Hält die nächsten 100 Jahre

Die seltenen, uralten Barocktüren von Schloss Riede werden saniert

Mit dem Hobel: Meister Hiege passt die Unterseite des Oberlichts an. Hinten Azubi Jonathan Roßmeier.
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Mit dem Hobel: Meister Hiege passt die Unterseite des Oberlichts an. Hinten Azubi Jonathan Roßmeier.

Über die Jahre haben Wind und Wetter den vier Türen im Dachbereich des Schlosses Riede arg zugesetzt. Grau und verwittert trotzten sie Niederschlägen und brennender Sonne.

Riede – Dass sie schon gut drei Jahrhunderte auf dem Buckel haben, damit aus der Zeit stammen, als das Renaissance-Schloss derer von Meysenbug ein vom Barock geprägtes Dach aufgesetzt bekam, wissen nur wenige. Manfred Quehl, der Architekt aus Felsberg, der seit 1992 alles Bauliche am architektonischen Kleinod im Bad Emstaler Ortsteil als Planer begleitet, ist einer von denen, die den Wert der an drei Erkern und dem Altan angesetzten Türen kennt, ein weiterer ist Norbert Zimmermann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Riede. Beide sind an diesem Morgen dabei, als Restaurator Bruno Hiege mit seinem Transporter auf den Hof fährt, um ein aufgearbeitetes Exemplar der zweiflügeligen Zugänge zu den kleinen Dachbalkonen einzupassen.

Und während sich der Schreinermeister aus Morschen zusammen mit seinem Azubi Jonathan Roßmeier daran macht, die einzelnen Elemente der Tür – Flügel, Oberlicht und Kämpfer – über die steinalte Wendeltreppe ganz nach oben an ihren angestammten Platz zu schleppen, erinnert sich Quehl daran, wie man sich mit dem Gedanken trug, die barocken Luken zu restaurieren.

Anspruchsvolle Aufgabe: Schreinermeister und Restaurator Bruno Hiege an einem Flügel der beiden noch unbearbeiteten seltenen Erkertüren von Schloss Riede. Sie wird als nächste in seiner Werkstatt flott gemacht.

„Die Überlegungen gingen eigentlich dahin, die besten Türen zu erhalten und die schlechten auf den Schrott zu werfen.“ Die Denkmalpflege lockte mit einem großzügigen Zuschuss, aber nur, erinnert sich Quehl, wenn alle vier Exemplare restauriert würden. Und das hatte seinen Grund: „Diese Art Türen gibt es außer hier in Riede nur noch in Schloss Wilhelmsthal.“ Von den Kosten in Höhe von 24 000 Euro übernahm das Denkmalamt 16 000 Euro, den Rest steuerte der Förderverein bei.

„Es ist ein Glück, dass die Türen bis heute überlebt haben“, betont Architekt Quehl. Jede hat ihren individuellen schweren Schädigungsgrad. Am schlimmsten hatte es die nach Südwesten, zur Wetterseite ausgerichtete Tür erwischt, jene, die an diesem Tag frisch restauriert eingebaut werden soll. Die sieht nun beinahe aus, als sei sie neu. Über Wochen stand die Tür in der Werkstatt von Bruno Hiege in Morschen. „Wir haben dem Handwerksmeister viel Zeit gelassen“, sagt Fördervereinsvorsitzender Norbert Zimmermann. Bruno Hiege hat die Tür mit Fingerspitzengefühl und Sinn für die Historie aufgearbeitet, hat an irreparablen rottigen Stellen Holz „nach altem Muster“ neu gefertigt und eingesetzt.

Hand mit Stab: Auch die Türgriffe (rechts nach der Restaurierung) sind etwas Besonderes.

Die wenigen Farbreste hat er entfernt, dann einen weißen, dem historischen Vorbild entsprechenden Leinölanstrich aufgebracht. „Der verwittert, blättert aber nicht ab und lässt sich wieder leicht überarbeiten.“ Das Trocknen der Farbe dauert deutlich länger als bei heute üblichen Anstrichen – pro Lage zwei bis drei Tage. Mehrere Schichten wurden aufgetragen, allein das braucht seine Zeit.

Und auch der frische Kitt benötigt seine Ruhe zum Trocknen. Für die Dauer der Restaurierung waren die kleinen historischen Scheiben herausgenommen. Erst nachdem der letzte Anstrich abgetrocknet war, wurden sie wieder mit klassischem Leinölkitt aus Kreide und Öl eingesetzt. Und schließlich wurden auch die uralten Beschläge gereinigt, mit einem Schutzanstrich versehen und wieder eingebaut.

Die Arbeit, sagt der Restaurator, sei immer wieder eine Herausforderung. An Ort und Stelle passt er mit wenigen Hobelschüben das Unterstück des Oberlichts der Krümmung des Kämpfers an, auf dem das Oberlicht aufgesetzt wird. Dann wird alles eingesetzt.

Gute Arbeit: Dr. Christian Kahl von der Eigentümerfamilie begutachtet die restaurierte und eingesetzte Tür.

Das Besondere: Es gibt keinen Holzrahmen. Die Türflügel schließen mit dem Sandstein an der Wand ab. „Das ist alles sehr hochwertig und exakt gearbeitet, sodass die Flügel perfekt einschlagen“, lobt Hiege seine Kollegen aus dem Barock. „Da steckt auch Herzblut drin von den Handwerkern damals, die vor 300 Jahren ohne unsere technischen Hilfsmittel gearbeitet haben“, sagt der Meister. „Es ist gut, wenn das erhalten und sichtbar bleibt.“ Sein Anspruch sei, „dass die Türen noch mal 50 bis 100 Jahre durchhalten“.

Da ist der Restaurator recht zuversichtlich, schließlich seien die Türen aus widerstandsfähiger Eiche und schließen wie damals nicht hermetisch, sodass immer eine leichte Lüftung gegeben sei, die gegen Feuchtigkeit und Fäulnis schütze.

Gegen Mittag ist die Tür eingepasst. Bruno Hiege und Azubi machen sich daran, die dritte Erkertür auszubauen und zu verladen. Es gibt wieder viel zu tun. Aber die einzigartigen Stücke aus dem Barock, da ist sich der Handwerker mit Architekt Manfred Quehl und Norbert Zimmermann vom Förderverein einig, sind es zweifelsohne wert. (Norbert Müller)

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