Siegfried Henschke verabschiedet sich in den Ruhestand

ASB in Bad Emstal: Der Chef verlässt die Wache

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Nach über 40 Jahren beim ASB werde er seine Arbeit und die Mitarbeiter sehr vermissen, sagt Siegfried Henschke.

Emotional wird es werden. Da ist sich Siegfried Henschke sicher. Nach fast 43 Jahren beim ASB in Bad Emstal verabschiedet sich der 66-Jährige heute in den Ruhestand.

Henschke übergibt seine Aufgaben als Rettungswachenleiter für die Standorte Bad Emstal und Habichtswald an Nachfolger Stefan Becker. Begonnen hatte er seinen beruflichen Werdegang beim ASB in den 1970er-Jahren. Es sollte seine Berufung werden. „Ich habe damals meinem Vater und dessen Freunden zugehört, als die von ihren Kriegserlebnissen erzählt haben“, erinnert er sich. Danach habe für ihn festgestanden, dass er keinen Wehrdienst absolvieren, sondern in den Katastrophenschutz gehen würde. So kam es, dass Henschke 1977 Dienststellenleiter in Bad Emstal wurde. Der einzige hauptamtlich Angestellte unter lauter Zivis und Ehrenamtlichen.

Nicht nur das hat sich geändert. Als Henschke anfing, gab es kein Notarztsystem, keine Crashtests für Autos. Feuerwehren hatten noch keine Rettungsscheren, eine Ausbildung am EKG oder in Medikamentenkunde gab es ebenfalls noch nicht. Entsprechend schlimm endeten viele Einsätze. „Damals hieß es sehr oft: Auf dem Weg in die Klinik gestorben“, erinnert sich der Emstaler. Das mitzuerleben, sei sehr prägend gewesen. „Zum Glück hat sich viel getan.“ Heute seien die Ausbildung und auch die Ausstattung top.

Was in all den Jahren geblieben ist, ist Henschkes ruhige Art. „Es ist wichtig, wie man den Leuten begegnet“, sagt er. Und wenn der 66-Jährige lächelt, weiß man, was er meint. Offen ist dieses Lächeln. Und ehrlich. Es hat in Ausnahmesituationen schon vielen Menschen Sicherheit gegeben. „Die ist wichtig, damit die Patienten wissen: Jemand kümmert sich“, sagt Henschke.

Gekümmert hat er sich in den vergangenen vier Jahrzehnten um viele Menschen. Besonders geprägt hat den 66-Jährigen die Arbeit während der Hochwasserkatastrophe 2002 in Sachsen. Damals war Henschke bei Pirna im Müglitztal eingesetzt. Vier Wochen arbeiten von 6 bis 22 Uhr unter Menschen, die ihr Hab und Gut verloren haben. Ein einschlagendes Erlebnis. Das merkt man auch nach all den Jahren. „Wenn ein kleiner Junge mit seinem Schäufelchen helfen will, dann vergisst man das nicht.“

Wie die anderen Mitarbeiter im Rettungsdienst weiß auch Henschke, dass der Beruf einen auch mal an seine Grenze bringt. Denn: Kein Einsatz ähnelt dem anderen. „Man bekommt aber auch etwas zurück“, sagt Henschke – und erinnert sich an die Geburten, bei denen er geholfen hat. „Da fließt schon mal eine Träne, wenn so ein Knirps seinen ersten Ton im Rettungswagen von sich gibt.“

Ihnen fehlt ihr Chef jetzt schon: die Mitarbeiter der Rettungswache. Heute verabschieden sie Siegfried Henschke – und wünschen ihm alles Gute.

Im Rettungswagen ist Henschke bis zuletzt mitgefahren. In seiner Position als Rettungswachenleiter war er zudem verantwortlich für 50 Mitarbeiter. Ein Glücksfall für den Bad Emstaler. „Mir war die Teamarbeit immer unheimlich wichtig“, sagt er. So sind seine Mitarbeiter zur Familie geworden. Die wird künftig fehlen. Dafür ist nun mehr Zeit für seine Frau, seine Töchter und sein Enkelkind. „Die Familie kommt in unserem Beruf ja immer viel zu kurz.“

In den kommenden Monaten will der 66-Jährige erst einmal runterkommen und dann weiterschauen. Er freut sich auf mehr Zeit für Wanderungen und zum Lesen. In der ASB-Wache in Balhorn will er sich dagegen erstmal rar machen. „Es ist nicht gut, wenn der ehemalige Chef hier weiter rumschleicht.“ Dann aber freut er sich, auf einen Kaffee vorbei zu kommen. „Immerhin kann ich auf eine wunderbare Zeit zurückblicken“, sagt Henschke. „Und nun freue ich mich auf das, was kommt.“

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