Sanierung der  Kirche

Die Altendorfer bekamen mit viel Fantasie ihren Spendentopf voll

Spendenbarometer: Pfarrer Oliver Jusek und die Kunststoffsäule, in der mit farbigem Sand der jeweils erreichte Stand im Spendentopf dargestellt wurde. Foto:  Norbert Müller

Einen Eigenanteil von 35.000 Euro mussten die Altendorfer für die Sanierung ihres kleinen Gotteshauses liefern. Sie schafften in der vorgegebenen Zeit weit mehr.

Die Aufgabe war schier gigantisch, aber für die gut 230 Bewohner von Naumburgs kleinstem Stadtteil Altendorf doch längst nicht zu groß: Für die Sanierung ihrer Bonifatiuskirche galt es, innerhalb weniger Monate 35 000 Euro zusammenzutragen – den Eigenanteil an der auf insgesamt 400 000 Euro veranschlagten Sanierung ihrer Bonifatiuskirche.

Jetzt kam der Tag der Wahrheit, zum festgesetzten Termin erwartete die Landeskirche, die die finanzielle Hauptlast der Runderneuerung zu tragen hat, die Bilanz. Und die sorgte dann auch im Haus der Kirche in Kassel für erstaunte Gesichter, aber mehr noch für Hochachtung. 41 704 Euro waren im Topf.

Über den aktuellen Stand waren die Altendorfer während der gesamten Sammelaktion bestens informiert. Pfarrer Oliver Jusek hatte auf dem Altar der Dorfkirche eine transparente Röhre aufgestellt. Farbiger Sand spiegelte den Pegel im Spendentopf wieder: in Rot bis zum ersten Zwischenstand, in Weiß bis zum selbst gesetzten Ziel. Und blauer Sand zeigt nun an, wie weit man übers Ziel hinaus gekommen ist.

Der Eigenanteil wird nun aus dem Kirchenerhaltungsfonds der Evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck verdoppelt. Für den Rest der Sanierungskosten kommen Landeskirche und Kirchenkreis Wolfhagen auf.

So anspruchsvoll die Zielsetzung für die Altendorfer war, so einfallsreich und engagiert gingen sie in den vergangenen Monaten zur Sache. Aus dem Dorf und auch aus dem zum Kirchspiel gehörenden Nachbarort Elbenberg wurden im Herbst Äpfel in Richtung Landmetzgerei Ritter gekarrt. „Pia Ritter hat unglaublich viel Apfelsaft gepresst“, schwärmt der Pfarrer. Mehr als 5000 Liter seien es wohl gewesen. Das Getränk fand reißenden Absatz, bei den Kunden im Hofladen, aber auch am Stand der Kirchengemeinde bei den Naumburger Pomologentagen und auf dem Fritzlarer Stadtfest. Dort wurden auch Marmelade und Selbstgebasteltes verkauft.

Geld brachten zudem ein gemeinsames Wildschweinessen im Dorf, das Kirchenkino, eine Aktion mit Sparschweinen, die in den Haushalten aufgestellt wurden. Jusek: „Was die Gemeinde geleistet hat, ist grandios.“ Und es wurde viel gespendet, schließlich war klar, dass es in der Dorfkirche viel zu erneuern gibt.

Im Zuge der Sanierung soll die gesamte Elektrik des Gotteshauses, die der Pfarrer als „desaströs“ bezeichnet, ersetzt werden. Auf der langen Liste der Arbeiten stehen die Erneuerung des Fußbodens, der Fenster, der Heizung, der Einbau einer automatischen Lüftung, die Reparatur der Orgel. Der Innenraum der Kirche soll „multifunktional gestaltet werden“, so Oliver Jusek – möglichst variabel je nach Veranstaltung.

Wann geht es los? Die Konfirmation Ende April werde noch in der Kirche gefeiert, danach rücken die Handwerker an. Man müsse noch klären, ob die Gottesdienste während der Bauphase im Dorfgemeinschaftshaus stattfinden oder ob die Gemeinde nach Elbenberg ausweicht.

Die Arbeiten werden wohl Monate dauern. „Mein Traum wäre“, sagt der Pfarrer, „dass wir Weihnachten wieder hier in der Bonifatiuskirche feiern können.“

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