Mutter und Sohn stehen vor dem Nichts

Brandopfer aus Bad Emstal: Dieses Fest wird traurig

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Stehen vor dem Nichts: Sonja Lambrecht und Sohn Damian haben bei einem Wohnungsbrand alles verloren, was sie hatten.

Bad Emstal. Dicke Tränen kullern über Damians Gesicht. Er hat Angst, das ist ihm deutlich anzumerken. Nur mit Mühe gelingt es Sonja Lambrecht, ihren vierjährigen Sohn zu trösten.

„Wir gehen da nicht rein“, beruhigt sie ihn und meint damit die kleine Wohnung in der Berliner Straße des Bad Emstaler Ortsteils Sand - oder besser gesagt das, was davon übrig geblieben ist.

Zu frisch sind die Erinnerungen an jenen Freitagmorgen vor vier Wochen, als Lambrecht gerade ihren Sohn für den Kindergarten fertiggemacht hat: Sie sind früh dran, weshalb sie dem Kleinen noch für ein paar Minuten den Fernseher einschaltet und selbst im Badezimmer verschwindet. Sie ist noch nicht angezogen, da hört sie Damian schreien: „Mama, der Fernseher qualmt, komm schnell.“ Geistesgegenwärtig schickt sie den Jungen raus und fordert ihn auf, sich die Schuhe anzuziehen. „Ich habe keine Luft bekommen und nur noch schnell den Stecker gezogen“, erinnert sich die junge Frau. In Panik reißt sie die Balkontür auf, selbst nach Luft ringend, zu viel hat sie bereits vom beißenden Rauch eingeatmet. „Ich dachte, dass sich das Problem mittels der Stromunterbrechung von selbst löst, doch den Gefallen hat mir der Fernseher nicht getan.“ Durch die Schlitze des Gerätes kann sie sehen, wie das Innenleben anfängt zu glühen. Sie kann nur noch an eines denken: „Wir müssen hier raus.“

Kaffeeservice gerettet

Mit Damian im Arm ruft sie noch aus dem Treppenhaus die Feuerwehr, die wenig später mit Blaulicht eintrifft. Da steht das Wohnzimmer der Erdgeschosswohnung bereits in Flammen, die Brandschützer haben die Flammen aber schnell unter Kontrolle und verhindern so ein Übergreifen auf andere Räume und Wohnungen im Mehrfamilienhaus. Alles muss Lambrecht zurücklassen. Damian hätte so gern noch seine Kuscheltiere gerettet, doch dafür war keine Zeit. Nur ein Kaffeeservice der verstorbenen Mutter holt sie noch aus den Trümmern, „meine einzige Erinnerung.“

Verkohlt: Auch die Weihnachtsdeko wurde beim Feuer vor vier Wochen unbrauchbar gemacht.

Nun stehen Mutter und Sohn vor dem Nichts, sind vorübergehend in einer Wohnung des ASB untergekommen, wo sie auch Weihnachten verbringen werden. Zum Feiern ist der 28-Jährigen aber nicht zumute, denn sie weiß nicht, wie es nun weitergehen soll. Als ALG2-Empfängerin hat sie keine Hausratsversicherung, weshalb sie selbst für die Entsorgung der komplett unbrauchbaren Wohnungseinrichtung aufkommen muss. „Allein der Container kostet über 1000 Euro“, sagt sie mit Tränen in den Augen. Hilfe vom Amt sei nicht zu erwarten, doch zahlreiche Nachbarn und Freunde hätten bereits Hilfe signalisiert.

Das tröstet sie ein wenig über die Feiertage hinweg, die sie vor allem für ihren Sohn versuchen will, so schön wie möglich zu gestalten - trotz der schlimmen Ereignisse, die beide so kurz vor Weihnachten durchstehen mussten.

Von Sascha Hoffmann

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