Mit Video und Bildergalerie

Hausschlachtung: So wird ein Schwein zur Wurst

Viel zu tun: Vom Schlachten bis zur fertigen Wurst wartet jede Menge Arbeit auf Fleischer Henning Schaumburg. Fotos: Brück

Bad Emstal. Woher kommt eigentlich das Fleisch auf unserem Teller? In Balhorn weiß man das ganz genau: Hier wird wie früher Zuhause geschlachtet.

Ein markerschütterndes Quiecken dröhnt durch die Nachbarschaft. Ein leises Ploppen und dann: Stille. Routiniert hat Fleischer Henning Schaumburg das Leben eines Schweins beendet. Der tödliche Schnitt findet nicht in einem Schlachthaus statt, sondern auf dem Hof von Helmut Löber in Balhorn.

Der 63-Jährige und sein jüngerer Bruder Harald sind Hausschlachtungen bereits seit ihrer Jugend gewöhnt - und halten selbst daran fest, obwohl immer weniger Zuhause geschlachtet wird. „Für das Tier ist das weniger stressig, als es in ein großes Schlachthaus zu bringen, wie es heute viele machen“, begründet Harald Löber die Entscheidung. Zudem wisse er so genau, was das Schwein gefressen habe, anders als bei Fleisch aus dem Supermarkt.

Das bestätigt auch Veterinär Gerhard Freitag vom Veterinäramt Wolfhagen. Er findet es schade, dass Hausschlachtungen allmählich aussterben. „Vor 30 Jahren gab es noch 15 Mal so viele Hausschlachtungen wie heute“, sagt er.

Harald Löber mutmaßt, dass es vielen zu anstrengend ist, selbst zu schlachten. Ganze zwei Tage Arbeit und fleißige Helfer sind nötig, bis das Schwein geschlachtet, zerlegt und verarbeitet ist.

Video: So funktioniert die Hausschlachtung

(Hinweis: In diesem Video und auch in der unten stehenden Fotostrecke sehen Sie, wie ein totes Tier verarbeitet wird.)

Wir erklären, welche Schritte nötig sind, damit aus einem Schwein Wurst, Schnitzel und Co. werden:

Aufziehen und Füttern 

Vor der Schlachtung muss das Schwein erst kräftig zulegen. Als Helmut Löber sein Tier kaufte, wog es 30 Kilogramm. Knapp neun Monate dauerte es, bis das Schwein zum Zeitpunkt der Schlachtung ganze 200 Kilogramm auf die Waage brachte.

Schlachten im Hof 

Im Hof wird das Schwein angebunden. Dann schießt der Fleischer dem Tier einen Bolzen ins Gehirn, um es zu betäuben. Den anschließenden Kehlenschnitt und das Ausbluten spüre das Schwein dann nicht mehr, erklärt Fleischer Schaumburg.

Weg mit den Borsten 

Die Borsten werden mit Messern und heißem Wasser abgeschabt und mit einem Gasbrenner weggebrannt.

In Teile zerlegen 

An einem Haken hängend wird das Schwein zerlegt. Rund 80 Kilogramm Fleisch werden zu Wurst verarbeitet. Aus dem Rest werden zum Beispiel Schinken und Schnitzel. Auch die Innereien werden nicht weggeworfen.

Proben ins Labor 

Ein Veterinär muss das Schwein begutachten und Proben ins Labor schicken. Erst wenn am nächsten Tag die Ergebnisse da sind, darf das Fleisch gegessen werden.

Fleisch verarbeiten 

Als letzer Schritt wird das Fleisch verarbeitet. Besonders beliebt bei den Helfern ist die Ahle Worst von Helmut Löber.

Hausschlachtung Schritt für Schritt

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