Götter, Gags und Weckewerk

Alles nur Theater in Burghasungen: Viel Applaus für Heracles bei den Germanen

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Entdeckung des Weckewerks: Germanenfürst Arminius (Lars Dehnert, 4. von links) und den anderen Germanen schmeckt das Weckewerk, das von Selma (Ayşe Kurtören-Graf, vorne) durch Zufall kreiert wurde. 

Fazit nach der fast dreistündigen Welturaufführung „Heracles bei den Germanen“ auf der Bergbühne Burghasungen: Am Schlamassel auf der Erde ist immer die Obrigkeit schuld. 

Und nebenbei erfährt man, wie die Germanen zu ihrem Namen kamen, und dass sie das Weckewerk und die Ahle Wurst erfunden haben.

In dem Theaterstück „Heracles bei den Germanen“ oder „Wie Herkules nach Kassel kam“ ist Göttervater Jupiter der Schuldige, weil er seine Finger nicht von den Frauen lassen kann und dadurch den Zorn seiner Gattin Juno heraufbeschwört. Die Folgen sind Intrigen und Kriege, mit eklatanten Auswirkungen auf seinen Sohn Heracles, die Römer, Gallier und Germanen.

Die Premiere des neuesten Theaterstücks der Amateurtheatergruppe „Alles nur Theater“ aus Ehlen ist für die fast 40 Laienspieler und auch für die Zuschauer ein körperlicher und geistiger Marathonlauf. Geschickt stellt das Ensemble etwa 80 Jahre der Geschichte der Römer und Germanen dar, verflochten mit der griechisch-römischen Mythologie. Auf der unteren Ebene der wie ein Amphitheater aufgebauten Naturbühne spielen die Germanen und Gallier; etwas abseits die Römer, in der Mitte die Griechen von Mykene, und die Götter weilen entweder oben auf dem Olymp oder unter den Menschen.

Dadurch befinden sich die Zuschauer mitten im Geschehen, müssen sich aber trotzdem auf das Geschehen sehr konzentrieren, denn es gibt viele Handlungsstränge mit vielen Personen. Doch ein Informationsblatt mit einer Übersicht über Historie, Mythologie und frei erfundene Handlungen hilft ihnen, sich im Stück zurechtzufinden.

Cäsar will eine Mauer bauen und die Gallier sollen bezahlen

Dafür hat sich die Regie unter Michaela Dehnert und Jens Lessing eine Menge Action durch Kampfszenen, ein paar Gags und aktuelle politische Andeutungen einfallen lassen. So überlegt Cäsar, ob er eine Mauer gegen die Gallier bauen und sie von ihnen bezahlen lassen soll. Und die germanische Köchin Selma streckt das Essen mit Wecken und erfindet so das Weckewerk. Das Publikum dankt es mit viel Zwischenapplaus. Einfallsreich ist auch die Idee, zwei Götter (Minerva und Bacchus) durch ein Fernrohr die Geschehnisse auf der Erde verfolgen und kommentieren zu lassen.

Zum Schluss wird alles gut. Heracles kommt auf der Suche nach der Liebe zufällig in den Habichtswald und nach Kassel, wo er durch die Versöhnung von Jupiter und Juno in den Olymp aufsteigt und unter viel Lärm und Rauch zur Herkules-Statue auf dem Oktogon in Kassel wird. Viel Applaus und Anerkennung für ein umfangreiches Theaterstück mit fantasievollen Kostümen und Bühnenbild und einem grandios aufspielenden Ensemble.

Ärgerlich für Darsteller und Zuschauer waren allein die teilweise unzureichende Tontechnik und Beleuchtung.

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