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Einsatzabteilung der Merxhäuser Feuerwehr aufgelöst

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Von: Norbert Müller

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Personalmangel führte zur Auflösung der Einsatzabteilung: Zu den letzten acht Aktiven zählten von links Peter Reuter, Kai-Uwe Melms, stellvertretender Wehrführer und Vereinsvorsitzender Mark Lüttger und Wehrführer Holger Christ (von links). Sie trafen sich m Samstag am Gerätehaus zum Aussortieren.
Personalmangel führte zur Auflösung der Einsatzabteilung: Zu den letzten acht Aktiven zählten von links Peter Reuter, Kai-Uwe Melms, stellvertretender Wehrführer und Vereinsvorsitzender Mark Lüttger und Wehrführer Holger Christ (von links). Sie trafen sich m Samstag am Gerätehaus zum Aussortieren. © Norbert Müller

Nachdem die Einsatzabteilung der Feuerwehr in Merxhausen zum Jahreswechsel ihren Dienst eingestellt hat, haben die Kameraden damit begonnen, das Feuerwehrhaus zu räumen.

Merxhausen – „Das ist der Anfang des großen Sortierens“, sagt Holger Christ. Am Samstagnachmittag hat er sich mit drei langjährigen Weggefährten am Feuerwehrhaus in Merxhausen getroffen, um klar Schiff zu machen. Fast drei Jahrzehnte war Christ Wehrführer in dem kleinen Bad Emstaler Ortsteil mit der großen Klinik. Zum Jahreswechsel ist der Einsatzdienst der Merxhäuser Wehr wegen Personalmangels eingestellt worden.

Jetzt also wird Raum für Raum, Regal für Regal, Spind für Spind unter die Lupe genommen. Was noch zu gebrauchen ist, wird auf die anderen Ortsteilwehren verteilt, vom Rest wird das meiste auf dem Sperrmüll landen. Das einzige Auto, das Tragkraftspritzenfahrzeug mit Löschwassertank, steht noch voll ausgerüstet in der kleinen Fahrzeughalle.

Zuletzt nur noch acht Aktive

Da schwingt viel Wehmut mit, wie die vier Männer bestimmen, was wohin gehört und mit dem Räumen beginnen. Das Aus für die Einsatzabteilung, die zahlenmäßig die gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr erfüllte, kam allerdings nicht von einem Tag auf den anderen. Der Termin stand früh im vergangenen Jahr fest. Da schon bestand die Truppe um Christ nur noch aus acht Aktiven.

Soll künftig als Vereinsdomizil genutzt werden: Holger Christ (links) und der Vorsitzende des Feuerwehrvereins Mark Lüttger im Schulungsraum des Feuerwehrhauses.
Soll künftig als Vereinsdomizil genutzt werden: Holger Christ (links) und der Vorsitzende des Feuerwehrvereins Mark Lüttger im Schulungsraum des Feuerwehrhauses. © Norbert Müller

Damit endet eine lange Geschichte des Brandschutzes in Merxhausen, die immer eng mit der Klinik und deren Gutshof verbunden war, wie Holger Christ sagt. Ehe 1934 die freiwillige Feuerwehr im Dorf gegründet wurde, habe es bereits eine Gutsfeuerwehr gegeben, „eine Art Betriebsfeuerwehr, die sich ausschließlich aus Bediensteten des Krankenhauses beziehungsweise des Gutshofes rekrutierte“, so Christ. Etwa 15 Mann umfasste die Truppe.

Blütezeit in den 1980er-Jahren

Die Blütezeit erlebte die Wehr in den 80er-Jahren: 1984 war die Einsatzabteilung mit 37 Aktiven so groß wie nie zuvor. Und auch die Nachwuchsarbeit konnte sich sehen lassen. Die Jugendwehr hatte 19 Mitglieder, davon zehn Mädchen. Die Ausstattung war, auch dank der Unterstützung durch die Klinik, überdurchschnittlich.

Ab 1920 gab es eine Motorspritze, die auf einer Lafette montiert war und von Pferden gezogen wurde. Schon 1974 besaß die Merxhäuser Wehr eine hydraulische Rettungsschere – vor den Nachbarwehren. Die Geschichte der Wehr ist bestens dokumentiert. Christ: „Wir haben hinten im Schulungsraum sieben Fotoalben mit Bildern von 1930 bis zum Ende.“ Festgehalten ist auch, wie der Personalschwund an Fahrt aufnahm. Schon 2016 lag die Mannschaftsstärke bei nur noch zehn Feuerwehrleuten.

„Keiner will mehr Verantwortung übernehmen“

Gründe für den Niedergang gibt es aus Sicht von Christ mehrere. Merxhausen sei nur noch ein Schlafquartier, kein gewachsener Ort mehr, aus dem sich genügend Ehrenamtliche rekrutieren lassen. „Viele der Jüngeren gehen weg, und die, die bleiben, wollen keine Verantwortung mehr übernehmen.“

Und noch etwas Entscheidendes habe sich verändert: „Wir hatten früher mindestens ein Dutzend Leute, die in der Klinik gearbeitet haben und als Aktive der Wehr angehörten.“ Zuletzt sei er der einzige gewesen.

„Blödes Gefühl“

Einsätze im Bereich der Klinik halten die Emstaler Wehren allerdings oft genug in Atem. Auch am Neujahrstag wurden die Wehren wegen eines Kleinbrandes alarmiert. Wie hat sich Holger Christ da gefühlt am ersten Tag nach der Auflösung der Merxhäuser Einsatzabteilung? „Da juckt es einen schon, wenn die Sirene geht“, sagt der 58-Jährige. „Ich wohne auch noch oben an der Kreuzung, und man sieht dann die Fahrzeuge. Das war schon ein blödes Gefühl.“

Nicht nur für Christ wird es künftig ruhiger: „Die Sirene in Merxhausen wird für die Feuerwehr abgestellt“, sagt Gemeindebrandinspektor Oliver Lenz. Nur noch für den Katastrophenschutz bleibe das Gerät einsatzbereit.

Hilfsfrist wird eingehalten

Auch nach dem Ende der Merxhäuser Einsatzabteilung, sagt Bad Emstals Gemeindebrandinspektor Oliver Lenz, werde die zehnminütige Hilfsfrist für den Ort eingehalten. Nach Gesprächen mit dem Amt für Gefahrenabwehr habe man Alarmfahrten von Balhorn und Sand aus nach Merxhausen unternommen und die Zeiten dokumentiert. Von Sand aus habe man deutlich weniger als zehn Minuten bis nach Merxhausen gebraucht, und auch von Balhorn aus habe es noch geklappt.

Verein der Feuerwehr besteht weiter

Ganz vorbei ist es mit der Feuerwehr in Merxhausen übrigens nicht. Der Feuerwehrverein mit seinen rund 90 Mitgliedern bleibe bestehen und werde die Gemeinschaft auch künftig pflegen, betont Vorsitzender Mark Lüttger. Man sei zuversichtlich, dass der Schulungsraum der Wehr im Feuerwehrhaus auf dem Klinikgelände künftig als Vereinsdomizil genutzt werden kann. (Norbert Müller)

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