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Ab Januar müssen Mehrwegverpackungen angeboten werden

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Von: Antje Thon

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Weniger Verpackungsmüll beim Take-Away-Essen: Jörg Waßmuth (links), der in Wolfhagen neben dem Restaurant „Zum Schiffchen“ auch „Mey’s Imbiss“ betreibt, wird ab Januar auch Mehrwegverpackungen anbieten. Wolfhagens Klimaschutzmanager Markus Huntzinger präsentiert die wiederverwendbaren Behältnisse.
Weniger Verpackungsmüll beim Take-Away-Essen: Jörg Waßmuth (links), der in Wolfhagen neben dem Restaurant „Zum Schiffchen“ auch „Mey’s Imbiss“ betreibt, wird ab Januar auch Mehrwegverpackungen anbieten. Wolfhagens Klimaschutzmanager Markus Huntzinger präsentiert die wiederverwendbaren Behältnisse. © Antje Thon

„Am Anfang wird es knirschen“ - Dehoga-Geschäftsführer geht von langer Eingewöhnungsphase aus. Gastronomen sehen verschiedene Probleme.

Kreis Kassel – Dass der Weg richtig ist, davon ist Julius Wagner überzeugt. Mehrwegverpackungen sind ökologischer als Einwegverpackungen, weil mit ihnen Abfall reduziert wird. Doch der Hauptgeschäftsführer der Dehoga Hessen weiß auch, dass eine Etablierung des neuen Systems im Alltag Zeit benötigen wird. Er geht davon aus, dass es am Anfang mächtig knirschen wird.

Ausnahmen nur für Imbissbuden

Von Januar an sind alle Vertreiber von Essen und Getränken zum Mitnehmen gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Kunden eine Mehrwegverpackung anzubieten. Ob die Kunden diese dann auch haben wollen oder ihre Bestellung weiterhin einwegverpackt akzeptieren, bleibt ihnen überlassen. Betroffen sind neben Caterern, Restaurants, Lieferdiensten auch Betriebe des Lebensmitteleinzelhandels, wie Heiße Theken, Kaffee-Bars oder Eis-Theken. Ausnahmen gibt es nur für Betriebe mit einer Fläche unter 80 Quadratmetern und maximal fünf Beschäftigten – also kleine Imbissbuden.

Wagner sieht eine große Herausforderung in der Organisation. Derzeit tummeln sich auf dem Markt mehrere Hersteller von Mehrwegverpackungen. Beim Kunden könne das dann schlimmstenfalls so aussehen, dass sich bei ihm zuhause Mehrweggeschirr verschiedener Marken stapele, welches er bei der Rückgabe der jeweils richtigen Gastronomie zuordnen müsse. „Aber wir müssen da jetzt einfach mal anfangen“, sagt Wagner, der einräumt, längst nicht alle Antworten auf die Fragen nach der Umsetzung des Systems zu kennen.

„Es wird wohl einen Flickenteppich von Lösungen geben.“ So sei zum Beispiel völlig unklar, wie viele Verpackungen ein Betrieb vorhalten müsse, damit das System funktioniere. Das sei zum einen abhängig von der Zahl der Außerhausverkäufe, davon, wie wichtig Kunden der Nachhaltigkeitsgedanke sei und letztlich auch davon, wie lange die Verpackungen im Haushalt der Kunden verblieben.

Kunden könnten Verpackungen beschädigen

Axel Brandt vom Waldhotel Schäferberg in Espenau sieht noch ein weiteres Problem. Von Testläufen in anderen Betrieben wisse er, dass einige Kunden ihre Speisen statt auf einen Teller zu geben, direkt aus der Verpackung essen und mit dem Besteck den Kunststoff zerkratzen. „Das könnte ein späterer Kunde als wenig appetitlich empfinden“, sagt Brandt.

Reinigen oder wegwerfen?

Jörg Waßmuth vom Restaurant „Zum Schiffchen“ ärgert sich zudem darüber, dass die Anschaffung zulasten der Betriebe geht. Und ob das wirklich umweltfreundlich sei, wenn Gäste die geliehenen Behältnisse daheim reinigen und er die sauberen Verpackungen aus Gründen der Hygiene ein zweites Mal durch die Spülmaschine jagen müsse, dürfe angezweifelt werden.

Waßmuth hat sich mit seinem Vorstoß für eine einheitliche Lösung in Wolfhagen an den Klimaschutzmanager der Stadt, Markus Huntzinger, gewandt. Der hat Unterstützung signalisiert, passt doch die Reduzierung von Verpackungsmüll genau zu den Zielen, die sich die Stadt auf ihrem Weg zu Klimaneutralität auf die Fahnen geschrieben hat. Ob sie aber so weit geht, dass sie dem Beispiel Bad Hersfelds folgend ein Förderprogramm auflegt und so Betriebe bezuschusst, die sich zu einem System für Mehrweggeschirr zusammenschließen, dürfte schon allein aufgrund der vorläufigen Haushaltssperre fraglich sein.

Auch Dehoga-Chef Wagner sieht Vorteile, wenn sich mehrere Betriebe auf ein Mehrwegsystem einigen. Kunden könnten ihre Verpackungen nicht nur dort abgeben, wo sie diese gegen Pfand mitgenommen haben, sondern in allen angeschlossenen Betrieben. Die Dehoga hat für ihrer Mitglieder bereits einige Online-Schulungen angeboten, weitere sollen folgen – der Bedarf sei groß, sagt Wagner.

Kunden könnten auch selbst Gefäße mitbringen

Arnold Bunzenthal, Eigentümer des Hessischen Hofes in Bad Karlshafen, sieht die Umsetzung der Verordnung pragmatisch. Das Außer-Haus-Geschäft sei bei ihm nicht die große Nummer. Manchmal liege der Anteil Take-Away-Speisen bei fünf Prozent, es gebe aber auch Tage, an denen niemand Gerichte ordere, um sie zuhause zu essen. Dafür werde er sich nicht Mehrweggeschirr anschaffen und es gegen Pfandverleihen. Die große Mehrheit seiner Kunden bevorzuge es ohnehin, an einem Tisch im Restaurant Platz zu nehmen.

Er habe kein Problem, wenn ihm Gäste saubere Gefäße überreichten, in die Speisen gefüllt würden. Die Behältnisse könnten kurz in der Spülmaschine gereinigt werden. „Das Geschirr im Gastraum wird doch auch von Kunden berührt. Wo ist da der Unterschied“, fragt Arnold Bunzenthal.

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