Kirchenkreis

Zweite Synode: Schutz vor sexueller Gewalt war Thema

Nahm für den Werra-Meißner-Kreis an der digitalen Landessynode teil: Ludger Arnold, Präses des evangelischen Kirchenkreises.
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Nahm für den Werra-Meißner-Kreis an der digitalen Landessynode teil: Ludger Arnold, Präses des evangelischen Kirchenkreises.

Es war die zweite Synode des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meißner. Auch dieses Mal fand er Online statt.

Werra-Meißner – Beim Schutz vor sexualisierter Gewalt gehe es um den Schutz von Frauen und Kindern, es gehe aber auch darum, sich die Rolle von Beziehungen und Machtgefällen klarzumachen, erläuterte Pröpstin Kathrin Wienold-Hocke auf der zweiten digitalen Synode 2021 des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meißner. „Jeder einzelne Fall nötigt zum Handeln“, sagte sie.

Die Synode zu diesem sensiblen Thema eröffnete Präses Ludger Arnold zusammen mit Dekanin Ulrike Laakmann.

Statistik

Prof. Dr. Thomas Zippert, Koordinator der Landeskirche für den Schutz von sexualisierter Gewalt, stellte den fast 100 Synodalen die Fakten vor: „In jeder Schulklasse gibt es statistisch ein bis zwei Kinder, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, jede dritte Frau und jeder zehnte Mann haben sexualisierte Gewalt erfahren. Aber wir kennen die Dunkelziffer nicht.“ Er nannte ein Beispiel: Allein in dem einen Missbrauchsfall aus Münster gebe es Hinweise auf weitere 30 000 Täter. „Das ist ein riesiges Netzwerk“, beklagte Zippert.

Arbeit der Gemeinden

Aufgabe der Gemeinden sei es nun, Risikoanalysen zu erstellen, Verhaltensregeln festzulegen, die Eignung der Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen zu prüfen und diese zu schulen. Außerdem will sich die evangelische Kirche mit den bestehenden Hilfeangeboten im Werra-Meißner-Kreis vernetzen, etwa der Beratungsstelle „Allerleirauh“ des Vereins Frauen für Frauen. Auch die EKD hat die zentrale Anlaufstelle.Help eingerichtet, die unter 0800/5 04 01 12 erreichbar ist.

Praxiserfahrungen

Jugenddiakonin Jennifer Grandt aus Witzenhausen berichtete, welche Anstrengungen in der Kinder- und Jugendarbeit bereits unternommen werden. Sie sprach aber auch über alarmierende Trends: So liege das Durchschnittsalter von Jugendlichen, in dem diese, etwa über die Sozialen Netzwerke, erstmals mit harter Pornografie konfrontiert würden, bei 14 Jahren.

„Diese Erfahrungen sorgen bei Heranwachsenden für eine Schieflage in der Wahrnehmung von dem, was Sexualität sein soll“, sagte Grandt. Auch „TG-Treffen“, bei denen Jugendliche für Taschengeld Sex anböten, nähmen zu. „Solche Trends stellen uns in der Kinder- und Jugendarbeit vor neue Aufgaben. Um hier Prävention leisten zu können, müssen wir informiert und sprachfähig sein.“

Birgit Reppmann vom Staatlichen Schulamt knüpfte daran an. „Wir waren erstaunt festzustellen, dass Übergriffe auch unter den Schülern stattfinden. Da gibt es womöglich einen Zusammenhang mit dem Pornokonsum.“ Um Problemfälle im familiären Bereich kümmert sich Eleanor Schellhase vom Jugendamt.

Diskussion

In der Diskussion zeigten sich die Synodalen aufgewühlt und fragten nach Schulungen. Gudrun Lang (Evangelische Familienbildungsstätte) möchte Informationsveranstaltungen auch für Eltern ins Programm nehmen. „Auch in Altenheimen müssen wir einen Blick auf das Thema werfen“, fügte der stellvertretende Dekan Ralph Beyer hinzu. „Hier gibt es Betroffene, bei denen lange verdrängte seelische Wunden wieder ans Licht treten.“

Das Konzept zum Schutz vor sexualisierter Gewalt wurde von der Synode nahezu einstimmig beschlossen. Mit großer Mehrheit beschloss die Synode außerdem eine Resolution, mit der sie sich hinter die Kritik an der Trassenführung der Stromleitung Suedlink stellte.

Von Kristin Weber

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