Austausch der Belüftungsteller in Merxhausen

Arbeiten ohne Sicht: Taucher im Einsatz im Klärbecken

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Taucht ins Klärbecken ab: Konstantin Marx (36) wechselte am Dienstag in der Kläranlage Merxhausen die Belüftungsteller aus. Unter Wasser hat Marx keine Sicht, beim Austausch der Teller muss er sich auf seinen Orientierungssinn verlassen.

Merxhausen. Kristallklares Wasser, bunte Fischschwärme, Korallenriffs. Es gibt schönere Gegenden zum Tauchen als das Klärbecken in Merxhausen.

Karl Kerlen und seine Mitarbeiter sind aber nicht nach Bad Emstal gekommen, um Urlaub zu machen.

Die Poren der Belüftungsteller in der Kläranlage haben sich nach über zehn Jahren zugesetzt und werden in dieser Woche ausgetauscht. Die Teller befinden sich am Grund des fünf Meter tiefen Beckens und versorgen die Bakterien mit Sauerstoff, die das organische Material im Haushaltsabwasser zersetzen.

 Plan als Orientierungshilfe: Karl Kerlen (44) taucht mit seinen Mitarbeitern nicht nur in Kläranlagen. Auch in Häfen, an Bauwerken, Offshore-Windrädern und zum Bergen von Schiffen geht er unter Wasser.

Der Job ist außergewöhnlich. Die Taucher haben null Sicht, stecken in einer 70 Kilogramm schweren Ausrüstung - allein der Helm wiegt elf Kilo - und bewegen sich in einem mit Fäkalien angereicherten Bassin. Für Karl Kerlen, der seit 21 Jahren deutschlandweit und im Ausland als Berufstaucher arbeitet und in Hanau eine Firma gegründet hat, ist es Routine. Bevor er in die braune Brühe steigt, prägt er sich nach einem Plan die Lage der 162 Belüftungsteller ein. Hochkonzentriert läuft er den Boden in Bahnen ab. Sobald er an einem Teller angelangt ist, beginnt die eigentliche Arbeit. Dann lässt der Kollege an einem Seil das neue Bauteil ins Wasser und holt das alte aus der Versenkung.

„Das Tauchen ist für uns nur Mittel zum Zweck“, sagt der 44-jährige gebürtige Hamburger, der am Montag vier Stunden am Stück im zehn Grad kalten Wasser im Einsatz war und in der Zeit 40 Vorrichtungen gewechselt hat. Gefroren habe er nicht. Unter ihrem Trockenanzug tragen die Männer eine Art Skiunterwäsche, nur dicker. Bei noch niedrigeren Temperaturen kann der Anzug auch beheizt werden.

In Verbindung mit dem Taucher: Karl Kerlen (vorn) lässt die Belüftungsteller ab, Riaan van der Merwe (37) führt die Versorgungsleitung, über die der Kollege mit Luft versorgt wird und über die auch die Funkverbindung läuft.

Luft bekommt Kerlen über einen Kompressor, mit dem er über eine Leitung verbunden ist. „Wir nennen die Verbindung Nabelschnur“, sagt der Industrietaucher. Über diese Nabelschnur stehen sie in Kontakt mit der Außenwelt. Selbst Strom fließt über eine der beiden Leitungen. In Merxhausen dient er lediglich der Kommunikation über Funk. An anderen Einsatzorten werden so Kreissäge oder Schweißgerät betrieben.

Durch die Bewegungen im Wasser wird der Klärschlamm aufgewirbelt und dort, wo durch die ausgetauschten Teller über einen Kompressor wieder Luft ins Becken gedrückt wird, perlt Gas an die Oberfläche. Ausgerechnet in einem Klärbecken zu tauchen, hat für Kerlen und seine Mitarbeiter Konstantin Marx und Riaan van der Merwe nichts Abstoßendes. „Wir sehen eh nichts, unten ist es dunkel“, sagt der gebürtige Südafrikaner. In manchen Häfen sei es weniger sauber als in einem Klärwerk, ergänzt Kerlen.

Links neu, rechts alt: Über die Teller werden die Bakterien im Klärbecken mit Sauerstoff versorgt.

Über einen Mangel an Aufträgen kann sich der Tauchermeisterbetrieb aus Hanau nicht beklagen, auch wenn zunehmend billige Konkurrenz aus Osteuropa auf den Markt drängt. Aber die deutschen Taucher genießen auf Grund ihrer top Ausbildung weltweit ein hohes Ansehen.

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