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Zwergdommel gesichtet: Seltene Reiherart brütet überraschend am Werratalsee

Die Vorkommen der Zwergdommel in Mitteleuropa sind seit Jahren in einer besorgniserregenden Weise rückläufig. In Deutschland gilt sie als gefährdet.
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Die Vorkommen der Zwergdommel in Mitteleuropa sind seit Jahren in einer besorgniserregenden Weise rückläufig. In Deutschland gilt sie als gefährdet.

Die seltene und kleinste Reiherart, die Zwergdommel, galt in unserer Region als ausgestorben. Jetzt haben Vogelbeobachter sie am Werratalsee gesichtet.

Eschwege – Vor wenigen Tagen haben Vogelbeobachter im Naturschongebiet am Werratalsee bei Eschwege junge Zwergdommeln beobachtet. Dies ist eine riesige Überraschung, denn die Zwergdommel gilt seit Jahrzehnten im Werra-Meißner-Kreis und in ganz Nordhessen als ausgestorben.

Nur in Südhessen brüten aktuell noch zwischen 5 und 10 Brutpaaren in der Wetterau, im Kreis Offenbach und vor allem in den großen Naturschutzgebieten am Rhein (Kreis Groß Gerau). Zuletzt haben Zwergdommeln im Werra-Meißner-Kreis 1975 an einem Angelteich bei Meinhard-Schwebda gebrütet.

Im unmittelbaren Stadtgebiet von Eschwege war die Zwergdommel bis 1951 Brutvogel an einem verschilften Teich, der ehemals der Brauerei zur Eisgewinnung diente. Dieser Eisteich der Brauerei – östlich des Schwanenteichs – wurde später für den Bau der Jugendherberge zugeschüttet.

Unser Gastautor

Dr. Jörg Brauneis ist niedergelassener Arzt in Eschwege. Er ist Jäger und Naturschützer und gehört dem Vorstand des Jagdvereins Hubertus Eschwege an. Er engagiert sich besonders für den Wildtierschutz und den Schutz der Wildtierlebensräume. 

Ab 2014 wurden dann immer wieder einmal einzelne Zwergdommeln auch zur Brutzeit am Werratalsee gesehen, vor allem in den stillen, von einem dichten Schilfgürtel umgebenen Buchten im Naturschongebiet an der Nordwestecke des Sees.

Aber auch im dichten Schilf entlang des gesamten Nord- und Ostufers wurden die kleinen Reiher gelegentlich beobachtet. In diesem Sommer wurde die erste Zwergdommel Mitte Juli von Vogelschutzwart Rainer Olßok erspäht.

Rainer Olßok beobachtet die Vogelwelt am Werratalsee und besonders im Naturschongebiet im Auftrag des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land. Ende Juli konnten dann mehrere Vogelbeobachter schon fast ausgewachsene und gut fliegende Jungtiere beobachten. Die erfolgreiche Brut der Zwergdommel am Werratalsee belegt, welche Bedeutung der Werratalsee als Ganzes und vor allem das Naturschongebiet als Lebensraum für bedrohte Vogelarten erlangt haben.

Sie zeigt aber auch, dass eine naturverträgliche, touristische Nutzung des Sees und der Schutz der frei lebenden Tiere durchaus vereinbar sind. Für Naturfreunde ist es selbstverständlich, das Naturschongebiet nicht zu betreten. Die Vogelwelt am Werratalsee lässt sich von den vielen Rast- und Aussichtspunkten sehr gut beobachten.

Steckbrief zur Zwergdommel, die besonders geschützt wird

Die Zwergdommel (Ixobrychus minutus) ist mit einer Körpergröße von 27 bis 35 Zentimern die kleinste, europäische Reiherart. Ihr Lebensraum sind Sumpfgebiete, Auwälder, Moore, aber auch alte Kiesteiche mit dichter Vegetation und einem breiten Schilfgürtel. Sie ist – wie die meisten Reiher – ein Lauerjäger, der sich von kleinen Fischen und Amphibien, aber auch Würmern und Insekten lebt.

Das Brutgebiet der Zwergdommel reicht von Westeuropa bis ins mittlere Asien und umfasst auch Afrika südlich der Sahara. Die in Europa brütenden Vögel überwintern als sogenannte Langstreckenzieher in Zentral- und Südafrika. Die Vorkommen der Zwergdommel in Mitteleuropa sind seit Jahren in einer besorgniserregenden Weise stark rückläufig. In Deutschland gilt sie als gefährdete Vogelart.

Sie ist auch im Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie gelistet, was bedeutet, dass die Lebensräume dieser Art von den Naturschutzbehörden besonders geschützt und vor Schaden bewahrt werden müssen. (Dr. Jörg Brauneis)

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