Andrej und Anna Boger sind seit 65 Jahren verheiratet

Ein langes Eheglück: Andrej und Anna Boger feiern heute in Ippinghausen das seltene Fest der Eisernen Hochzeit, sind also seit 65 Jahren verheiratet. Foto:  zih

Ippinghausen. „Unser Eheglück und unsere Liebe verdanken wir der Güte unseres himmlischen Vaters."

Das sagen Andrej und Anna Boger, geborene Wegner, die im Haus ihres Enkels an der Tulpenstraße 9 in Ippinghausen das Fest der Eisernen Hochzeit feiern.Seit 65 Jahren sind sie verheiratet. Erste Gratulanten waren die Familien ihrer zwei Kinder mit vier Enkeln und zwei Urenkeln.

Andrej Boger erblickte am 13. Februar 1927 in einem deutschstämmig besiedelten Dorf das Licht der Welt, etwa 200 Kilometer von der russischen Hauptstadt Moskau entfernt. Dort kam auch Anna Wegner am 23. November 1928 zur Welt, wobei sich Andrej und Anna in ihrem Geburtsort bewusst nie begegnet sind. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges begann für beide die Odyssee und der Leidensweg. Alle Russen deutscher Herkunft wurden im Oktober 1941 ins ferne Sibirien zwangsumgesiedelt.

Arbeit in der Landwirtschaft 

Anna Boger: „Der Transport dorthin, eingepfercht in Viehwagen,dauerte eineinhalb Monate.“ Anna musste in der Landwirtschaft arbeiten, später verkaufte sie in einem Laden landwirtschaftliche Produkte. Andrej hatte Glück, musste nicht als Arbeiter in den Wald oder unter Tage in einer Kohlengrube schuften. Er fand eine Anstellung als Kraftfahrer in der Landwirtschaft. Die beiden lernten sich kennen und lieben und wollten gemeinsam den widrigen Lebensverhältnissen trotzen. Anna: „Die Arbeit, die wir verrichten mussten, war nicht so hart wie oft der Hunger und die Kälte, die im Winter manchmal bis zu 50 Grad Minus betrug.“ Und Anna hatte mit der Wahl ihres Herzens, nämlich Andrej zu heiraten, den Ratschlag ihres Vaters befolgt, der ihr dringend davon abgeraten hatte, einen Russen als Mann zu nehmen.

Den Bund der Ehe schlossen Andrej und Anna am 29. November 1949. Ihr Wunsch nach einem kirchlichen Segen blieb unerfüllt, da es in dem Dorf durch staatliche Anordnung keine christliche Kirche gab. Sie bezogen ein Haus, zudem ein Viertel Hektar Land gehörte.

Ihre beiden Kinder siedelten im April 1991 nach Deutschland über, Andrej und Anna folgten ihnen ein halbes Jahr später. Zuerst fanden sie in Sand eine neue Heimat, 1992 zogen sie nach Ippinghausen in das Haus einer ihrer Enkel. Wo sie, betreut von ihren Familienangehörigen, ihren Lebensabend genießen. Getrübt wurde das Familienglück dadurch, dass ihr Sohn durch eine tückische Krankheit im Alter von nur 47 Jahren starb. (zih)

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