Gemeinsam Klasse sein

Christine-Brückner-Schule in Bad Emstal setzt Anti-Mobbingprojekt um

Ein Junge hält sich die Augen vor dem Laptop zu. Der Laptop zeigt die Facebook Seite.
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Schule möchte gegen Mobbing vorgehen: Die ständige Präsenz von Social Media im Alltag der Kinder bedeutet, dass Häme, Gelächter und Gewalt sie bis in ihr Zimmer verfolgen.

Die Christine-Brückner-Schule in Bad Emstal geht gezielt gegen Mobbing vor und setzt dabei auf Prävention mit dem Projekt „Gemeinsam Klasse sein“.

Bad Emstal – Kinder sind immer häufiger Opfer jener psychischen Gewalt, die im Volksmund als „Mobbing“ bekannt ist. Einen genauen Grund gibt es meistens nicht. Viel mehr entsteht in Klassen, Jahrgängen und sogar ganzen Schulen eine Wir-gegen-Dich-Mentalität, die aus Kindern Täter und Opfer macht. An langen Schultagen bedeutet Mobbing bis zu acht Stunden Tortur für die Opfer der psychischen Gewalt. Die ständige Präsenz von Social Media im Alltag der Kinder bedeutet, dass Häme, Gelächter und Gewalt sie bis in ihr Zimmer verfolgen.

Besonders das für die Lehrpersonen nicht einsehbare Cyber-Mobbing führt dazu, dass sie darauf angewiesen sind, dass der Betroffene oder ein Beobachter auf sie zukommt und sich öffnet. Auch wenn die Christine-Brückner-Schule in Bad Emstal aufgrund ihrer Größe bisher davon wenig betroffen ist, nimmt sie sich dieser Herausforderung an, denn jeder Betroffene ist einer zu viel. „Umso wichtiger, dass unsere Schule einen offenen Umgang mit diesem Thema pflegt und Strategien für die Bekämpfung von Mobbing nutzt“, so Stufenleiter Bodo Löwenstein. Hat man bisher gute Erfahrungen mit einem Einstiegsprogramm für die neuen Klassen fünf gesammelt, haben sich trotzdem Kollegen auf den Weg gemacht, um auch in der Dimension des Cyber-Mobbings noch besser vorbereitet zu sein.

Josephine Götte, Klassenlehrerin der 5 a, und Bodo Löwenstein, Klassenlehrer der 9 G und verantwortlich für den Übergang nach der Grundstufe, haben sich zu diesem Zweck gemeinsam zu Multiplikatoren für das Anti-Mobbingprojekt ausbilden lassen. Für sie ist Prävention das einzige langfristige Mittel gegen psychische Gewalt unter Schülern. Beide sind jetzt nicht nur Fachleute auf dem Gebiet, sie werden zusätzlich auch noch das ganze Kollegium fortbilden.

Multiplikatorin: Lehrerin Josephine Götte.

Das Anti-Mobbingprojekt „Gemeinsam Klasse sein“ wurde von der Beratungsstelle Gewaltprävention der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg und die Techniker Krankenkasse als Kooperationspartner entwickelt. Das Projekt schult von Beginn der fünften Klassenstufe an die Wahrnehmung von Mobbing und verfolgt das Ziel, die Schüler in ihrer Klassengemeinschaft zu stärken. Durch die wiederholte Beschäftigung mit diesem Thema entsteht eine offene Gesprächskultur an der Schule, wovon die gesamte Klasse profitiert und die Lernkultur insgesamt positiv unterstützt wird.

„Wir sind uns sicher, dass Prävention nur dann gelingt, wenn Kinder ihr Verhalten und die Folgen ihres Verhaltens reflektieren. Unsere Schüler müssen wissen, worin die Gefahr des Mobbings liegt und was sie tun können, um Mobbing gar nicht erst entstehen zu lassen“, sagt Löwenstein. Innerhalb von jährlich wiederkehrenden Projekttagen lernen die Schüler eines Klassenverbundes daher nicht nur, was sich hinter dem Wort „Mobbing“ verbirgt, sondern auch woraus es sich entwickelt und welche Folgen es für die Betroffenen haben kann. Die Schüler lernen sich in die Situation der Betroffenen und der Täter zu versetzen.

Denn häufig wird vergessen, dass viele Kinder, die ihre Mitschüler durch psychische Gewalt quälen, zuvor selbst derselben Gewalt ausgesetzt waren. (Antje Thon)

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