"Donald Trump füttert den Hass"

Bad Emstalerin lebt in den USA und verfolgt den Wahlkampf

Sand/Los Angeles. Wenn im November über den nächsten Präsidenten der USA entschieden wird, darf Carolin Belcher nicht mitbestimmen - obwohl die gebürtige Bad Emstalerin seit zwölf Jahren in Los Angeles lebt.

Doch Belcher hat nach wie vor die deutsche Staatsbürgerschaft. Interessiert verfolgt sie die Debatten dennoch – und hofft auf einen klaren Sieg für die Demokratin Hillary Clinton. Der republikanische Kandidat Donald Trump „füttert den Hass“.

Mit dem aktuellen Präsidenten sei das Land weit gekommen. Sollte nun Trump gewählt werden, so fürchtet die 35-Jährige, würden die USA wieder einen großen Rückschritt machen. Trump sei ein Rassist, verachte Frauen und Menschen mit ausländischen Wurzeln. Aus ihrer Sicht ist es erschreckend, dass Trump vielleicht einmal über die amerikanischen Streitkräfte bestimmen könnte.

Belchers Mann – ein Amerikaner aus New York, der in Florida aufgewachsen ist – sei generell ein Anhänger der Republikaner. „Doch mit Trump ist auch für ihn eine Grenze erreicht“, sagt sie. Er werde bei der Präsidentschaftswahl nicht für ihn stimmen.

Damit sei er nicht der einzige Anhänger der Republikaner, der sich gegen den Milliardär stelle. Im Freundes- und Bekanntenkreis habe sie herumgefragt, und diejenigen, die sonst stets für die Republikaner sind, wollen Trump „eher nicht“ wählen. Bei ihren Schwiegereltern, die in Florida leben, sieht das anders aus. Sie werden für Trump stimmen. Diskussionen versucht sie zu vermeiden. Belcher will nicht, dass die Politik ihr Familienleben beeinflusst.

Kalifornien sei generell liberal, in Los Angeles würden Menschen unterschiedlichster Religionen, Hautfarbe und sexueller Orientierung zusammen leben. Auch sie will ihre drei Kinder zu offenen Menschen erziehen. Waffen lehnt Carolin Belcher ab. Ihr Mann habe eine im Haus haben wollen, doch sie habe das abgelehnt. „Es ist schlimm, dass dort jeder mit einer Waffe herumlaufen darf.“ Unsicher fühle sie sich dennoch nicht. Die Gegend, in der sie lebe, sei eine Gemeinschaft, in der jeder jeden kenne.

Nicht so einfach ist es in den USA, sich umfassend über die Kandidaten zu informieren. Der Fernsehsender FOX lasse stets Donald Trump in gutem Licht dastehen, bei CNN sei es Clinton. Sie selbst informiere sich über CNN, aber auch über die Zeitungen USA Today oder die L.A. Times. Dort seien die Fakten gut dargestellt.

Belcher blickt sorgenvoll auf die Wahl und das nicht als einzige Ausländerin, die in Los Angeles lebe. Mancher überlege sich schon, ob er zurück in seine Heimat gehe, wenn Trump gewinnt, berichtet sie.

Am Wahlabend wird sie die Abstimmung im Fernsehen verfolgen. Bei der nächsten Wahl will sie dann auch mitbestimmen, deshalb beantragt sie jetzt die doppelte Staatsbürgerschaft.

Rubriklistenbild: © Renner

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