Autor Seidel las vor Wolfhager Schülern aus Buch über Ersten Weltkrieg

Spannung pur: Der Romanautor Jürgen Seidel las in der Wolfhager Wilhelm-Filchner-Schule aus seinem neuesten Buch „Der Krieg und das Mädchen.“ Foto: zih

Wolfhagen. „Ich sage euch auch, was ich vom Krieg halte. Kein vernünftiger Mensch würde es einfallen, einen Tintenfleck mit Tinte oder einen Ölfleck mit Öl auswaschen zu wollen. Aber Blut soll immer Blut auswaschen.“

Dieses Zitat zog sich wie ein roter Faden durch das Buch „Der Krieg und das Mädchen“ von Autor Jürgen Seidel. Aus diesem Buch, das Anfang des Jahres erschienen ist, las er jetzt den Sieben- bis Neuntklässlern der Wolfhager Wilhelm-Filchner-Schule (WFS) vor.

Der 66-jährige Schriftsteller, der heute in Neuss lebt und der für seine Prosa-Werke, literaturwissenschaftlichen Publikationen, Hörspiele und Rundfunkbeiträge mehrfach ausgezeichnet wurde, zeichnet in seinem Roman ein gesellschaftliches Stimmungsbild des Ersten Weltkrieges. Die Schüler wurden während der Lesung von Jürgen Seidel in ihnen fremde Welt entführt und konnten ihre eigenen Vorstellungen von Heldentum und Ehre, nationalistischen Feindbildern, von der untergeordneten Rolle der Frauen und der verachtenden Haltung zu Pazifismus, Emanzipation und Homosexualität reflektieren.

In Seidels Buch „Der Krieg und das Mädchen“, der den Ersten Weltkrieges aus historischer Sicht beleuchtet, gleichzeitig aber auch ein Kriminalroman ist, zeichnet der Autor mit der Geschichte des jungen Paares Mila Pigeon und Fritz im Taumel der Kriegsbegeisterung und Feindseligkeiten das Alltagsleben von Jugendlichen dieser Zeit auf. Fritz erhofft sich vom Krieg eine Art Reinigung von verbotenen Gefühlen, die er nicht mal Mila anvertrauen kann und meldet sich freiwillig an die Front. Mila bekommt heftige Anfeindungen zu spüren, weil ihr verstorbener Vater Franzose ist und Frankreich jetzt als „Erbfeind“ gilt. Als Mila von ihrem als Franzosenhasser bekannter Lehrer wegen ihres Nachnamens beleidigt wird, der Lehrer während eines Gesprächs mit ihr an einem Herzinfarkt stirbt, kommt Mila als vermeintliche Täterin mit der Anklage „Hochverrat“ in Untersuchungshaft.

Die WFS-Schüler erlebten eine spannende Lesung. Im Unterricht hatten sie sich mit den Geschehnissen des Ersten Weltkrieges beschäftigt. Seidels Geschichte, die den Blick auf das Leben im Krieg lenkt, ging ihnen, wie eine Schülerin es zum Ausdruck brachte, doch unter die Haut. (zih)

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