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Altenstädt erhält für dorfgerechte Begrünung Sonderpreis

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Von: Norbert Müller

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Hat ihre Blüten im Blick: Helga Reuter kümmert sich ehrenamtlich um den Blumenschmuck am Ortseingang bei ihrem Haus. Jetzt, Mitte Oktober, könne man die Pracht der vergangenen Monate nur noch erahnen.
Hat ihre Blüten im Blick: Helga Reuter kümmert sich ehrenamtlich um den Blumenschmuck am Ortseingang bei ihrem Haus. Jetzt, Mitte Oktober, könne man die Pracht der vergangenen Monate nur noch erahnen. © Norbert Müller

In Altenstädt legen die Bürger kleine Pflanzenparadies ein. Dafür erhielt der Ort einen Sonderpreis beim Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.

Altenstädt – Es lohnt sich, wenn sich die Bewohner eines Ortes für die Gemeinschaft engagieren. Diese Erfahrung hat jetzt der Naumburger Stadtteil Altenstädt beim Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gemacht.

Im Mai, erzählt Ortsvorsteherin Yvonne Franke, habe man sich für den Regionalentscheid beworben und die Jury, die im Sommer Altenstädt unter die Lupe nahm, überzeugt. Der zweite Platz aller teilnehmenden Dörfer im Landkreis Kassel und damit verbunden 4000 Euro sprangen dabei heraus. Zudem bedeutete das die Qualifikation für den Landesentscheid, für den die Bereisung der Jury im September über die Bühne ging und dessen Ergebnis die hessische Umweltministerin Priska Hinz gerade bekannt gab.

Unter den fünf Siegern war Altenstädt zwar nicht, aber von den 72 hessischen Dörfern, die ins Rennen gingen, erhielten vier einen Sonderpreis, der mit jeweils 2000 Euro dotiert ist. Ganz vorn auf der Liste: Altenstädt. Dazu teilt die Ministerin mit: „Naumburg-Altenstädt erhält einen Sonderpreis für seine herausragende Gemeinschaftsleistung in der dorfgerechten Begrünung“.

Paten pflegen das Beet: Altenstädts Ortsvorsteherin Yvonne Franke vor einer städtischen Grünfläche an der Tannenstraße, um die sich Anwohner kümmern.
Paten pflegen das Beet: Altenstädts Ortsvorsteherin Yvonne Franke vor einer städtischen Grünfläche an der Tannenstraße, um die sich Anwohner kümmern. © Müller, Norbert

Damit, so Yvonne Franke, sei dann wohl der Einsatz von Leuten wie Helga Reuter gemeint. Die 75-Jährige hat ohne Zweifel ein Händchen für alles, was grünt und blüht und dazu noch Ideen, wie man auch in seinem direkten Umfeld Akzente setzen kann. Die letzte Straßenlaterne im Ort auf der linken Seite am Ortsausgang in Richtung Bründersen ist so ein typisches Beispiel für den Einsatz von Helga Reuter. Den Standort der einsamen Lampe am Straßengraben hat sie schon vor Jahren kurzerhand mal aufgehübscht. Rundherum hat sie ein Blumenbeet angelegt, in dem es seither während der Vegetationsphase blüht. Derzeit grüßen dort im Rund, das die energiegeladene 75-Jährige mit Kalksteinen vom eigenen Acker eingefasst hat, halbhohe rote Rosen am Busch. „Das sind alles Rosen, die ich selbst anzüchte“, sagt sie stolz. Und damit es im Frühjahr auch zeitig mit der Farbenpracht losgeht, hat sie auch schon Tulpenzwiebeln in den Boden gesteckt.

Der Hof der Reuters liegt direkt neben der Laterne, und davor steht ein Schild, das alle begrüßt, die von Bründersen kommend nach Altenstädt einfahren. Für Helga Reuter war das einfach nicht lebendig genug, da ging doch noch deutlich mehr. Und schnell zeigte sie dann auch, wie. Natürlich in Absprache mit der Stadt Naumburg. Da wurde dann erst mal ein großer Sandsteintrog aus dem Kuhstall der Reuters am Schild platziert. Eine wuchtige Wanne, in die man ordentlich was einpflanzen kann. Darüber, am Schild, ist noch ein Kasten aus Holz befestigt, der ebenfalls einiges an Zierpflanzen aufnehmen kann.

Die Stadt, erzählt Reuter, bepflanze beide Tröge, sie selbst übernehme dann ganz selbstverständlich die Pflege übers Jahr. „Ich liebe Blumen“, sagt sie, „ich bin auch jeden Tag dahinter und knipse aus“, denn vertrocknete Blüten oder Blätter könne sie gar nicht leiden. Sie mag es ordentlich und sauber, das gilt für den Bereich um die Lampe, um die Begrüßungskombination und auch ihr eigenes Grundstück, das ganz und gar einem kleinen Pflanzenparadies gleicht. Das Gestalten, das Pflanzen und das Anzüchten der Gewächse macht ihr Spaß. Und sie ist stolz darauf, alles selbst zu schaffen.

Klar sei der Einsatz für die Verschönerung ihres Heimatortes auch manchmal anstrengend, sagt sie lachend, etwa wenn sie – wie in diesem Sommer – jeden Abend 20 Kannen Wasser zu den Pflanzen am Schild und an der Laterne zum Gießen schleppt. „Es gibt ja Leute, die sagen ich hätte sie nicht alle“, erzählt sie bestens gelaunt. Aber mit diesem Fitnessprogramm belohne sie sich ja auch selbst, wenn sie sehe, wie die Pflanzen gedeihen.

Für Ortsvorsteherin Yvonne Franke ist Helga Reuters Einsatz beispielhaft für das Engagement im Dorf, das zu dem Sonderpreis des Landeswettbewerbs geführt habe. Es gebe aber noch Weitere. Franke nennt die Anwohner der Tannenstraße, die eine städtische Grünfläche in Eigenregie pflegen. Im gesamten Ort gebe es noch andere, die Patenschaften für kleinere Eckchen übernommen haben, damit dem Ortsbild dienen und auch die Mitarbeiter des Bauhofes entlasten. „Und dann gibt es ja noch die, die das stillschweigend vor ihrer eigenen Haustür erledigen“, sagt Franke.

Das Geld aus dem Wettbewerb – beim Vorentscheid gab es 4000 Euro – komme in die Gemeinschaftskasse im Ort. Und dann seien die Dorfbewohner gefragt. „Mal sehen, was wir mit dem Geld Schönes machen. Da kann sich jeder einbringen.“ Und an Ideen mangelt es in Altenstädt ja nun wirklich nicht.

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