„Die Menschen sind immer freundlich“

Bad Emstaler fährt 13.000 Kilometer im Jahr mit dem Fahrrad

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Für die langen Reisen nutzt er sein Tourenrad: Hans-Bernd Schmidt aus Sand ist, wann immer es geht, mit dem Fahrrad unterwegs.

Bad Emstal. Hans-Bernd Schmidt tritt gern in die Pedalen seines Fahrrades. Und er liebt es, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, um deren Sicht auf die Dinge des Lebens zu erfahren.

Besonders glücklich ist er, wenn er beides miteinander kombinieren kann. So kamen zwischen Januar und Dezember des vergangenen Jahres problemlos 13.000 Kilometer zusammen und während seiner Touren jede Menge Begegnungen und Gespräche.

Vor etwa 15 Jahren entdeckte der heute 58-Jährige das Radfahren für sich. „Damals war ich berufsmäßig viel mit dem Auto unterwegs. 130 Kilometer am Tag waren keine Seltenheit“, sagt Schmidt, der für die Telekom arbeitete und vor drei Jahren in den Ruhestand ging. „Auf dem Rad bekam ich den Kopf frei.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert. Für Schmidt, der aus Sand stammt und dort auch lebt, ist seither das Rad das Transportmittel seiner Wahl. Damit fährt er an einem Tag etwa nach Kassel, um in seiner Lieblingsbäckerei Brot zu kaufen. Einmal unterwegs, dreht er noch eine Schleife durch das Naturschutzgebiet Seilerberg bei Ehlen, um, wieder zurück in Sand, sich erneut aufs Rad zu schwingen und als politisch Interessierter zur Gemeindevertretersitzung nach Riede zu strampeln.

Dass er die meisten seiner Wege auf einem seiner inzwischen drei Fahrräder absolviert, hat keine ökologischen Gründe. Auch wenn man das bei einem langjährigen Mitglied des Naturschutzbundes – Schmidt ist seit fast 30 Jahren Vorsitzender der Bad Emstaler Ortsgruppe – als naheliegend annehmen mag. „Nö, es macht mir einfach Spaß“, betont der Pensionär. Doch auch für ihn gibt es eine Grenze. Die liegt bei sieben Grad unter Null und einer Schneedecke. Aufs Auto steigt er auch dann um, wenn „ich was Großes oder Schweres transportieren muss“. So will er in den nächsten Tagen bei einer Bekannten in Riede Schwalbenbrutkästen unterm Dach anbringen. „Dafür brauche ich eine Leiter“, und mit der im Gepäck radelt es sich nicht so gut.

Drei, vier Mal im Jahr erkundet Schmidt die Republik. „Wenn ich weiß, dass ein Freund auf Hiddensee Urlaub macht, fahre ich mit dem Rad hin und er nimmt mich wieder mit heim.“ Dann radelt er, soweit er eben kommt, meist zwischen 110 und 150 Kilometer am Tag. Die Nächte verbringt er im Zelt. Einmal hatte er sein Nachtlager unter einem Hochsitz aufgeschlagen. Als am Morgen der Jagdpächter über seine Beine stolperte, plauderten sie kurz und der Jäger brachte sich zwei Hochsitze weiter in Position. Schmidt: „Die Menschen sind immer freundlich.“

Seine Reisen plant er nur grob, überlässt vieles dem Zufall. Karten helfen bei der Orientierung und Menschen, denen er begegnet. Über die Frage nach dem Weg und dem nächsten Lebensmittelgeschäft kommt er mit ihnen ins Gespräch. „Wir sind alle gleich und doch unterschiedlich“, sagt er. Die Menschen hätten oft die gleichen Probleme, aber jeder einzelne habe seine eigene subjektive Sicht auf die Welt. Am liebsten reist er durch die östlichen Bundesländer, Brandenburg ist für ihn wegen der Ruhe dort am schönsten.

Demnächst hilft er beim Umzug seiner Tochter von Kiel nach Sankt Katharinen (Rheinland-Pfalz). Und natürlich tritt er die Reise nach Sankt Katharinen mit dem Rad an. Von dort nimmt ihn der Lebensgefährte der Tochter im Auto mit nach Kiel, wo die alte Wohnung leer geräumt wird. Nach der Arbeit kommt das Vergnügen. Und Schmidt radelt wieder in die Heimat nach Sand.

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