Nach 38 Jahren

Balhorner Hausärztin Dr. Nagy übergibt Praxis an Tochter und Schwiegersohn

Die Nachfolger warten schon: Nach fast 38 Jahren als Hausärztin in Balhorn geht Dr. Marta Nagy in den Ruhestand. Tochter Ingrid und deren Lebensgefährte Alexander Hartung führen die Praxis weiter.
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Die Nachfolger warten schon: Nach fast 38 Jahren als Hausärztin in Balhorn geht Dr. Marta Nagy in den Ruhestand. Tochter Ingrid und deren Lebensgefährte Alexander Hartung führen die Praxis weiter.

„Ich habe es nie bereut, nach Balhorn gekommen zu sein“, sagt Dr. Marta Nagy. Fast 38 Jahre lang war sie die Hausärztin im Ort.

Balhorn - Jetzt, in den Tagen vor Weihnachten geht sie in den Ruhestand und übergibt ihre Praxis an ihre Tochter Dr. Ingrid Nagy und den künftigen Schwiegersohn Alexander Hartung, der sich schon vor zwei Jahren in Balhorn niedergelassen und mit Marta Nagy eine Praxisgemeinschaft gegründet hatte. Das Sprechzimmer von Dr. Marta Nagy wartet noch darauf, ausgeräumt zu werden. Am Fenster, vor und auf dem Schreibtisch stehen jede Menge Blumen, die ihr die dankbaren Patienten zum Abschied gebracht haben. Die Praxis selbst ist bis zum 4. Januar geschlossen. Die Räume werden derzeit runderneuert.

Die 69-jährige Ärztin erinnert sich noch gut daran, wie sie nach Balhorn kam. Die „Ungarin aus Rumänien“, wie sie sich selbst bezeichnet, hatte in Temeswar studiert, 1981 dann die Facharztprüfung für Innere Medizin abgelegt. Zu dieser Zeit war ihr Mann bereits als Spätaussiedler mit der ältesten Tochter nach Deutschland gezogen und hatte einen Job bei der Deutschen Bank gefunden. Nebenbei machte er sich für seine Frau auf die Suche nach einer Hausarztpraxis, die sie übernehmen könnte. Man fand sie in Balhorn. „Der Anfang war schon abenteuerlich“, blickt Dr. Nagy zurück. „Ich habe die Sprache nicht richtig gesprochen. Aber die Patienten waren nett und haben mir über die schwierigsten Tage geholfen.“

Die größte Unterstützung habe sie aber – auch in den folgenden Jahren – von ihrem Mann erfahren, mit dem sie seit 46 Jahren verheiratet ist. Der gelernte Kaufmann gab seinen Job auf und widmete sich fortan als Hausmann ganz der Familie, zu der dann bald zwei Töchter gehörten. „Er hat mir den Rücken freigehalten“, sagt Marta Nagy dankbar, und sie bei den nächtlichen Touren zu den Patienten gefahren. Die kamen in den Anfangsjahren häufig vor, schließlich waren die Hausärzte werktags rund um die Uhr im Dienst.

Sie hat die Veränderungen im Bereich der hausärztlichen Versorgung der vergangenen fast vier Jahrzehnte miterlebt, die Erleichterungen für die Mediziner durch die Neuregelung der Notdienste, aber auch die Erschwernisse durch den immer weiter wachsenden bürokratischen Aufwand. Ob ihr der Berufsalltag fehlen werde, könne sie noch nicht beurteilen, auf jeden Fall habe ihr die Corona-Pandemie mit all ihren Gefahren und Herausforderungen den Abschied erleichtert.

„Langeweile werde ich nicht haben“, sagt Marta Nagy. Sie freue sich auf Spaziergänge, Sport und die Arbeit im Garten ihres Hauses in Balhorn, auch aufs Handarbeiten und Lesen. „Und wenn es wieder möglich ist, werden wir auch wieder reisen.“ Nicht zu vergessen: die drei Enkelkinder. „Die zwei kleinen Jungs von Ingrid wohnen ja auch im Dorf.“ Da dürften die Großeltern dann öfter mal in der Betreuung gefordert sein, wenn die Mutter der beiden zwei und fünf Jahre alten Kinder ab kommendem Jahr den Generationenwechsel in der Praxis vollzieht und als neue Landärztin in Balhorn einsteigt. „Ich freue mich darüber, dass Tochter und Schwiegersohn übernehmen“, sagt Dr. Marta Nagy, deren ältere Tochter ebenfalls Medizinerin ist, Chefärztin in einer Klinik in Norddeutschland.

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