Von Existenzangst keine Spur

Geschäftsführer des Parkhotels Emstaler Höhe plant für Zeit nach der Krise

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Lässt sich von der Corona-Krise nicht verunsichern: Lukas Frankfurth im Restaurant seiner Emstaler Höhe, die seit Mitte März wegen der gesetzlichen Vorgaben geschlossen ist.

Mit der Schließung brachen dem Parkhotel in Bad Emstal umsatzstarke Monate weg. Lukas Frankfurth hat trotzdem keine Existenzängste, sondern versucht die Zeit zu nutzen.

Bad Emstal – Ruhig ist es in der Emstaler Höhe. Dort wo sonst in Küche und Restaurant, aber auch in den Seminarräumen, die von Firmen für Fortbildungen gebucht werden, geschäftiges Treiben herrscht, ist weitestgehend Stillstand angesagt. Der Lockdown ist im größten privaten Beherbergungsbetrieb des Wolfhager Landes von Anfang an voll durchgeschlagen.

Bis auf die sieben Azubis sind alle Mitarbeiter in Kurzarbeit, sagt Lukas Frankfurth, der gemeinsam mit seiner Mutter die Geschäfte führt. Insgesamt beschäftigt man gut 50 Leute, einige von ihnen sind schon seit Betriebsgründung im Jahr 1979 dabei.

„Wir haben alles runtergefahren“, sagt der 27-Jährige, „auch Heizung und Warmwasser ausgeschaltet“, um Kosten zu sparen. Auf den Außerhausverkauf von Speisen habe man verzichtet. „Wir haben durchgerechnet, was die Küchencrew kostet und was wir erwirtschaften müssen.“ 

Das habe in keinem Verhältnis gestanden. In der Emstaler Höhe verdiene man das Geld mit dem Hotel. „Wenn das Hotel voll ist, ist auch das Restaurant voll“, sagt der junge Unternehmer.

Emstaler Höhe: April, Mai und Juni sind sonst umsatzstarke Monate

52 Zimmer mit 112 Betten hat das Hotel, die Auslastung der Betten liege übers Jahr im Schnitt bei guten 65 Prozent. In diesem Jahr wird das nicht mehr zu erreichen sein. Ohne die umsatzstarken Monate April, Mai und Juni sei das aussichtslos. In dieser Zeit kommen sonst am Wochenende vor allem Gäste, die Wandern und Wellness verbinden. Unter der Woche sind die Zimmer durch Tagungsgäste belegt.

Wie heftig das Herunterfahren des öffentlichen Lebens auf den Betrieb einwirkt, hat schon das erste wegen der Coronakrise eingeschränkte Wochenende im März gezeigt. Durch die Sperre mussten Familienfeiern abgesagt werden. 

Rechne man Hotelgäste und auch A-la-Carte-Gäste im Restaurant dazu, sagt Frankfurth, dann waren allein an dem Wochenende 500 bis 600 Gäste betroffen. „Die waren ersatzlos weg. Und was weg ist, das können wir in unserer Branche auch nicht nachholen.“

Heizung und Warmwasserbereitung sind ausgeschaltet, trotzdem sind laufende Kosten hoch

Laufende Kosten aber bleiben, auch wenn Heizung und Warmwasserbereitung ausgeschaltet sind. „Der Fixkostenanteil in der Hotellerie ist sehr hoch“, sagt Lukas Frankfurth. Genaue Zahlen wolle er nicht preisgeben, nur so viel: „Momentan liegen wir monatlich im unteren Mittel des fünfstelligen Bereichs.“

Dennoch: Von Zukunftsängsten, Endzeitstimmung gar ist im Haus am Bad Emstaler Kurpark nichts zu spüren, auch wenn derzeit noch nicht verlässlich abzusehen ist, wann der Betrieb wieder für die Gäste geöffnet wird. „Wir haben tatsächlich gar nicht so große Probleme.“ 

Man habe die Soforthilfe unverzüglich erhalten, dazu auch noch eine freiwillige Zahlung der Versicherung für den Betriebsausfall. Wie die meisten Hoteliers haben auch die Frankfurths eine Versicherung für den Fall einer Infektion abgeschlossen.

„Bei uns geht es nicht um die Existenz“, bringt es der studierte „Gastgeber“ auf den Punkt. „Wir müssen uns verschulden, das ist klar, wir müssen ein Darlehen aufnehmen, aber wir gehen stark davon aus, dass der Binnentourismus eine höhere Nachfrage bringen wird.“ 

Soll heißen: Die Deutschen werden in diesem und wohl auch in den kommenden ein, zwei Jahren vor allem im eigenen Land Urlaub machen. Davon werde man hoffentlich profitieren. Und hilfreich werde auch das auf ein Jahr begrenzte Herabsetzen der Mehrwertsteuer auf Speisen von derzeit 19 Prozent auf sieben Prozent ab dem 1. Juli sein. 

Lukas Frankfurth nimmt an, dass dieser Termin auch der Zeitpunkt ist, der entscheidende Lockerungen der seit dem vorletzten Märzwochenende geltenden Beschränkungen im Gastgewerbe bringen wird.

Emstaler Höhe: Schließung durch die Coronakrise wird jetzt genutzt

Die Zeit bis dahin verbringe man nicht Trübsal blasend. Man nutze sie, um die Azubis zu schulen, neue Projekte auszutüfteln und bereits geplante vorzuziehen. Da geht es etwa um den Internetauftritt und das Buchungssystem. 

Für die Sommerferien war der Umbau des Restaurants sowie des Tagungs- und Veranstaltungsbereichs vorgesehen. Das wollen die Frankfurths jetzt früher angehen und damit eine unter normalen Umständen nötige Teilschließung vermeiden.

Das habe man auch so den Mitarbeitern gesagt: „Wir sehen es auch als Chance, aus der Krise gestärkt hervorzugehen“, sagt Lukas Frankfurth, der hofft, bald Klarheit zu haben, wann es weitergeht in der Gastronomie und auch die Ruhe in der Emstaler Höhe wieder ein Ende hat.

Auf dem Fritzlarer Markt machten am Wochenende Gaststätten und Hotels auf ihre prekäre Situation aufmerksam.

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