„Der Parcours ist anspruchsvoll“

Feuerwehr Bad Emstal organisiert Belastungsparcours für Atemschutzgeräteträger

Nur mit den Armen vorwärts bewegen: Maik Wicke (von links) und Jonas Herbst-Heyde kriechen über den Boden.
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Nur mit den Armen vorwärts bewegen: Maik Wicke (von links) und Jonas Herbst-Heyde kriechen über den Boden.

Da die Berufsfeuerwehr in Kassel coronabedingt ihren Belastungsparcours mit Atemschutzgeräten absagen musste, hat sich die Feuerwehr in Bad Emstal überlegt, einen eigenen Parcours zu organisieren.

Bad Emstal – „Mit dem Parcours wollten wir einfach sehen, wie fit man selbst ist, vor allem während Corona“, sagt Gemeindebrandinspektor Oliver Lenz. Für die Feuerwehr sollte der Parcours eine Selbstfindung sein. Doch auch der Spaßfaktor kam dabei nicht zu kurz.

Auf drei Tage verteilt haben 34 Männer und Frauen der Feuerwehr Bad Emstal diesen Parcours absolviert. Am Mittwoch war der letzte Tag. Aufgebaut war die Hindernisstrecke in der Sporthalle in Balhorn. Zuerst ging es um die Grundbelastung. Dafür mussten sich die Atemschutzgeräteträger auf einem Fahrrad und einem Crosstrainer in Bewegung halten. Danach ging es mit verschiedenen Hindernissen weiter. Alle Stationen waren so aufgebaut, wie es die Feuerwehrmänner auch in einem echten Einsatz erleben könnten. Dazu zähle das Kriechen am Boden und die Personenrettung. Dafür stand den Feuerwehrmännern ein 80 Kilogramm schwerer Dummy zur Verfügung. Später im Parcours musste auch durch einen Sichttunnel mit Hindernissen gekrochen werden. Dieser war mit Bänken und Turnmatten aufgebaut worden. An einer Station war die Aufgabe, das Atemschutzgerät abzunehmen und durch einen schmalen Tunnel zu kriechen. Das Gerät musste abgenommen werden, weil der Feuerwehrmann sonst nicht das Hindernis überwinden könnte. „Es ist wichtig, so etwas zu üben, denn bei einem richtigen Einsatz, wo es meist dunkel ist, muss man das Atemschutzgerät problemlos abnehmen können“, so Lenz. Der Durchgang des Parcours dauert ungefähr 18 Minuten.

Unter vollem Atemschutz mussten Maik Wicke (links) und Jonas Herbst-Heyde im Parcours eine Person, hier von einem 80-Kilo-Dummy verkörpert, retten.

Es gehe aber nicht darum, wer es als Schnellster schafft, denn es sei kein Wettbewerb. „Bei so einem Parcours geht es darum, die Teamfähigkeit zu testen, daher schicken wir immer zwei Feuerwehrmänner in die Hindernisstrecke.“

Zu Beginn des Parcours wurde der vorhandene Druck vom Atemschutzgerät aufgeschrieben und nach der Hälfte noch mal per Funk durchgesagt. „Im normalen Einsatz muss man dies auch machen, damit alle wissen, ob derjenige noch genügend Luft hat oder zurückgepfiffen werden muss.“ Am Ende wurde dann noch mal der Druck notiert.

„Dieser Parcours hat es wirklich in sich. Er ist zwar anspruchsvoll, aber vergleichbar mit einem richtigen Einsatz. Daher halte ich es für sehr gut und notwendig die Belastung mit einem Atemschutzgerät in einer selbst gebauten Hindernisstrecke zu üben“, sagt Atemschutzgeräteträger der Feuerwehr Bad Emstal, Maik Wicke. Dass die Übung wirklich anstrengend ist, war den schnaufenden Feuerwehrmännern anzumerken.

Doch nicht jeder Feuerwehrmann dürfe mit einem Atemschutzgerät in den Einsatz, denn dafür müsse man einen speziellen Lehrgang absolvieren. „Das Atemschutzgerät ist nicht zu unterschätzen, denn wenn man es auf hat, ist es schon ein beklemmendes Gefühl“, sagt Oliver Lenz. Daher dürfe man nie in Panik verfallen und die Maske abreißen, denn das wäre für einen selbst lebensbedrohlich. (Lea Beckmann)

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