Evangelischer Kirchenkreis Werra-Meißner

Ziel ist mehr Mitspracherecht: Synode beschließt Gesetz zu Schutz vor sexualisierter Gewalt

Nahm für den Werra-Meißner-Kreis an der digitalen Landessynode teil: Ludger Arnold, Präses des evangelischen Kirchenkreises.
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Nahm für den Werra-Meißner-Kreis an der digitalen Landessynode teil: Ludger Arnold, Präses des evangelischen Kirchenkreises.

Zweimal ist die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im vergangenen Jahr ausgefallen. Nun wurde sie in digitaler Form nachgeholt.

Werra-Meißner – „Der technische Aufwand war enorm“, sagt Ludger Arnold, der als Präses des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meißner für diesen daran teilgenommen hat.

„Für meine Einbringungsrede im Bereich Bildung musste ich zuerst nach Kassel in ein Studio kommen, in dem das Video aufgenommen wurde. Das war für mich eine ganz neue Erfahrung.“ Zur digitalen Synode wurden dann alle Reden eingespielt. Das habe hervorragend geklappt, sagt Arnold, aber: „Eine Synode lebt von der persönlichen Begegnung, von Nebengesprächen, von der schnellen Abstimmung zwischen Stadt und Land.“

In seiner Rede zur Bildung sprach Ludger Arnold besonders den Bereich Kindertagesstätte an. 220 Einrichtungen befänden sich in Kurhessen-Waldeck in evangelischer Trägerschaft, in ihnen arbeiteten 2000 Beschäftigte, und 14 000 Kinder besuchten diese. Die Bewertung der Funktion von Kitas und damit die Wichtigkeit der Arbeit, die dort geleistet wird, habe sich während des Verlaufs der Pandemie verändert.

„Bei der öffentlichen Diskussion um die Auswirkungen auf die Familien, die Mitarbeitenden und die Träger der Einrichtungen ging es am Anfang eher um finanzielle Auswirkungen (des Lockdowns) und die Folgen für die Wirtschaft, doch sehr schnell wurde deutlich, wie bedeutsam die Folgen für das soziale und emotionale Zusammenleben sind“, sagte Arnold. „Damit wurde vielen auch klar, dass soziale und emotionale Bildung kein Nebeneffekt, sondern ein zentraler Bereich von Bildung ist.“

Ein Beschluss der Landessynode, den Ludger Arnold herausstreicht, ist der des Kirchengesetzes zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Ein Schutz, zu dem sich die EKKW selbst verpflichtet.

Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass Betroffene Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen erhalten, dass Leitungsorgane von Einrichtungen und Körperschaften Konzepte zum Schutz vor sexualisierter Gewalt erstellen sollen und von ehrenamtlich Tätigen regelmäßig die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses verlangt wird.

Sexualisierte Gewalt soll mit entsprechenden arbeits- und dienstrechtlichen Maßnahmen geahndet werden. Schließlich brachte die Landessynode eine neue Finanzverfassung auf den Weg, die ab 2022/23 umgesetzt wird und auch auf den Kirchenkreis Werra-Meißner Auswirkungen hat. Entscheidend mitgearbeitet am neuen Regelwerk hatte Pfarrer Frieder Brack aus Witzenhausen als Mitglied des Finanzausschusses.

Ziel sei es, die Mittel transparenter, flexibler und unbürokratischer zu verteilen. Bislang gab es eine Aufteilung zwischen dem Haushalt der Landeskirche und dem der Kirchenkreise und -gemeinden. Letztere wurden mit zweckgebundenen Budgets ausgestattet, gemessen an Gemeindegliederzahlen, Anzahl der Gemeindepfarrstellen und Hauptgottesdiensten im Monat, Personalstellen und kirchlichen Gebäuden. Von nun an gibt es eine Grundzuweisung an die Gemeinden, die sich nur noch an der Zahl der Gemeindemitglieder bemisst. Statt bisher 6,3 Millionen Euro Bauunterhaltungsmittel erhalten die Kirchenkreise nun rund zwölf Millionen. „In unserem Kirchenkreis betrifft die neue Finanzverfassung besonders den Umgang mit Gebäuden“, sagt Präses Ludger Arnold.

„Für Maßnahmen an den Gebäuden bis 10 000 Euro sind nun die Gemeinden zuständig, darüber hinaus der Kirchenkreis.“ Arnold verspricht sich davon nicht nur eine Vereinfachung der Bürokratie. Der Kirchenkreis könne den Gemeinden nun auch besser beim Management ihrer kirchlichen Immobilien, etwa Pfarr- und Gemeindehäuser, helfen.

Info: Nächste Kreissynode: Am Samstag, 27. Februar 2021, findet die Synode des Kirchenkreises Werra-Meißner ebenfalls digital per Video-Schalte von 9 bis 12 Uhr statt.

Von Kristin Weber

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