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Maria Rallo näht aus Leidenschaft modische Ledertaschen

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Von: Norbert Müller

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Mit Augenmaß: Maria Rallo mit ihrem bevorzugten Werkzeug, einer Nähmaschine für Leder. Hier werden die einzelnen Teile zu einer fertigen Tasche zusammengesetzt.
Mit Augenmaß: Maria Rallo mit ihrem bevorzugten Werkzeug, einer Nähmaschine für Leder. Hier werden die einzelnen Teile zu einer fertigen Tasche zusammengesetzt. © Norbert Müller

Mit Leder kann Maria Rallo bestens umgehen. Seit einiger Zeit näht sie Taschen aus dem edlen Material. Manchmal orientiert sie sich ein an den Großen in der Branche.

Balhorn – Wenn es um Luxustaschen aus Leder geht, kann Maria Rallo schon mal richtig ins Schwärmen kommen. Auf ihrer persönlichen Wunschliste stand eine halbe Ewigkeit ein Modell von Louis Vuitton, einer Edelmarke, die für ihre Produkte überwiegend vierstellige Preise aufruft, für besondere Exemplare auch gerne deutlich mehr. „Aber die konnte ich mir nicht leisten“, sagt die 53-jährige Balhornerin.

Der Zufall spielte mit

Durch einen Zufall geriet die in Baden-Baden geborene Italienerin dann aber in die Spur von Vuitton, Hermès, Prada, Gucci und wie die angesagten Produzenten von Luxusbeuteln heißen. Die Frau mit dem badischen Akzent arbeitete in den frühen 2000er-Jahren beim Kundenservice des Südwestrundfunks (SWR). Und dort bekam sie eines Tages einen Mann ans Telefon, der hartnäckig auf der Suche nach einer Dokumentation des Senders über eine Reha-Klinik in Reinhardshausen war. Warum der ungeduldige Kerl mit nordhessischer Mundart unbedingt einen Mitschnitt des Beitrages haben wollte, erfuhr Maria Rallo auch sehr schnell: Er selbst ist Orthopädieschuhmachermeister, hat dort, nahe Bad Wildungen, öfter beruflich zu tun.

Vielfalt ist angesagt: Für die Taschen wird hochwertiges Rindsleder verwendet – je nach Kundenwunsch in abriebfest gefärbt oder auch mit Kroko-Struktur.
Vielfalt ist angesagt: Für die Taschen wird hochwertiges Rindsleder verwendet – je nach Kundenwunsch in abriebfest gefärbt oder auch mit Kroko-Struktur. © Norbert Müller

Es war nicht das letzte Telefonat zwischen den beiden, bald folgten E-Mails, ein knappes Jahr später, das war 2007, trafen sie sich dann auch persönlich. „Einmal gesehen, nie wieder getrennt“, sagt die lebhafte Frau lachend. Wobei tatsächlich in den ersten fünf Jahren der Beziehung gependelt wurde. 2012 siedelte sie dann mit ihrem Sohn um vom mondänen Baden-Baden nach Balhorn. Seit fünf Jahren sind Dirk Bernhardt und Maria Rallo verheiratet.

In Balhorn fand sich die Tochter einer Schneiderin in einer alteingesessenen Schuhmacherfamilie wieder, mit eigener Werkstatt und Geschäft und einem Schwiegervater, der offenbar einen Blick für die verborgenen Talente eines Menschen hat. „Du kannst doch nähen. Wenn es die Mama konnte, kannst du es auch“, habe der Senior gesagt. Und bald schon saß sie oben in der Werkstatt und lernte von Helmut Bernhardt, dem alten Meister, wie man Lederschäfte für Schuhe näht. Und tatsächlich: „Es hat gleich geklappt.“ Heute ist sie diejenige in der Firma, die die Schuhe näht, hin und wieder unterstützt vom „Opa“ wie sie ihren Schwiegervater nennt.

An den Maßen orientiert

Die Wunschtasche von Louis Vuitton ging ihr beim Arbeiten mit Leder und Nähmaschine immer mal wieder durch den Kopf, bis ihr die Idee kam, sich selbst an der Produktion eines Täschchens ganz nach ihrem Geschmack zu versuchen. „Ich habe mich an den Maßen der Vuitton orientiert“, sagt Rallo und ihr erstes Stück hergestellt. Die hat sie dann auch bald bei einem Besuch in der alten Heimat der Familie und Freundinnen vorgestellt. „Wow, super, haben die alle gesagt und mir geraten, das doch auch beruflich zu machen.“ Es folgten Entwürfe und weitere Arbeiten. Von den großen Vorbildern habe sie sich inspirieren lassen, „aber ich wollte nicht kopieren“. Beruflich umgestiegen ist sie aber nicht. Tagsüber näht sie weiter brav Schuhe, nach Feierabend geht es dann an die Herstellung der Taschen, für die sie die Unterstützung eines Mitarbeiters benötigt, der ihr das Leder auf Maß zuschneidet, wozu es einige Kraft brauche. Sie selbst setzt an der Maschine die einzelnen Teile mit dem passenden Faden zusammen. Drei Taschen schaffe sie maximal pro Monat, sagt Maria Rallo. Das Ganze sei immer noch Hobby, vor allem aber Passion.

Jede Tasche ein Unikat

Die ersten Taschen waren Mustertaschen, die sie in Boutiquen präsentierte. Ihr Mann, der als Orthopädieschuhmachermeister viel mit Ärzten zusammenarbeitet, zeigte die Taschen dann auch schon mal bei den Medizinern, die auch gerne bei Preisen knapp unter 1000 Euro zugriffen, um die Gattin zu erfreuen, sagt Rallo. Mittlerweile gebe es öfter Anfragen von Frauen, die eine ihrer Tasche bei einer Bekannten gesehen haben und auch ein solches Exemplar möchten, bei dem die Kundin das Leder, die Farbe und die Innenausstattung ganz nach Geschmack selbst bestimmt. „So ist dann jede Tasche ein Unikat“, betont Rallo, die schnell ins Schwärmen kommt, wenn sie von ihren Werken spricht. Das fertige Produkt sei noch echte Handarbeit und das Material etwas ganz Besonderes. „Das Schöne an der Arbeit mit Leder ist die Vielfalt und dass die Ergebnisse so spektakulär aussehen können.“

Zehn bis zwölf Stunden Arbeit

Zehn bis zwölf Stunden Arbeit stecke in einer der großen Taschen, für die ein dreiviertel Quadratmeter hochwertiges Leder benötigt werde. Vier bis sechs Wochen müsse man bei ihr auf die Wunschtasche warten.

Ihr Label hat Maria Rallo „La prima e l’unica“ genannt, auf Deutsch „Die Erste und die Einzige“. „Es soll eine Tasche sein, die mich ein Leben lang begleitet“, erklärt sie den Namen. Allerdings müsse es ja für die Kundschaft nicht bei nur einem Exemplar bleiben, sagt die geschäftstüchtige Balhornerin aus dem Badischen lachend, die sich inzwischen ihren „Mädchentraum“ erfüllt hat. „Ich habe mir im vergangenen Jahr endlich eine Tasche von Louis Vuitton gekauft.“ (Norbert Müller)

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