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Am 9. November gedenkt Wolfhagen den Novemberprogromen von 1938

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Von: Antje Thon

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Im Haus an der Torstraße 5 in Wolfhagen lebte Moses Block, der 1942 mit weiteren 752 Juden aus der Region vom Kasseler Bahnhof aus nach Theresienstadt transportiert wurde.
Im Haus an der Torstraße 5 in Wolfhagen lebte Moses Block, der 1942 mit weiteren 752 Juden aus der Region vom Kasseler Bahnhof aus nach Theresienstadt transportiert wurde. © Antje Thon

Die Gedenkveranstaltung findet im Wolfhager Kulturladen statt. Berichte des Kasselers Otto Bernstein aus dem KZ Theresienstadt werden vorgelesen.

Wolfhagen – Das Schicksal der Menschen in Theresienstadt steht ihm Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung am Mittwoch, 9. November, ab 18 Uhr im Wolfhager Kulturladen. 1938 war dieser Novembertag mit seinen Pogromen ein für alle Deutschen sichtbarer, furchtbarer Höhepunkt auf dem Weg der Vorbereitung zum millionenfachen Mord.

Vor 80 Jahren, am 7. September 1942, ging der letzte große Transport vom Kasseler Bahnhof in das Lager Theresienstadt. Bei der Deportation wurden 753 jüdische Frauen, Männer und Kinder gewaltsam verschleppt und in den Tod getrieben. Unter den Deportierten aus 59 Orten in Nordhessen waren auch Menschen, die einmal in Wolfhagen oder Niederelsungen, in Zierenberg oder Naumburg zuhause waren. Viele von ihnen waren bereits zuvor zwangsweise nach Kassel umgesiedelt worden – unter ihnen der Wolfhager Moses Block, sagt der Volkmarser Ernst Klein, der während der Gedenkveranstaltung über die Vorbereitung und den Ablauf der Deportation nach Theresienstadt referieren wird. In Wolfhagen sei man damals sehr ehrgeizig gewesen, „man wollte schon 1939 judenfrei sein“.

Ernst Klein Referent aus Volkmarsen
Ernst Klein Referent aus Volkmarsen © Thon, Antje

Ernst Klein, der maßgeblich die Aufarbeitung Wolfhagens jüdischer Geschichte vorangetrieben hat, wird aus seinem aktuellen Buch über die Familien „Bernstein und Hüneberg - Fünf Jahrhunderte Deutsch-Jüdische Familiengeschichte“ lesen. Dabei wird er den Schwerpunkt auf die authentischen Berichte von Otto Bernstein und die von ihm verfassten ergreifenden Gedichte aus der Zeit im Ghetto Theresienstadt legen. Schüler der Walter-Lübcke-Schule sind ebenfalls in die Gestaltung der Gedenkfeier eingebunden.

In seinen Erinnerungen berichtet Otto Bernstein (1873-1977) aus seiner Kindheit bei den Großeltern Hüneberg in Volkmarsen, von seiner Schulzeit im Realgymnasium in Kassel, seiner erfolgreichen Zeit als Kaufmann in Moskau (bis 1914), der Internierung in Sibirien und seiner Flucht während der russischen Oktoberrevolution. Zurück im Deutschen Reich war es dem evangelischen Christen Bernstein wegen seiner jüdischen Abstammung nicht möglich, sich der NS-Verfolgung zu entziehen. Zwar gelang ihm 1939, Frau und Sohn die Flucht nach England zu ermöglichen. Er selbst aber wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und erlebte, fast verhungert, im Mai 1945 die Befreiung durch russische Truppen. 1947 konnte er zu seinem Sohn nach Australien auswandern und dort seine letzten Lebensjahre verbringen.

Ernst Klein hat sich als Gründer und langjähriger Leiter des Volkmarser Dokumentations- und Informationszentrums zur deutsch-jüdischen Regionalgeschichte mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit zur Erforschung und Dokumentation der Geschichte jüdischer Familien in Nordhessen und Ostwestfalen einen Namen gemacht. Sein jüngstes Buch „Bernstein und Hüneberg - Fünf Jahrhunderte Deutsch-Jüdische Familiengeschichte“ ist im vergangenen Jahr herausgekommen. VON ANTJE THON UND DORINA BINIENDA-BEER

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