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Sorge um Weidetiere und Artenvielfalt - Landrätin will Land in Pflicht nehmen

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Von: Stefanie Salzmann

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Inzwischen beinahe täglich zu sehen: Wölfe sind im Werra-Meißner-Kreis nicht nur angekommen. Ihre Population steigt stetig und konfrontiert Landwirte, Weidetierhalter, aber auch die Tourismusbranche mit Fragen.
Inzwischen beinahe täglich zu sehen: Wölfe sind im Werra-Meißner-Kreis nicht nur angekommen. Ihre Population steigt stetig und konfrontiert Landwirte, Weidetierhalter, aber auch die Tourismusbranche mit Fragen. © Marco Lenarduzzi

Landrätin Rathgeber: Land soll sich seiner Verantwortung beim Wolfsmanagement stellen. Die wachsende Wolfspopulation stellt Weidetierhalten, Naturschützer, aber auch den Tourismus vor Herausforderungen.

Werra-Meißner – In die Debatte um die steigende Wolfspopulation, von der der Werra-Meißner-Kreis am stärksten in Hessen betroffen ist, schaltet sich jetzt auch Landrätin Nicole Rathgeber ein.

Als Landrätin, aber auch in ihrer Funktion als Vorsitzende des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land hat sie jetzt Kontakt mit dem Land Hessen aufgenommen und darum ersucht, dass Informationsveranstaltungen zum Thema Wolf im Werra-Meißner-Kreis angeboten werden. Von den 172 anerkannten Wolfsnachweisen stammten allein mehr als 50 aus dem Werra-Meißner-Kreis. Bei Waldkappel hat sich inzwischen ein Wolfsrudel angesiedelt, das im vorigen Jahr auch drei Jungtiere führte.

Das Land ist für das Wolfsmanagement verantwortlich, hat einen entsprechenden Plan und ein Wolfszentrum, das in das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) integriert ist.

In den von der Landrätin angestrebten Informationsveranstaltungen sollen folgende Fragen thematisiert werden:

Mensch: Auf was müssen sich Bevölkerung und Touristen im Werra-Meißner-Kreis einstellen? Wird es häufiger zu Wolfsbegegnungen kommen? Mit Sorge werde die in anderen Bundesländern bereits festgestellte Gewöhnung des Wolfes an den Menschen beobachtet. Anscheinend nähmen Wölfe den Menschen immer weniger als Gefahr wahr. . Naturschutz/Landwirtschaft: Der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land, der den gesamten Werra-Meißner-Kreis umfasst, weise eine außergewöhnliche Artenvielfalt auf. Kein anderer Landkreis in Hessen habe eine derart hohe Dichte an Europäischen Schutzgebieten. Darüber hinaus hat die Bundesrepublik den sogenannten Hotspot Nr. 17 der Biodiversität im Werra-Meißner-Kreis ausgewiesen.

Es gibt lediglich 30 solcher Gebiete in Deutschland. Ein nicht unwesentlicher Anteil der Schutzgebietsflächen liegt im Offenland und ist zum Erhalt der Biodiversität auf die Beweidung durch Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde sowie Heumahd angewiesen. Viele dort lebende Tier- und Pflanzenarten sind durch Bundesrecht und europäisches Recht, genauso wie der Wolf, streng geschützt und drohen auszusterben, sollten sich die Weidetierhalter aus den Gebieten zurückziehen.

Gleichzeitig sei das Land gegenüber der EU verpflichtet, bestimmte Lebensräume mit ihren Tieren und Pflanzen zu erhalten. Gelinge dies nicht, drohen dem Land Strafzahlungen an die EU. Der Wolf komme, so Nicole Rathgeber, für Weidetierhalter, bei wirtschaftlich ohnehin schwierigen Rahmenbedingungen und langen Arbeitszeiten, noch als Belastung „on top“.

Weidewirtschaft: Bedacht werden müsse auch, dass die Wiesen und Weideflächen im Geo-Naturpark, gerade in Kombination mit den Premiumwanderwegen und mit der Regionalvermarktung authentischer Lebensmittel, touristisch für den Werra-Meißner-Kreis von Bedeutung seien. Wie in ganz Deutschland, so sei auch in Nordhessen der Wunsch und die Nachfrage der Verbraucher nach nachhaltig, artgerecht und regional in Weidewirtschaft produziertem Fleisch groß. Es bestünden Bedenken, dass die Weidewirtschaft weiter zurückgehen wird und Tiere stattdessen nur noch in Ställen gehalten werden können.

Wildbestände und Jagd: Wölfe ernähren sich zum Großteil von Wildtieren. Rotwild, Rehe, Wildschweine und auch das bei uns wild lebende Mufflon gehören neben anderen Wildtieren zur Beute des Wolfes. Besonders dem Rotwild müsse hier Beachtung geschenkt werden. Rotwild darf in Deutschland nur in amtlich ausgewiesenen Rotwildgebieten leben – auf festgelegten „Inseln“. Verlassen die Tiere ein solches Gebiet, sind sie zum Abschuss freigegeben.

Der Einfluss des Wolfes, der in seinem Wanderungsverhalten nicht auf bestimmte Gebiete begrenzt wird, auf die Rotwildbestände müsse im Auge behalten werden. Auch die vielfältigen Belange der Jagd müssten beleuchtet werden, bis hin zur Sorge der Jagdgenossenschaften im Hinblick auf die Verpachtung der Jagdbezirke. Die Präsenz des Wolfes könnte das Pachtinteresse und die Pachtpreise deutlich absenken. (Stefanie Salzmann)

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