HNA-Serie: Arbeitszeit statt Schlafenszeit - Knochenjob auf dem Feld

Im Bad Emstaler Familienbetrieb Albert packen alle bei der Weizenernte an

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Kleine Panne schnell behoben: Manfred Albert repariert eine defekte Messerklinge.

Bad Emstal. In vielen Berufen wird die Nacht durchgearbeitet. In einer Serie begleiten wir Menschen, die ihrem Beruf nachgehen, während andere schlafen. Wir schauten einer Landwirtfamilie bei der Weizenernte über die Schulter.

Die Kabine des Mähdreschers ist eng, aber klimatisiert. Konzentriert lenkt Manfred Albert das 16 Tonnen schwere, hochmoderne Erntegerät per Joystick über das Weizenfeld. Es ist 23 Uhr und zappenduster, seit zwölf Stunden ist Albert auf dem Feld und drischt Weizen. Den fünften Tag in Folge. Seine Frau Christa und Tochter Mareike lösen ihn hin und wieder ab und bringen ihm Essen.

Die Zeit drängt: 110 Hektar Weizen müssen schleunigst eingefahren werden, dafür brauchen sie bei gutem Wetter vier Tage. Gutes Wetter heißt vor allem: kein Regen. Zwei Tage muss der Weizen trocken gestanden haben, möglichst mit viel Sonne. Sobald er Feuchtigkeit abbekommt, ist der Weizen schwieriger zu ernten und verliert an Qualität. In den letzten Tagen hat es häufig geregnet und Albert half anderen Landwirten bei der Ernte aus.

Jetzt wird es eng, denn die Wettervorhersage für die nächsten Tage verheißt Regen. „Durch das Wetter ist die Ernte dieses Jahr unheimlich geballt“, erklärt Manfred Albert. Die Zeitfenster würden von Jahr zu Jahr enger werden. Aber es hilft nichts: Die Äcker müssen frei werden, denn die Raps-Aussaat steht an.

Familienbetrieb

Trotz des Stress macht dem 54-Jährigen der Job noch immer viel Spaß. Vor allem das Arbeiten mit den großen Maschinen. Auch die Schweinezucht und -mast, die die Familie Albert in Bründersen und in Edertal-Böhne im Landkreis Waldeck-Frankenberg betreibt, liegt ihm sehr am Herzen. „Das war schon immer mein Traum“, schwärmt der Landwirt.

Bereits mit 18 Jahren übernahm er den Betrieb in Bad Emstal von seinem Vater. Die Schweinezucht in Edertal und die Mast in Bründersen baute er mit seiner Frau auf. Seit einigen Jahren tritt auch die 24-jährige Tochter Mareike in die Fußstapfen ihrer Eltern und hilft neben ihrem Studium der Agrarwissenschaft auf dem Hof aus. „Es ist schön, so viel mit der Familie zusammenzuarbeiten. Morgens bespricht man beim Kaffee den Arbeitstag.“

Mit Ernte Schweine füttern

Mit ihrer Ernte können sie ihre Schweine füttern, die sie von der Geburt bis zur Schlachtung bei sich haben. Alle fünf Wochen werden bis zu 750 Ferkel geboren. Die Schweinezucht ist Christa Alberts Metier.

In der Geburtenzeit kann es für sie auch mal später werden: „Da schlagen wir uns die ein oder andere Nacht um die Ohren“, sagt sie und schmunzelt. Die Arbeit mit den Zuchtschweinen liegt ihr. Man brauche viel Geduld. Vor den großen Landmaschinen habe sie Respekt. Denn: Vor allem während der Ernte sei man Tag und Nacht bei hohem Geräuschpegel unterwegs. Da könne die Konzentration mal nachlassen. Bedienungsfehler können teuer werden. „Das geht gleich in die Tausende.“

Reparatur auf dem Feld

Wie auch jetzt beim Mähdrescher: Plötzlich bleibt eine zehn Zentimeter breite Spur Weizen stehen. Albert stoppt die Maschine. Gelassen schaut er sich den Erntevorsatz an, der vorne am Mähdrescher hängt. Eine Messerklinge ist kaputt. Sie schneidet die Weizenhalme ab, damit sie dann von den übrigen Werkzeugen weiterverarbeitet werden. Albert holt seinen Werkzeugkasten und eine Ersatzklinge und binnen 15 Minuten kann es weitergehen. Um halb drei fallen er und seine Frau todmüde ins Bett. Kurz erholen, um acht Uhr am nächsten Morgen geht es weiter. Wenn das Wetter hält.

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