1000 Kilometer bis zum Meer

Rentner läuft von Garmisch-Partenkirchen zur Nordsee

Wolfgang Schuster: Nur mit einem Rucksack und der Navigationsapp „Komoot“ durchquert er Deutschland.
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Wolfgang Schuster: Nur mit einem Rucksack und der Navigationsapp „Komoot“ durchquert er Deutschland.

„Gib niemals auf!“ - das ist das Lebensmotto von Wolfgang Schuster. Der 74-jährige Gütersloher möchte in sechs Wochen von Garmisch-Partenkirchen in Bayern nach Harlesiel an der Nordsee wandern.

Oelshausen - Nun durchquert er auf seinem langen auch das Wolfhager Land. Jetzt machte er für eine Nacht Halt in Oelshausen. „Vor fünf Jahren hatte ich einen schlimmen Unfall“, erzählt Schuster. Er fiel von der Leiter und zog sich dabei Trümmerbrüche in beiden Fersen zu, sodass er lange Zeit im Rollstuhl verbringen musste. „Die Ärzte sagten mir, ich könne nie wieder fünf Kilometer gehen - ich wollte ihnen das Gegenteil beweisen.“, erklärt der willensstarke Ostwestfale mit einem Lächeln im Gesicht.

Und das tat er: Trotz anhaltender Beschwerden und Metall in beiden Füßen machte er vor zwei Jahren eine Alpentour. „Ich wanderte von Oberstdorf nach Meran, um zu gucken, ob ich auch mehr schaffe.“ Letztes Jahr arbeitete der ehemalige Versicherungsberater gegen Kost und Logis auf einer Alm. „Die Arbeit war dort sehr hart. Ich habe Kühe gemolken, Gäste bedient, und nicht selten war ich erst spät abends mit allem fertig.“ Schon bei dieser Gelegenheit schmiedete der Sportler den Plan, sich auf einen Fußmarsch von mehr als 1000 Kilmetern zu begeben. Diesen Plan setzt er nun mithilfe seiner positiven Lebenseinstellung und viel Motivation um.

Doch warum ausgerechnet von Garmisch-Partenkirchen nach Harlesiel? „Viele Wanderer laufen von Norden nach Süden. Ich wollte es andersherum machen – im Gebirge starten und am Ende bei null ankommen.“ Ursprünglich wollte sich der passionierte Marathonläufer schon am 27. Mai von der Zugspitze aus auf die Socken machen. „Corona machte mir da einen Strich durch die Rechnung. Ich hätte aufgrund der Hygieneregeln meinen eigenen Schlafsack mitnehmen müssen, um auf der Zugspitze zu übernachten. Das wäre mir zu viel Gepäck gewesen.“

Also verschob er den Start auf den 11. Juli. Mit einem Mietwagen macht er sich auf den Weg nach Garmisch-Partenkirchen. Angst vor Corona hat er nicht. „Das einzige, was in dieser Zeit schwierig ist, ist einen Schlafplatz zu finden, da viele Gasthöfe zurzeit noch geschlossen haben.“

Mit seinem 9,5 Kilogramm schweren Rucksack und seiner Navigationsapp hat der naturverbundene Ostwestfale bereits 650 Kilometer absolviert. Jeden Tag legt er eine Strecke von mindestens 20 und höchstens 34 Kilometern zurück. Zwischendurch gab es auch schon einen Tag, an dem er nur 16 Kilometer wanderte. „Manche Menschen, vor allem in meinem Alter, würden für 16 Kilometer eine Woche brauchen. Für mich ist das ein Ruhetag“, sagt er und lacht.

Wolfgang Schuster ist nicht nur fit, er engagiert sich auch ehrenamtlich. In seiner Freizeit hilft er im Wald bei der Baumpflege. Aus diesem Grund möchte er nach seiner Reise für jeden gelaufenen Kilometer einen Euro in den Kauf von Pflanzen für den Wald investieren.

„Mein Umfeld denkt teilweise, dass ich verrückt bin. Meine Familie kennt und unterstützt mich natürlich. Einige Bekannte habe ich aber auch dazu gebracht, mit dem Sport anzufangen.“ Der ehrgeizige Wanderer machte vor vier Jahren seinen Lauftrainerschein und trainierte viele Läufer. „Solange ich Menschen motivieren kann, Sport zu treiben, habe ich geschafft, was ich will.“ (Clara Pinto)

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