Initiative gegen Zaun um Teich

Bad Emstal: Entwidmung des Löschwasserbeckens in Riede könnte Umzäunung abwenden

Peter Soltau. Seit 2002 hat er den Rieder Teich (im Hintergrund) von der Gemeinde gepachtet.
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Setzt sich für den Teich als Biotop ein: Peter Soltau. Seit 2002 hat er das Gewässer von der Gemeinde gepachtet. Ein Zaun um den Teich würde nach seiner Ansicht auch die Optik verschandeln.

Im Bad Emstaler Ortsteil Riede regt sich Widerstand gegen eine Umzäunung des Teichs am nördlichen Ortseingang. Bürgermeister Stefan Frankfurth (SPD) hatte in der Sitzung des Gemeindeparlaments Ende Juni angekündigt, dem dringenden Rat des Gemeindeversicherungsverbandes zu folgen, Feuerlöschteiche mit einem festen Zaun zu sichern.

Riede – Hintergrund ist die Tragödie von Neukirchen, wo drei Kinder in einem Löschteich ertranken und in der Folge der Bürgermeister in die Verantwortung genommen wurde.

Am Montag nun stellten Mitarbeiter des Bauhofes, wie vom Bürgermeister Ende Juni angekündigt, zunächst einen provisorischen Bauzaun rund um den Teich auf. Der feste Zaun soll im kommenden Jahr folgen, wenn das nötige Geld im gemeindlichen Haus eingeplant und verabschiedet ist.

Peter Soltau, der, wie er sagt, seit 2002 nach dem „symbolischen“ Abschluss eines entsprechenden Vertrages mit der Gemeinde Pächter des Gewässers ist, möchte nun gemeinsam mit weiteren Anwohnern verhindern, dass der Teich per Zaun in einen Hochsicherheitstrakt verwandelt wird.

Der einfachste Weg: Der Teich müsste als Feuerlöschteich entwidmet werden. Das wäre aus Sicht von Soltau ein konsequenter Schritt, denn der Teich, der einst wohl als Karpfenteich des Rieder Schlosses angelegt worden sei, erfülle längst einen Großteil der in der DIN 14210 beschriebenen Kriterien nicht mehr.

Laut dem stellvertretenden Sprecher des Landkreises Kassel, Andreas Bernhard, definiert die DIN unter anderem Fassungsvermögen und Nutzvolumen sowie Böschungswinkel und Mindesttiefe, die Dichtheit, Zufahrt und Frostsicherheit sowie Pflege und Instandhaltung.

Außerdem, so Bernhard weiter, sei „für einen normativen Löschteich eine Einfriedung in Form eines Zauns von mindesten 1,1 Meter Höhe mit Abstand zum Teich von einem Meter (Streifen zum Vorratsraum) vorgeschrieben.“ Auf eine Einfriedung könne verzichtet werden, „wenn der Unfallschutz auf andere Weise, zum Beispiel eine geeignete Heckeneinfriedungen oder flache Uferböschung sichergestellt werden kann“.

Teich erfüllt nicht die Anforderungen für einen Löschteich

Soltau wird noch etwas konkreter: Laut den Vorschriften müsse, um die Voraussetzungen für einen Feuerlöschteich zu erfüllen, unter anderem ein Saugschacht oder ein Saugrohr zur störungsfreien Wasserentnahme vorhanden sein. Wenn Niederschlagswasser zum Befüllen benutzt wird, müsse es über einen anzulegenden Sandfang geleitet werden.

Fließende Gewässer dürfen nicht durch den Löschwasserteich hindurch geleitet werden. Allein diese drei Punkte würden in Riede bereits nicht erfüllt, betont Soltau.

Zur Sicherheit: Horst Schmidt und Markus Jakobi vom Bauhof stellten am Montag einen 180 Meter langen Bauzaun rund um den Teich auf. 

Im Übrigen sei der Teich – trotz der im Pachtvertrag der Gemeinde zugeordneten Bau- und Pflegelastkosten – über die Jahre stark verschlammt und inzwischen auch durch den gestiegenen Eintrag von Dünger über die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen derart mit Kraut und Algen besetzt, dass zweifelhaft sei, ob im Brandfall überhaupt störungsfrei Wasser durch die Feuerwehr entnommen werden könnte.

Zu klären sei zudem, ob die Feuerwehr in Riede überhaupt auf den Teich als Löschwasserreservoir angewiesen sei. Gemeindebrandinspektor Oliver Lenz verweist in diesem Zusammenhang auf die Gemeinde, da die Sicherstellung der Löschwasserversorgung eine kommunale Aufgabe ist. Gleichwohl, sagt Soltau, könne die Wehr ein solches Wasserreservoir im Brandfall bei Bedarf auch ohne das offizielle Etikett „Wasserlöschteich“ nutzen.

Rieder Dorfteich hat eine erhebliche Bedeutung für ein großes Erdkrötenvorkommen

Soltau nennt als Argumente für eine Entwidmung des Gewässers als Feuerlöschteich weitere Gründe aus dem Bereich des Naturschutzes. So habe der Rieder Dorfteich eine erhebliche Bedeutung für ein großes Erdkrötenvorkommen und eine reiche Vogelwelt. Zur ökologischen Bedeutung trügen auch die Kleinlebewesen auf dem Teichgrund bei, die bei einer Teichentschlammung gefährdet würden.

Die Nachbarschaftsinitiative „Erhalt von Teich Riede als offenes Biotop“ werbe nun um Verständnis aufseiten der Gemeindeverwaltung, sagt Soltau, und hoffe auf eine „schnellstmögliche Entwidmung des Teichs als Feuerlöschteich“ und damit auf die Aufgabe des Vorhabens, den Dorfteich dauerhaft einzuzäunen.

Ob es letztlich dazu kommen wird, hängt wesentlich von den Gesprächen mit Bürgermeister Stefan Frankfurth ab. Der ist derzeit noch im Urlaub.

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