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Sie helfen auch Katzen auf Bäumen

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Von: Norbert Müller

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Das bläst ganz schön: Alexander Knop hielt den Kindern beim Vorstellen der Atemschutzausrüstung den Lungenautomaten, der an die Maske geschraubt wird, vor die Nase.
Das bläst ganz schön: Alexander Knop hielt den Kindern beim Vorstellen der Atemschutzausrüstung den Lungenautomaten, der an die Maske geschraubt wird, vor die Nase. © Norbert Müller

Die Kinder der Sternchen-Gruppe aus der Bad Emstaler Kita Hummelnest sind offenbar fest davon überzeugt, dass jeder Feuerwehrmann auch irgendwie ein Dompteur für Stubentiger ist. Ein interessanter Besuch im Stützpunkt.

Bad Emstal - 23 Kinder sind zu Besuch im Stützpunkt der Brandschützer im Ortsteil Sand. Da soll es ja eigentlich um das richtige Verhalten gehen, wenn es brennt. Beim Üben, wie man einen Notruf absetzt, zeigen die Kinder aber, dass sie die Einsatzkräfte der Feuerwehr nicht nur rufen würden, wenn das Haus in Flammen steht.

Im Schulungsraum darf jeder mal ran. Benjamin Schmidt von der Feuerwehr hat gerade erklärt, was zu tun ist, wenn man einen Brand entdeckt. Welche Telefonnummer ist zu wählen? Na klar, das wissen die Kinder: die 112.

Was passiert, wenn es brennt? Benjamin Schmidt (vorn) erklärte mit Unterstützung von Tobias Bubenhagen an einem Modell, wie sich der Brandrauch im Haus ausbreitet.
Was passiert, wenn es brennt? Benjamin Schmidt (vorn) erklärte mit Unterstützung von Tobias Bubenhagen an einem Modell, wie sich der Brandrauch im Haus ausbreitet. © Norbert Müller

Dem Menschen am anderen Ende der Leitung, in der Notrufzentrale, müsse man sagen, wo etwas passiert ist, dann wer anruft und was passiert ist. Damit das auch im Ernstfall gut funktioniert, darf jedes Kind mal ans Übungstelefon und die Nummer wählen. Die Notrufzentrale befindet sich in diesem Fall im Nebenraum und wird von Tobias Bubenhagen bedient.

„Lasst euch mal was einfallen, was passiert ist“, motiviert Benjamin Schmidt noch die Kinder, und schon geht es los. Joshua tippt die 112, die improvisierte Leitstelle meldet sich, der Junge nennt seinen Namen. Und hält auch nicht lange mit dem Grund seines Anrufs hinterm Berg: „Es brennt.“ Die Frage nach dem Ort des Geschehens bringt den Mann von der Notrufzentrale erst mal nicht weiter. „Bei mir zuhause“, lautet die Antwort, und auch die folgenden Kinder haben ein Problem damit, ihre Adresse korrekt zu nennen. Mara, Luca und Isabella sind als Nächste dran und haben alle – einer nach dem anderen – den gleichen Anlass, die Feuerwehr zu rufen: Die Katze ist auf den Baum geklettert und kommt nicht mehr runter. Die Männer der Wehr sind amüsiert: „Ja, wir kommen auch, wenn die Katze nicht mehr runter kann“, sagt Schmidt. Aber vor allem, wenn sich Menschen in einer Notlage befinden.

Keine Angst vor der Technik: Das Hohlstrahlrohr, das Karsten Schulz den Kindern präsentierte, konnte ausgiebig begutachtet werden.
Keine Angst vor der Technik: Das Hohlstrahlrohr, das Karsten Schulz den Kindern präsentierte, konnte ausgiebig begutachtet werden. © Norbert Müller

Das richtige Verhalten in einem solchen Fall, ist das zentrale Thema der Brandschutzerziehung, zu der die Feuerwehr Sand die drei örtlichen Kindergärten für diese Woche eingeladen hat. Mehr als zwei Jahre habe man wegen der Pandemie pausieren müssen, sagt Björn Lubach von der Wehr.

Seit Montag ist das achtköpfige Team der Feuerwehr an den Vormittagen am Start. Die jeweilige Kinder-Gruppe wird mit Feuerwehrfahrzeugen von der Kita abgeholt und zum Stützpunkt gefahren. Nach einem üppigen Frühstück, das der Feuerwehrverein spendiert, wird die Meute geteilt. Während die eine Gruppe vor der Fahrzeughalle die Autos unter die Lupe nimmt und von Karsten Schulz technische Geräte wie Hohlstrahlrohr, Spreizer und Rettungsschere erklärt bekommt, sitzt der Rest im Schulungsraum, wo Benjamin Schmidt und Tobias Bubenhagen am Modell eines Hauses zeigen, wie sich ein Brand entwickeln kann und wie schnell sich der Rauch im Gebäude ausbreitet.

Später sind alle 23 Kinder in der Fahrzeughalle versammelt. Dort zeigt ihnen Alexander Knop, welche Schutzkleidung Feuerwehrleute tragen. Eine der schweren Jacken dürfen die Kinder auch mal in die Hände nehmen. Auch die Atemschutz-Ausrüstung erklärt Knop, ehe er die komplette Montur anlegt und für die Kinder auf den ersten Blick wie ein Außerirdischer aussieht. Aber sie wissen ja, wer drinsteckt. „Das ist das zentrale Ding“, sagt Björn Lubach: Die Kinder sollen sich im Brandfall nicht vor den Einsatzkräften fürchten und sich nicht verstecken. Gegen Mittag geht es per Feuerwehrauto zurück zur Kita. Die Männer von der Brandschutzerziehung packen zusammen, die meisten müssen jetzt zur Arbeit, zur Schicht. Eine Katze müssen die Bad Emstaler Feuerwehrleute an diesem Tag nicht retten. Norbert Müller

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