Wolfsgutachter eingeschaltet

Spuren eines Kampfes: War es wieder ein Wolf? Trächtiges Weideschaf bei Sontra schwer verletzt

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Nur eine genetische Untersuchung gibt Gewissheit: Wolfsgutachter Gerhard Scholz (vorn) nimmt Gewebeproben von den Verletzungen des Schafes auf der Weide bei Sontra, mit dabei André Würfel.

Wolfsangriff in Sontra? Ein oder mehrere Wölfe haben im Werra-Meißner-Kreis (Nordhessen) möglicherweise ein trächtiges Schaf verletzt. Der Besitzer fand Spuren eines Kampfes.

  • Ein oder mehrere Wölfe haben möglicherweise ein trächtiges Schaf in Sontra im Werra-Meißner-Kreis (Nordhessen) schwer verletzt.
  • In der Nähe des Stalls fand der Besitzer Spuren eines Kampfes.
  • Der Wolf ist möglicherweise schon länger im Gebiet unterwegs.

Ein Schaf war möglicherweise in der Nacht zum Montag oder am Montagvormittag bei Sontra von einem Wolf oder mehreren Wölfen angegriffen worden. Passanten hatten Wölfe beobachtet.

Wolf verletzt trächtiges Schaf in Sontra: Mitarbeiter entdecken das Tier auf einer Weide

Möglicherweise haben erneut ein Wolf Schafe auf einer eingezäunten Weide angegriffen. Eines von drei trächtigen Schafen von Tarzan Doganay, dessen Tiere auf einer Weide Am Stups bei Sontra stehen, wurde schwer verletzt von seinen Mitarbeitern entdeckt.

Tiefe Fleischwunde im Hinterlauf.

Tiefe Wunden an Hals, Ohren und den Hinterläufen sowie massive Spuren eines Kampfes wenige Meter vom Stall entfernt, ließen den Besitzer einen Wolfsangriff vermuten. Auch ein weiteres Schaf auf einer benachbarten Weide hatte zerrissenes Fell am Rücken. 

Wolf greift trächtiges Schaf in Sontra an: Blutspuren bei einem Hund gefunden

Dem Besitzer war eine Unstimmigkeit aufgefallen, weil sein Hund Cäsar, der fast ausschließlich bei den Schafen auf der Weide lebt, am Montagvormittag in der Bahnhofstraße in Sontra gesichtet wurde. „Das Tier war völlig verstört“, erzählt Doganays Mitarbeiter André Würfel, dessen Schaf möglicherweise von einem Wolf gerissen wurde.

Auf den Läufen des Hundes waren deutlich Blutspuren zu erkennen, die Augen des Tieres schwer blutunterlaufen. „Der hatte großen Stress“, sagt sein Besitzer.

Wolfsangriff in Sontra: Wolfsgutachter untersucht Tatort des Angriffs

Am späten gestrigen Nachmittag untersuchte Wolfsgutachter Gerhard Scholz den Rissort und entnahm von dem Schaf an allen Verletzungsstellen Gewebeproben, die nun genetisch untersucht werden. „Nur die Untersuchung bringt Gewissheit, wer hier angegriffen hat“, sagte Scholz.

Die Größe des Abdrucks legt eine Wolfsriss nahe.

Bis das Ergebnis vorliegt, ob es sich um einen Wolf handelt, werden voraussichtlich drei Wochen vergehen. Je nach Menge könne entweder nur die Tierart ermittelt werden, bei ausreichend Material sei es möglich, den Angreifer konkret einem eventuell bereits erfassten Tier zuzuordnen. „Die Proben, die man bisher analysiert hat, waren alle einer bestimmten Wölfin zuzuordnen.“

Wolf verletzt Schaf in Sontra: Wölfin treibt sich möglicherweise schon länger im Gebiet herum

Sollte sich jetzt wieder diese Wölfin als Angreiferin herausstellen, gilt sie als „resident“ in der Region, so Scholz. Voraussetzung dafür ist, dass das Tier - in diesem Fall der Wolf - über sechs Monate durchgehend im selben Gebiet nachgewiesen werden kann.

Für die Wölfin, die zuletzt bei einem Riss bei Heyerode im November vorigen Jahres nachgewiesen wurde, läuft diese Frist jetzt im Februar ab.

„Es war vermutlich ein Segen, dass der Hund hier war, als der Angriff passierte“, sagte Scholz, dessen Schaf möglicherweise von einem Wolf angegriffen wurde.

Wolf bricht aus Wildpark im Schwalm-Eder-Kreis aus: Sicherheit des Geheges wird überprüft

Zwei Wölfe sind im vergangenen Jahr aus dem Wildpark Knüll im Schwalm-Eder-Kreis (Nordhessen) ausgebrochen. Das Gehege sollte daraufhin auf seine Sicherheit überprüft werden, da es sich um den zweiten Vorfall dieser Art mit einem Wolf handelt.

Wolf in Nordhessen: Tierart wurde 2019 am häufigsten nachgewiesen

Schon Ende Oktober wurde ein Wolf im Ortsteil Berneburg bei Sontra von einem Landwirt gesichtet*. Ihm gelang ein Foto des Tiers, das sich ihm auf etwa 25 Meter genähert hatte.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg (Nordhessen) wurde dies Tierart des Wolf im Jahr 2019 am häufigsten nachgewiesen. Wegen der Wölfe in der Region fordern Naturschützer mehr Unterstützung vom Land*.

Nicht nur in Nordhessen, auch im Süden werden die Wölfe mehr. So wurde im Februar ein Wolf in Wiesbaden gefunden.

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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