wollten, melden sich oft bei Kilci. Er führe bereits eine Warteliste, sollten Wohnungen frei werden. Dass sich im Kreis etwas ändert, kann sich der Bauunternehmer aktuell nicht vorstellen.

Nur sechs Neubauten mit Mietwohnungen

Während die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Hessen im Vergleich zum Vorjahr 2020 um 9,6 Prozent gestiegen ist, ging sie im Werra-Meißner-Kreis um 38 Prozent zurück. Damit bildet der Kreis das Schlusslicht in der Statistik. Insgesamt wurden im Kreis 55 neue Wohngebäude fertiggestellt. 49 davon sind Einfamilienhäuser, es wurden fünf Gebäude mit zwei Wohnungen gebaut, nur ein neues Wohnhaus beherbergt mehr als drei Wohnungen. (hbk)

Ein Projekt, das Wohnraum schaffen soll, ist ein Wohnpark, der zurzeit an der Sudetenstraße in Hessisch Lichtenau gebaut wird. Hier sollen drei Wohnhäuser mit 10 bis 15 Wohnungen entstehen. Grundstücke, die neu erschlossen werden, gehen in der Lossestadt im Losverfahren weg, weiß Adam Kionczyk vom Verein Haus und Grund. Die Mietpreise in Lichtenau steigen kontinuierlich, sagt er.

Auch in Großalmerode ist Wohnraum heiß begehrt, so Bürgermeister Finn Thomsen. „In den vergangenen beiden Jahren hat die Nachfrage nach Bauplätzen spürbar zugenommen“, sagt er. In der Kernstadt sei aktuell nur noch ein städtischer Bauplatz frei, gleiches gelte für das Baugebiet auf dem Kronsbach in Laudenbach. In beiden Baugebieten wurden in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 13 Grundstücke verkauft. Die Stadt Großalmerode knüpft den Verkauf an eine Bauverpflichtung innerhalb von drei Jahren. Derzeit sind sechs Häuser im Bau. Es handele sich dabei allerdings hauptsächlich um Eigenheime statt um Mietobjekte. Nahe des Wohnmobilstellplatzes in der Kernstadt sollen aber auch Mehrfamilienhäuser entstehen. (Natascha Terjung und Wiebke Huck)

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