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Zweitgrößtes FFH-Gebiet Deutschlands liegt im Werra-Meißner-Kreis

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Von: Tobias Stück

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Der Neuntöter, hier aufgenommen im Geo-Naturpark von Geschäftsführer Marco Lenarduzzi, fühlt sich wohl im Werra-Meißner-Kreis. Sein Bestand war in West- und Mitteleuropa zwischenzeitlich massiv eingebrochen.
Der Neuntöter, hier aufgenommen im Geo-Naturpark von Geschäftsführer Marco Lenarduzzi, fühlt sich wohl im Werra-Meißner-Kreis. Sein Bestand war in West- und Mitteleuropa zwischenzeitlich massiv eingebrochen. © Marco Lenarduzzi

Seit 2020 ist der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land offiziell als Landschaftspflegeverband im Werra-Meißner-Kreis tätig. Dadurch werden Mittel für neue Naturschutzprojekte erschlossen.

Werra-Meißner – Wussten Sie schon, dass sich das zweitgrößte Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) Deutschlands im Werra-Meißner-Kreis befindet? Mit 25 000 Hektar liegt das FFH-Gebiet Werra- und Wehretal, was seine Größe betrifft, auf Platz zwei gleich nach dem Wattenmeer. Die Pflege von besonders arten- und blütenreichem Grünland in diesem europäischen Schutzgebiet ist eine der Hauptaufgaben des seit zwei Jahren beim Geo-Naturpark Frau-Holle-Land angesiedelten Landschaftspflegeverbands (LPV).

Neue Möglichkeiten

Im Wesentlich soll der LPV im Auftrag des Landes Hessen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt im Werra-Meißner-Kreis beitragen. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Vertretern des Naturschutzes, der Landwirtschaft und den Kommunen zu fördern und somit die Kräfte der Akteure in der Region zu bündeln. Dabei gilt es, insbesondere Landwirte bei der extensiven Bewirtschaftung von Grünlandflächen zu unterstützen, die für die Bewahrung der Biodiversität von Bedeutung sind.

Aufgaben des LPV

Der LPV hat dafür zunächst jeweils in den Jahren 2021 und 2022 im FFH-Gebiet Werra- und Wehretal eine Kartierung von Grünland beauftragt, durch die viele, bisher noch unbekannte Flächen mit Potenzial für den Naturschutz entdeckt werden konnten. Für deren Bearbeitung wird personelle Verstärkung gesucht, idealerweise erfahrene Praktiker mit guten Kenntnissen der Region. Es gilt Pflegemaßnahmen zu entwickeln, welche häufig mit dem eigenen Werkstattteam des Geo-Naturparks umgesetzt werden können. Die Mittel für die Umsetzung von z.B. Entbuschungen werden vor allem aus Förderprogrammen des Hessischen Umweltministeriums wie der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (Natura 2000), der Hessischen Biodiversitätsstrategie und dem Integrierten Klimaschutzplan IKSP bereitgestellt. So werden beispielsweise besonders artenreiche Halbtrockenrasen mit vielen Orchideen (u.a. Frauenschuh) und den typischen Wacholdersträuchern erhalten.

Lebensraumschutz

Weitere Projekte des LPV setzen gezielt beim Schutz seltener, vom Aussterben bedrohter und durch den Klimawandel gefährdeter Arten an. Zu den im WMK besonders zu schützenden Arten gehören die Bechsteinfledermaus und Vogelarten wie der Wendehals, der Weißstorch und die Uferschwalbe. Auch der Arnika und den Schmetterlingen Glücks-Widderchen und Thymian-Ameisenbläuling hat sich das LPV-Team angenommen. Wo über den Schutz all dieser sogenannten „Schirmarten“ auch deren Lebensräume wie Streuobstwiesen oder Magerrasen gefördert werden, kommt dies zugleich zahlreichen weiteren Arten zu Gute.

An Land und zu Wasser

Als sehr bedeutsam für die Umsetzung von Arten- und Lebensraumschutz in unserer Region hat sich zudem die Einrichtung zweier Naturschongebiete am Werratalsee und dem Baggersee im Niederhoner Feld erwiesen, die seltenen Vogelarten einen Rückzugsraum zur Rast und Fortpflanzung bieten. Auch Amphibien, Libellen, viele Pflanzen und der Biber profitieren von diesen Maßnahmen. Das Überleben dieser und weiterer an Wasser als Lebensraum gebundenen Tier- und Pflanzenarten wird darüber hinaus über die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gesichert, bei deren Umsetzung der LPV die Kommunen im WMK unterstützt. So trägt er dazu bei, dass heimische Fließgewässer wie zum Beispiel der Kupferbach in der Gemeinde Meißner bezüglich ihrer Struktur- und Gewässergüte wieder in einen guten Zustand gebracht werden.

Das Team

Um die zahlreichen spannenden Projekte bearbeiten zu können, wächst das interdisziplinär aufgestellte Team des Landschaftspflegeverbandes. Der Geo-Naturpark akquiriert bevorzugt Biologen, Landschaftspfleger oder Diplomlandwirte, die als Projektmanager noch mehr Naturschutz auf die Fläche der Schutzgebiete im WMK bringen. Auch Praktiker ohne Studienabschluss mit fundierten Kenntnissen im Naturschutz sind eine große Bereicherung. Denn es ist vor allem die Zusammenarbeit im interdisziplinären Team, die das Schützen der Natur mit dem Erleben, Verstehen und selbst aktiv werden verknüpft.

Entwicklung der Region

Großräumige Kulturlandschaften wie im WMK mit ihrer besonderen Eigenart und Schönheit zu erhalten, ist die ureigenste Aufgabe und damit erste der vier Säulen der Arbeit der Naturparke. Im Geo-Naturpark werden alle Projekte ganzheitlich bearbeitet und stärken sich innerhalb dieser vier Säulen gegenseitig: Erholung und Tourismus als zweite Säule lassen die sehenswerte Region mit blütenreichen Magerrasen vor allem durch die Entwicklung von Wanderwegen erlebbar werden. Ziel der dritten Säule ist es, Menschen jeden Alters im Sinne einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an Natur- und Umweltschutz heranzuführen und Naturschutzmaßnahmen mit Öffentlichkeitsarbeit zu begleiten.

Die Förderung einer nachhaltigen Regionalentwicklung bildet die vierte Säule der Naturparkarbeit: So unterstützt beispielsweise die Vermarktung regionaler Produkte die Schäfereien, die durch ihre Beweidung das artenreiche Grünland im FFH-Gebiet Werra- und Wehretal erhalten.  ts

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