Bisher nur drei Insolvenzen

Zahlungsunfähigkeit bei Unternehmen im Kreis: Keine Auswirkungen durch Pandemie

Ein Stoppschild vor einem Betriebsgelände
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Nur drei Firmenpleiten während der Pandemie im Werra-meißner-Kreis.

Obwohl die Pflicht, Insolvenzen anzuzeigen, nach der Ausnahme während der Pandemie wieder aufgenommen wurde, ist die Zahl der Insolvenzen in Hessen und im Werra-Meißner-Kreis deutlich gesunken.

Werra-Meißner - Das berichten sowohl das Statistische Landesamt Hessen als auch Creditreform aus Kassel. In Hessen haben im Juni beispielsweise 88 Firmen ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt. Im Juni 2020 waren es – trotz Aussetzung der Pflicht – noch 117 Fälle.

Im Werra-Meißner-Kreis wurden laut Creditreform im ersten Halbjahr 2021 insgesamt nur drei Insolvenzen registriert. „Darunter waren zwei Automobilzulieferer, die aber schon vor der Pandemie in Schieflage geraten waren“, heißt es vonseiten der Wirtschaftsförderung (WFG). Im Vergleichszeitraum 2020 waren es laut Creditreform noch 14 Insolvenzen. „Sinkende Unternehmensinsolvenzen sind auch ein Anzeichen dafür, dass die Hilfsprogramme von Bund und Land geholfen haben“, sagt WFG-Geschäftsführer Dr. Lars Kleeberg. Einige Branchen wie z.B. das Handwerk und der Onlinehandel hätten überhaupt keine Probleme in der Krise gehabt. Die anziehende Konjunktur habe den anderen Branchen geholfen.

Die Bundesregierung hatte 2020 beschlossen, die Insolvenzantragspflicht auszusetzen. Seit Mai 2021 gilt diese Aussetzung nicht mehr. Diese während der Pandemie beschlossene Regelung sollte den Unternehmen, die von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie betroffen sind, Zeit für die Sanierungsbemühungen und Verhandlungen mit ihren Gläubigern verschaffen, heißt es auf der Seite der Bundesregierung.

Im Gegensatz zum Hessentrend (plus 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) sind im Werra-Meißner-Kreis auch Privatinsolvenzen nicht häufiger geworden. Bei der Schuldnerberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt hat sich die Zahl der Beratungen nach Angaben von Maria Zaschke nicht erhöht, obwohl die Pandemie finanzielle Schwierigkeiten begünstigen könnte. Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit könnten zur Überschuldung führen, höheres Konsumverhalten und Vertragsabschlüsse im Internet zu einem Verlust des Überblicks über eingegangene Verpflichtungen, so Zaschke.

Insolvenz bedeutet Zahlungsunfähigkeit

Bei einer Insolvenz kann ein Schuldner seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber seinen Gläubigern nicht mehr erfüllen. Gründe für eine Insolvenz sind Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Bei der Insolvenz eines Unternehmens darf der Schuldner nicht mehr über sein Vermögen verfügen. Stattdessen versucht der Insolvenzverwalter, die Gläubiger aus der Insolvenzmasse zu befriedigen. Eine Verschleppung ist strafbar. (Tobias Stück)

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