Neuer Pfarrer

Emil Schlichter ist der neue evangelische Pfarrer in Balhorn und Altenstädt

An seiner neuen Wirkungsstätte: Pfarrer Emil Schlichter vor der Balhorner Kirche, in der er am kommenden Sonntag offiziell ins neue Amt eingeführt wird.
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An seiner neuen Wirkungsstätte: Pfarrer Emil Schlichter vor der Balhorner Kirche, in der er am kommenden Sonntag offiziell ins neue Amt eingeführt wird.

Seit Emil Schlichter die Stelle als Nachfolger des evangelischen Pfarrers von Balhorn und Altenstädt angetreten hat, hat er jede Menge zu tun.

Balhorn/Altenstädt – Als Sehnsuchtsort für Anhänger südamerikanischer Tänze ist Balhorn nicht gerade bekannt. Aber das war auch nicht das entscheidende Kriterium, als sich Emil Schlichter, der sich in seiner Freizeit so sehr für Samba und Merengue begeistert, für die dortige Pfarrstelle entschied.

Viel Zeit für sein Hobby hätte der 36-Jährige derzeit sowieso nicht. Denn seit er die Stelle als Nachfolger des langjährigen evangelischen Pfarrers von Balhorn und Altenstädt, Stefan Kratzke, am 1. August antrat, hat er jede Menge zu tun.

Der neue Pfarrer kannte Balhorn überhaupt nicht

Da gehören die täglichen Aufgaben des Pfarrers dazu und die sogenannten Kasualien, von denen es bislang mit acht Beerdigungen, einem Ehejubiläum und bereits drei Taufen in den ersten Wochen schon mehr als üblich gab. Und natürlich geht es zu Beginn auch um das Kennenlernen der neuen Umgebung, das eigentliche Ankommen.

Als ihm die Stelle in der Nachbarschaft Elbe/Ems von der Landeskirche angeboten wurde, räumt Schlichter ein, habe er nicht mal gewusst, wo Bad Emstal eigentlich liegt, und dass es den Ortsteil Balhorn überhaupt gibt: „Das war mir unbekannt.“

Nachdem er seine Bereitschaft bekundet hatte, in Balhorn die erste Stelle nach seiner Ordination anzutreten und der Kirchenvorstand im Gespräch mit dem Dekan ebenfalls sein Okay zum Personalvorschlag gegeben hatte, machte sich Schlichter gemeinsam mit seiner Frau und dem knapp dreijährigen Sohn erstmals auf den Weg nach Balhorn.

Der Glaube ist schon im Kindergarten hängen geblieben

Dort traf man sich mit Pfarrer Kratzke, der dem Neuen den Arbeitsbereich und den Ort vorstellte, in dem er gut 30 Jahre lang tätig war. Kratzke führte auch durch die Kirche, die so idyllisch mitten im Dorf liegt.

Schlichter wird dem Vorgänger auch Biografisches erzählt haben: Von der frühen Kindheit in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr lebte er in dem muslimisch geprägten Land am Kaukasus, ehe er mit seiner Mutter, einer aus Armenien stammenden Christin, nach Deutschland floh. Der Vater, in Aserbaidschan verwurzelt, blieb.

Sein Glaube, sagt Schlichter, habe die Mutter „senfkornartig“ gelegt, indem sie immer mal wieder Gott erwähnt habe. „Das ist irgendwie schon in Kindertagen hängen geblieben.“ Mutter und Sohn fanden in Bodenwerder, einem kleinen Ort zwischen Höxter und Hameln ein neues Zuhause.

Gelernter Maler und Fahrzeuglackierer

Hier ging Emil Schlichter zur Schule, hier machte er eine Lehre zum Maler und Fahrzeuglackierer. „Wir haben immer unter finanzieller Not gelitten“, erinnert sich der 36-Jährige. Die Mutter arbeitete in einer Küche. „Ich hatte diese Armut satt“, sagt er. „Das war für mich ein Riesenansporn, etwas aus meinem Leben zu machen.“

Er beschloss, das Abitur nachzuholen, fuhr täglich mit der Bahn nach Hannover und besuchte dort ein berufliches Gymnasium. Nach dem Abi „habe ich dann schon mit der Theologie geliebäugelt“, wegen des langen Studiums entschied er sich dann aber für einen anderen Weg.

In sozialen Brennpunkten kommen viele Religionen zusammen

Schlichter zog nach Kassel, studierte Politik und Wirtschaft sowie evangelische Religion für das Lehramt. Der Gedanke an das Pfarramt ließ ihn aber nicht los. Neben seiner Lehrtätigkeit holte er an der Uni in Göttingen nach, was ihm noch an Studieninhalten fehlte: unter anderem Althebräisch, Kirchengeschichte, die Kunst des Predigens. Nach bestandener Prüfung durch die Landeskirche ging es direkt ins 30-monatige Vikariat in die Philippus-Gemeinde im Kasseler Norden.

Dort, in einem sozialen Brennpunkt, „kommen viele Religionen zusammen“, sagt Schlichter, und es gebe auch viele Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind und nicht an Gott glauben. Die Arbeit dort habe ihm gefallen. Gerne wäre er geblieben, aber es gab keine freie Stelle, und so wurde er dann nach Balhorn entsendet. Hier will sich Emil Schlichter nun der diakonischen Arbeit und der Seelsorge widmen.

Und dem Wort: „Ich schreibe sehr gerne Predigten und versuche, sie lebensnah zu gestalten.“ Und vielleicht bleibt auch mal wieder Zeit, bei südamerikanischen Rhythmen Energie zu tanken. (Norbert Müller)

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