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E-Autos bergen neue Herausforderungen für die Brandschützer

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Von: Sascha Hoffmann

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Zum Abschluss des Seminars spielen die Teilnehmer am eigens entwickelten Schulungsfahrzeug verschiedene Unfallszenarien durch.
Zum Abschluss des Seminars spielen die Teilnehmer am eigens entwickelten Schulungsfahrzeug verschiedene Unfallszenarien durch. © Sascha Hoffmann

Die Feuerwehren aus dem Landkreis Kassel proben den Einsatz an Elektroautos in Calden. Der E-Antrieb verändert das Vorgehen bei Einsätzen dramatisch.

Calden – Was passiert eigentlich, wenn die Feuerwehr ein verunfalltes E-Auto aus einem Flusslauf bergen muss? Mit dem, wie man annehmen könnte, in die Badewanne gefallenen Föhn hat das Ganze nichts zu tun. Das weiß Daniel Rothmaier vom baden-württembergischen Unternehmen Q4Flo: „Die Energie wird über das Wasser kurzgeschlossen, damit geht von dem Fahrzeug keine Gefahr mehr aus.“

Das ist eines von zwölf Unfallszenarien, die Rothmaier und Kollege Christian Kern mit 24 Teilnehmern des Seminars „Elektromobilität und die Feuerwehr“ am Samstag am alten Caldener Flugplatz durchgespielt haben. Seit September online mit der Thematik befasst, ist zumindest für die Mitglieder der Wehren aus Bad Emstal, Calden, Fuldatal, Espenau, Habichtswald, Helsa, Naumburg, Niestetal, Schauenburg, Wolfhagen und Zierenberg der Kurzschluss nichts Neues.

„Ich habe es nicht sicher gewusst, aber geahnt“, sagt Kreisbrandmeister Frank Brunst und betont, wie wichtig die Sensibilisierung der Einsatztruppen hinsichtlich der E-Mobilität sei. Das haben Rothmaier und Kern erkannt und schulen Feuerwehren in über 50 Landkreisen. „Wir wollen die Kameraden auf die neuen Themen vorbereiten. Und das idealerweise kreisweit, ohne dass jede Kommune ihr eigenes Süppchen kocht“, sagt Rothmaier. Er lobt Alwin Siebeneichner von der Dörnberger Feuerwehr für die Organisation.

Das zuvor online Gelernte wurde am eigens entwickelten und mit diversen Sicherheitseinrichtungen ausgestatteten Schulungsfahrzeug praktisch geübt. Ziel: unter einsatzähnlichen Bedingungen mit Ausrüstung und Schutzkleidung verschiedene Unfallszenarien durchzuspielen. Dabei galt es, Aufgaben von der Personenrettung über elektrische Gefahrenprävention bis zur Brandbekämpfung zu übernehmen.

„Der elektrische Antriebsstrang der neuen Fahrzeuge stellt die Feuerwehren vor Herausforderungen und verändert das gewohnte Einsatzgeschehen teilweise drastisch“, sagt Rothmaier. Insbesondere die Li-Ionen-Batterien führten immer wieder zu Problemen und enormen Kraftaufwand an der Einsatzstelle.

Gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren besitzen E-Autos laut dem Experten neue und spezifische Gefahrenpotenziale. Das bedeute jedoch nicht, dass die Gefahren für den Feuerwehrdienst zunehmen müssen. „Gefahrenbewusst handelnde Einsatzkräfte und fachlich fundierte Einsatztaktiken gewährleisten nach wie vor einen sicheren und effektiven Einsatz. Dafür ist eine umfangreiche Aufklärung der Einsatz- und Führungsmannschaft entscheidend.“

Das hat sich das württembergische Doppel Duo von Q4Flo auf die Fahne geschrieben, wobei eines ganz besonders am Herzen liegt: „Wir möchten den Einsatzkräften die Vorbehalte und Ängste nehmen, die in Verbindung mit E-Fahrzeugen kursieren“, sagt Rothmaier. Dazu zählt auch zu wissen, dass ein verunfalltes E-Auto im Fluss nicht so gefährlich ist wie ein Föhn in der Badewanne.

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