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Aus für Merxhäuser Einsatzabteilung

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Von: Norbert Müller

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Sehen keine Perspektive mehr für ihre Einsatzabteilung: (Von links) der stellvertretende Wehrführer Mark Lüttger, Sascha Merkel, Wehrführer Holger Christ und Bad Emstals Gemeindebrandinspektor Oliver Lenz.
Sehen keine Perspektive mehr für ihre Einsatzabteilung: (Von links) der stellvertretende Wehrführer Mark Lüttger, Sascha Merkel, Wehrführer Holger Christ und Bad Emstals Gemeindebrandinspektor Oliver Lenz. © Norbert Müller

„Anfang nächsten Jahres ist Schluss“, sagt Bad Emstals Gemeindebrandinspektor Oliver Lenz, und er macht damit deutlich, wie es um die Einsatzabteilung der Feuerwehr im Ortsteil Merxhausen steht.

Merxhausen - Für Lenz und alle Beteiligten ist ganz wichtig: „Wir schließen die Merxhäuser Wehr nicht von oben, sondern die Einsatzabteilung hat von sich aus gesagt, man könne so nicht weitermachen, weil man angesichts der Altersstruktur keine Perspektive sehe.“ Es war ein schleichender Niedergang einer Abteilung, der nun zur selbstbestimmten Auflösung führt. In dieser Form ist es im Wolfhager Land ein einmaliger Vorgang, zumindest können sich die Bad Emstaler Brandschützer an nichts Vergleichbares im Altkreis erinnern.

Akzeptieren der Tatsachen

Holger Christ ist seit 35 Jahren in leitender Funktion bei der Merxhäuser Wehr, davon lange als Wehrführer. „Wenn wir mehr Personal hätten, würden wir gerne weitermachen“, sagt der bald 58-Jährige. Der Entschluss, aufzuhören, sei letztlich ein Akzeptieren der Tatsachen.

Christ ist heute der einzige aktive Feuerwehrmann, der bei Vitos in Merxhausen arbeitet. „1982 hatten wir eine Einsatzabteilung von 30 Mann, davon haben bis zu 15 in der Klinik gearbeitet. Seitdem ist das immer weniger geworden.“

Motivation ankurbeln

Seitens der Feuerwehr und auch der Gemeinde habe man immer wieder versucht, dem Personalschwund gegenzusteuern. Vor zwei Jahren habe man, nachdem das bisherige Feuerwehrfahrzeug vom TÜV die Rote Karte gesehen habe, noch ein gebrauchtes TSW angeschafft, auch, um damit die Motivation anzukurbeln in einer Wehr, die zu ihren Glanzzeiten mal über drei Fahrzeuge verfügte. Gebracht habe auch das nichts, sagt GBI Lenz.

Kein Interesse

Jüngst habe die Feuerwehrführung gemeinsam mit dem Bürgermeister ein Schreiben formuliert, in dem man das Problem dargestellt habe und das an alle Haushalte in Merxhausen verteilt worden sei. Darin habe man auch alle Einwohner eingeladen, an der folgenden Jahreshauptversammlung der Wehr teilzunehmen. „Da war dann aber von der Bürgerschaft keiner da“, sagt der Gemeindebrandinspektor. Wo Interesse und auch potenzielles Personal fehle, stehe man auf verlorenem Posten.

Für Holger Christ liegt das Problem auch darin, dass Merxhausen kein gewachsenes Dorf wie die übrigen Ortsteile sei. Da sei früher vor allem die Klinik gewesen. Heute sei der Ort mit seinen knapp 360 Einwohnern „ein Übernachtungsquartier für Zugezogene“, bei denen die Fluktuation zudem erheblich sei. Verwurzelte Einheimische gebe es nur wenige.

Noch acht Aktive

Aktuell seien noch acht Leute in der Einsatzabteilung aktiv, der jüngste ist Sascha Merkel mit 41 Jahren. Alle anderen, sagt Christ, seien deutlich älter. Damit sei man auch nicht mehr in der Lage, die gesetzlich vorgeschriebene Personalausfallreserve für eine taktische Einheit in gleicher Stärke zu stellen.

Bedeutsam ist das bevorstehende Ende der Merxhäuser Einsatzabteilung auch wegen der Klinik im Ort. Da habe man ein Sonderobjekt mit besonderem Gefahrenpotenzial, was auch die zahlreichen Einsätze allein in den vergangenen Monaten wegen Realfeuer oder Alarme durch Brandmeldeanlagen belegten, sagt Oliver Lenz. Allerdings: Durch die Nähe der übrigen Ortsteile sei die Hilfsfrist von maximal zehn Minuten problemlos einzuhalten.

Die weiteren Details seien nun mit dem Amt für Gefahrenabwehr beim Landkreis zu besprechen. Für die Merxhäuser Feuerwehrleute, die weitermachen möchten, gibt es das Angebot, sich einer der anderen Ortsteilwehren anzuschließen.

Verein soll bestehen bleiben

Der Merxhäuser Feuerwehrverein soll bestehen bleiben, sind sich Wehrführer Christ und seine Kameraden einig. Dort will man die Geselligkeit pflegen und auch die Erinnerung an die guten Zeiten der Einsatzabteilung. Norbert Müller

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