Genetische Zwillinge aus Bad Emstal retten Leben

Sind glücklich darüber, dass sie mit der Stammzellenspende helfen konnten: (von links) Nora Weiß und ihre Schwester Luisa Weiß im Garten ihres Elternhauses.
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Sind glücklich darüber, dass sie mit der Stammzellenspende helfen konnten: (von links) Nora Weiß und ihre Schwester Luisa Weiß im Garten ihres Elternhauses.

Nora Weiß spendet ihre Stammzellen mithilfe ihrer Schwester Luisa.

Bad Emstal – „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“, so lautet der Slogan der Deutschen Knochenmarksspenderdatei DKMS, die die Registrierung von Stammzellenspendern organisiert und weltweit die Stammzellentransplantationen für Blutkrebspatienten organisiert.

Auch Nora und Luisa Weiß folgten diesem Aufruf und ließen sich typisieren: „Seitdem wir beide 18 sind, gehen wir regelmäßig zur Blutspende. In Kassel haben wir dann Werbung der DKMS gesehen und uns die Stäbchen für die Typisierung nach Hause schicken lassen“, berichtet die 24-jährige Nora Weiß.

Als Erstes wurde im März dieses Jahres dann ihre 21-jährige Schwester Luisa kontaktiert, da sie für eine potenzielle Stammzellenspende in Frage kam. Für sie sei sofort klar gewesen, dass sie spenden wolle, so Luisa Weiß. „Ich bin dann für Voruntersuchungen nach Köln gefahren und eigentlich schien auch alles Ordnung. Danach wurde ich aber angerufen und mir wurde gesagt, dass ich aufgrund meines Eisenmangels wohl doch nicht spenden kann.“

Eine Stunde später wurde dann aber auch schon Nora Weiß kontaktiert und gefragt, ob sie ihre Stammzellen spenden wolle. Sie sagt: „Ich wollte dem Empfänger unbedingt helfen. Das Ganze hat auch nur geklappt, weil Luisa und ich genetische Zwillinge sind. Das ist selbst bei Geschwistern sehr unwahrscheinlich. Ihre und meine Stammzellen sind also quasi austauschbar und können beide für den Empfänger genutzt werden.“

Auch Nora Weiß musste, so wie ihre Schwester vorher, für Voruntersuchungen antreten. Für sie ging es nach Freiburg. „Da wurde ich erst einmal komplett durchgecheckt. Es wurde ein großes Blutbild gemacht, alle Organe untersucht und ein EKG (Elektrokardiogramm) musste ich außerdem machen. Erst nach diesen Untersuchungen durfte ich drei Wochen später dann wirklich spenden“, berichtet Nora Weiß. Zur eigentlichen Stammzellenspende begleitete sie dann ihre Schwester.

Auch habe sich die DKMS um alles Weitere gekümmert, sodass sich Nora Weiß gut aufgehoben gefühlt habe. Man habe sie für die Spende dann unter Narkose gesetzt und die Stammzellen mit zwei Nadeln aus ihrem Beckenkamm entnommen. „Viele denken immer, dass der Eingriff gefährlich ist. Dabei kann dir eigentlich nichts passieren. Danach fühlte es sich so an, als hätte ich mir das Steißbein geprellt. Das war dann aber schon alles.“

Auch nach dem Eingriff habe sich Nora Weiß im Krankenhaus sehr wohl gefühlt. Viele Pfleger und Ärzte haben ihr sogar ihren Respekt für die Stammzellenspende ausgesprochen: „Da habe ich mich schon ein bisschen gewundert. Für mich war die Spende einfach selbstverständlich und bin stolz, dass ich es gemacht habe. Außerdem hoffe ich, dass ich dadurch auch noch andere zur Typisierung bewegen kann. Es ist echt kein großer Akt und jeder kann es tun.“ (Jakob von Sass)

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