Gutachten über bauliche Mängel erwartet

Dach der Therme in Bad Emstal ist weiterhin instabil

Bad Emstal. Das Gutachten über die Schäden an der Therme in Bad Emstal soll in der kommenden Woche vorliegen. Das bestätigte Bürgermeister Ralf Pfeiffer auf HNA-Anfrage. 

Um über die Ergebnisse wie ursprünglich geplant in der Gemeindevertretersitzung Ende April zu diskutieren, komme das Papier aber zu kurzfristig.

Mitte der Woche hatte der Göttinger Bausachverständige Werner Baumann mit Vertretern der Gemeinde Bad Emstal die Therme in Augenschein genommen. Dabei habe der Experte klar gemacht, dass das Dach tatsächlich erheblich einsturzgefährdet und die damit verbundene Schließung der Einrichtung Ende November 2016 korrekt gewesen sei, sagt Pfeiffer. Inzwischen habe sich die Situation etwas entspannt. So wurde die Wassertemperatur im Becken auf ein Minimum reduziert. Somit gebe es im Inneren weniger Feuchtigkeit, die in das Gebäude eindringen könne. Zudem bestehe keine Gefahr mehr, dass auf dem Dach lastender Schnee die Stabilität der Therme zusätzlich einschränke, so Pfeiffer.

Ziel des von der Gemeinde beauftragten Gutachters war es, die Standsicherheit des Gebäudekomplexes zu ermitteln. Daraufhin seien in den vergangenen Monaten alle Bauteile überprüft worden. Neben den bekannten Mängeln seien weitere Schäden offensichtlich geworden. Unter anderem habe der Bausachverständige einen tragenden Balken entdeckt, „in den irgendwann irgendjemand zehn Löcher gebohrt hat“, so Pfeiffer. Weil der Träger verdeckt war, sei die Schwachstelle unerkannt geblieben. Problembehaftet seien vor allem der Beton, der Brandschutz und die 40 Jahre alten technischen Anlagen, insbesondere die Lüftung.

Eingebunden in die Erstellung des Gutachtens ist auch ein Jurist. Der habe deutlich gemacht, dass die Beantwortung der Frage, wer wann was an der Therme falsch gemacht hat, weitere Probleme aufwerfe. Eine abschließende Bewertung der juristischen Belange steht noch aus. Aus Sicht Pfeiffers lässt sich die Situation auf folgenden Punkt bringen: Wenn jemand für die baulichen Mängel zur Verantwortung gezogen werden soll, darf die Therme bis zu einer richterlichen Entscheidung nicht mehr angefasst werden. Es müsste ein Baustopp verhängt werden – und dies, so die Meinung des Juristen, könne Jahre dauern. Oder man entscheide sich dafür, die Schuldfrage beiseitezulassen und sich damit zu befassen, wie die Therme möglicherweise abgerissen, umgebaut und zumindest teilweise weiter genutzt werden könne.

Diese Option deute sich zumindest für den Kursaal an. Denn die Konstruktion unterm Saal sei stabil, so Pfeiffer. Es lohne sich darüber nachzudenken, ob vom Fußboden aufwärts alles abgerissen und eine neue Halle gebaut werde.

Lesen Sie dazu auch:

Therme in Bad Emstal: Sanierung, Abriss oder Neubau - alles ist möglich

Therme Bad Emstal: Gutachten legt katastrophale Schäden offen

Rubriklistenbild: © Norbert Müller

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.