Sie verarbeiten Stickstoff aus der Luft

Bakterien zum Düngersparen: Landwirt setzt auf Mikroorganismen

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Ist zufrieden mit der Arbeit der Bakterien: Landwirt Eckhard Bröske aus Balhorn nutzte erstmals Mikoorganismen, die Stickstoff aus der Luft pflanzenverfügbar machen. So hat er den mineralischen Dünger reduzieren können.

Als Landwirt Eckhard Bröske Ende August 2018 damit begann, einen Teil seiner Flächen rund um Balhorn mit Bakterien zu behandeln, war das zunächst nicht mehr als ein hoffnungsvoller Versuch.

Der 62-Jährige wollte mithilfe von Bakterienstämmen den Einsatz von Stickstoff, Phosphor und Kali reduzieren. Jetzt, ein Jahr später, hat er Bilanz gezogen und ist mit den ersten Analysen zufrieden. Trotz verminderter Gabe von Dünger gab es beim Ertrag keine Einbußen.

Bröske führt den Effekt auf die Bakterien zurück, die von einem Hersteller aus Ungarn bezieht. Das Besondere der Mikroorganismen: Sie binden den in der Luft enthaltenen Stickstoff und machen ihn pflanzenverfügbar. Dabei ernähren sich die Bakterien, die über die Wurzel der Pflanze aufgenommen werden, von deren Stoffwechselprodukten – ein klassischer Fall von Symbiose. 

Und darüber hinaus eine Möglichkeit, beim Einsatz mineralischen Düngers zu sparen. Das ist für die Äcker im Balhorn besonders wichtig, da diese sich im Trinkwasserschutzgebiet befinden und beim Ausbringen von Stickstoff besonnen agiert werden sollte.

Weniger Stickstoff im Boden

Zu verschiedenen Zeitpunkten kontrollierte Eckhard Bröske den Stickstoffgehalt im Boden und verglich die unterschiedlich behandelten Flächen miteinander. Sowohl Ende November, als auch Ende Februar waren die Ergebnisse beim Winterraps deutlich. Auf den mit den Bakterien behandelten Flächen waren pro Hektar 20 Kilogramm Stickstoff weniger im Boden. „Die Bakterien haben den Stickstoff aus Luft und Boden verwertet“, deutet er den Befund.

Ähnliche Ergebnisse registrierte der Landwirt beim Futtergetreide Triticale. Dort, wo die Bakterien versprüht worden waren, waren etwa 18 Kilogramm Stickstoff weniger auf dem Hektar. Die größte Überraschung aber erlebte er beim Mais, „da war ich ganz erstaunt“.

 Die schwersten Kolben der mit Bakterien versorgten Flächen wogen 400 Gramm, die auf den herkömmlich behandelten Böden (ohne Bakterien) lediglich 330 Gramm. Der 62-Jährige nimmt an, dass die Bakterien den Stickstoff aus der Luft verstoffwechselt und an die jungen Maispflanzen weitergegeben haben. Der Mais auf dem Nachbargrundstück war lediglich mit Gärresten aus der Biogasanlage versorgt worden.

Flächen werden ausgedehnt

Bröske ist von der Wirkung der Mikroorganismen überzeugt. Für die kommende Saison will er die mit Bakterien behandelten Flächen von aktuell acht Hektar auf dann zwölf Hektar ausdehnen. Derzeit bewirtschaftet der Landwirt 21 Hektar Land, davon sind 1,5 Hektar aus der Produktion genommen. 

Im Herbst wird er seine Böden für die Wintergetreidesorten Gerste, Weizen und Roggen mit den Bakterien vorbereiten. Im Frühling folgen Mais, Hafer und Sommergetreide. Der Bad Emstaler geht davon aus, dank der winzig kleinen Helfer auf diesen Flächen bis zu 600 Kilo Stickstoff sowie jeweils 240 Kilo Phosphor und Kali einsparen zu können.

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