Pirsch nach alten Steinen

Er sucht nach Jahrhunderte alten Grenzsteinen

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Versteckt auf einer kleinen Lichtung: Jürgen Preuß in Begleitung von Norbert Zimmermann (rechts) und dessen Hund Basti an seinem Lieblingsstein an der Gemarkungsgrenze von Elbenberg und Riede. Der Stein wurde vor genau 425 Jahren gesetzt. 

Riede/Elbenberg. Teilweise sind sie älter als 400 Jahre: Jürgen Preuß erforscht historische Grenzsteine.

Eine kleine Lichtung im Forst zwischen Bad Emstal-Riede und dem Naumburger Stadtteil Elbenberg. Hierhin verläuft sich so leicht niemand, und selbst Jürgen Preuß, dem es dieses Fleckchen Erde besonders angetan hat, findet nicht so ohne Weiteres her.

Preuß ist ehrenamtlicher Obmann für historische Grenzsteine. Und einer seiner Lieblingssteine steht genau hier.

Die Sandsteinstele hat ein wenig Schlagseite, aber das mag man ihr nachsehen, schließlich hat sie schon 425 Jahre auf dem Buckel. Auf den Tag genau übrigens, wie Jürgen Preuß betont: „1593 DEN 23 IVLY ELBEN“ wurde seinerzeit recht krumm und schief auf der Seite eingemeißelt, die in Richtung der Gemarkung zeigt, die einst der Familie von Elben, später dann von Buttlar gehörte. Die Rückseite trägt das gleiche Datum, aber den Namenszug derer von Meysenbug. Sechs dieser uralten, durch das Datum so besonderen Steine hat Preuß auf der alten Gemarkungsgrenze aufgestöbert, dazu 27 weitere etwas jüngeren Datums.

Der 70-jährige Gudensberger, leidenschaftlicher Wanderer und Heimatgeschichtler, ist bei einer Führung für den Verein zur Förderung des Schlosses Riede durch Park und Forst des ehemals von Meysenbug’schen Anwesens mehr oder weniger über einen der historischen Grenzsteine gestolpert.

Die eine Seite: Datum mit dem Hinweis auf Elben.

Und wo einer ist, da können auch noch mehr sein. Wie man denen auf die Spur kommt, weiß Preuß, seit 2012 ehrenamtlich für das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation auf der Pirsch nach den alten Marksteinen. Zunächst sucht er sich die Gemarkungsgrenze, also die Linie, auf der Steine platziert wurden, auf topografischen Karten. „Die gewinne ich in digitaler Form aus dem Internet und lade sie mir in ein Wander-GPS-Gerät“, erzählt der frühere Oberstleutnant der Fritzlarer Heeresflieger. „Das versetzt mich dann in die Lage, auf einer virtuellen Linie die Steine zu suchen und zu finden.“

Zur Grundausstattung gehören neben dem modernen Navigationsgerät noch ein Wanderstock, mit dem sich auch gut Brennnesseln beseitigen lassen, eine Rosenschere zum Freischneiden, ein kleiner Metallstab zum Sondieren in der Erde, eine kleine Hacke zum Freilegen, eine Wurzelbürste zum groben Reinigen des Fundstücks, Bandmaß und Kamera für die Dokumentation. In der vegetationsarmen Zeit wird gesucht, im voll belaubten Wald sind die Orientierung und die Suche arg problematisch. In den jüngsten beiden Winterhalbjahren hat Preuß Stein um Stein zwischen Elbenberg und Riede gefunden.

Die andere Seite: Datum und das Wort Meisenbug.

Für Norbert Zimmermann, den Vorsitzenden des Vereins zur Förderung des Schlosses in Riede, der bei den Touren durchs Unterholz ein ums andere Mal dabei war, ist die Arbeit von Jürgen Preuß nicht nur aus Gründen der geschichtlichen Forschung von Bedeutung. „Ich bin sehr froh, dass Herr Preuß mit seiner Akribie die Grenzmale erfasst und damit auch den Schutz der historischen Denkmale unterstützt.“ Oft genug kommen nämlich historische Steine – solche, die noch stehen, aber auch solche, die unter Laub und Humus schlummern – unter die Räder schwerer Forstmaschinen.

Die Fundstellen werden nun dem zuständigen Förster mitgeteilt, der dann seine Arbeiter einweisen kann. Zusätzlich sollen bald auch noch deutlich sichtbare Markierungen neben den historischen Stücken den Schutz erhöhen. Auch auf der idyllischen kleinen Lichtung, wo Jürgen Preuß’ Lieblingsstein bislang 425 Jahre ohne gravierende Schäden überstanden hat.

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