Zwischen American Dream und Fast Food

DIE WEITE WELT UND WIR Maurice Fesch aus Sontra lebte und arbeitete zwei Jahre in den USA

Ein Mann kniet vor einem See. hinter dem See sind Berge und Bäume zu erkennen.
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Ausflug zu den Rocky Mountains: Dem Sontraer Maurice Fesch ist es wichtig, die Vielfalt des Landes kennenzulernen.

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ erzählen Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis, die im Ausland leben, ihre persönliche Geschichte.

Sontra/Ann Arbor – „Es war ein Ticket nach Amerika und ich wusste nicht, wann ich zurückkomme“, sagte der aus Sontra kommende Maurice Fesch, als er am 15. Februar 2019 mit einem Lufthansa-Flug in Detroit, Bundesstaat Michigan, landete. Obwohl der Servicetechniker eines Eschweger Automobilzulieferers bereits ein Arbeitsvisum im Gepäck hatte, waren die ersten Tage an seinem neuen Wohnort Ann Arbor (120.782 Einwohner) mit viel Stress vergessen. Wohnungssuche, Möbel kaufen, Sozialversicherungsnummer ausstellen lassen und Bankkonto eröffnen standen auf der eng getakteten Agenda. Und dann galt es noch den ersten Eindruck zu verarbeiten.

„Es war ein kompletter Kulturschock. Es war alles anders und viel größer – und wie man es aus den Filmen kennt“, sagte der 24-jährige Fesch, der sich freute, dass eine Kassiererin im Supermarkt gleich mit ihm den Small Talk suchte: „In Deutschland sind die Menschen engstirniger, die wenigsten würden ein Gespräch mit einem Fremden anfangen.“

Ebenfalls gut für Fesch: Sein Hobby und seine Leidenschaft Bodybuilding konnte er noch intensiver ausüben. Die Fitnessstudios sind riesig, die Rahmenbedingungen perfekt, der Sport wird noch mehr gelebt: „Viele gehen in den USA nicht mal eben ins Gym. Es werden sich von Beginn an hohe Ziele gesetzt.“ Der gelebte Geist des „American Dream“ war für Fesch in jeder Minute spürbar: „Die Leute träumen hier wirklich davon, vom Tellerwäscher zum Millionär zu werden.“

Aber für Fesch gab es auch eine Kehrseite der Medaille. „Es gibt in den USA gefühlt nur Fast Food. Gesund zu essen ist unmöglich. Eine Riesenherausforderung“, wusste Fesch schnell, der Lösungen parat hatte: „Meistens habe ich in den Hotels gekocht und manchmal haben wir mit meinem Kumpel und Arbeitskollegen Marcel Dietrich (Anm. d. Red.: 27, aus Eschwege) mit einem mobilen Grill vor dem Hotel gegrillt.“

Fesch war überall in den USA unterwegs. Als Servicetechniker hat er Maschinen seines Arbeitgebers bei Kunden aufgestellt und die Amerikaner an den Maschinen geschult. Für Reparaturen stand er Tag und Nacht zur Verfügung, um auch mal eben 1000 Kilometer über den Highway in eine Fabrik zu fahren. Zehn Stunden Fahrt nahm Fesch nicht selten auf sich. „Die Amerikaner haben gar keine Ausbildung. Sie fangen nach der Schule bei einem Automobilhersteller an und sind gleich Mechaniker“, so Fesch, der die Effizienz der Amerikaner oft hinterfragte.

Fesch blickt zufrieden auf seine Zeit in den USA zurück. „Ich würde es noch mal machen, wobei zwei Jahre reichen. Der Schritt aus der deutschen Kultur raus tat mir gut. Ich habe auch gemerkt, dass es uns in Deutschland richtig gut geht. Niemand ist so gut abgesichert wie wir Deutschen“, sagte Fesch, der berichtete, dass die Einführung der Krankenversicherung ein ständiges Streitthema im US-Wahlkampf war.

Dann gerät Fesch doch ins Schwärmen, berichtete über seine Reisen – über Sehnsuchtsorte und beeindruckende Landschaften. „Ich war in Chicago, Miami, Los Angeles, San Francisco und Las Vegas. Der Grand Canyon, die Niagarafälle und karibische Strände haben mich begeistert“, so Fesch, der mit einem breiten Lächeln betonte: „Ich habe die Vielfalt des Landes kennengelernt.“ »  ARTIKEL UNTEN

Von Marvin Heinz

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