Kurz nach Öffnung der erste positive Fall

In Bad Emstal hat Apothekerin Anne Kassat ein Testzentrum aufgebaut

Fühlt sich im Corona-Testzentrum seiner Tochter gut aufgehoben: Mario und Anne Kassat.
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Fühlt sich im Corona-Testzentrum seiner Tochter gut aufgehoben: Mario und Anne Kassat.

Die Apothekerin Anne Kassat hat in der Alten Post in Sand ein Corona-Testzentrum eröffnet. Am Ostersamstag hielt sie bereits das erste positive Ergebnis in Händen.

Bad Emstal – Damit hatte Anne Kassat nun wirklich nicht gerechnet. Gerade hatte ihr Corona-Testzentrum in der Alten Post in Sand zum ersten Mal geöffnet, hielt sie an Ostersamstag auch schon das erste positive Ergebnis in Händen. „Ich kann es nicht anders sagen, aber ich war schockiert“, erinnert sich die junge Apothekerin, die bei ihrem Arbeitgeber in Kassel schon seit vielen Wochen Menschen testet und noch nicht einen einzigen positiven Fall erlebt hat.

Im eigenen Testzentrum nun gleich nach wenigen Stunden einen zu haben, das wollte sie zunächst kaum glauben. Was im Fall der Fälle zu tun ist, wusste die 25-Jährige glücklicherweise genau, hatte sie doch kurz zuvor selbst einen entsprechenden Leitfaden verfasst und an der Wand befestigt. Ruhe bewahren ist da als erster Punkt zu lesen, und genau das sei die Herausforderung gewesen. „Der Puls ging natürlich trotzdem hoch“, sagt sie und berichtet von einer umgehenden Evakuierung, gründlichem Desinfizieren und Lüften der Räume als wichtigste Maßnahmen. Die Testperson sei über die nächsten Schritte informiert und der Fall beim Gesundheitsamt gemeldet worden. „Das müssen wir tun“, erklärt Kassat und freut sich, so mit ihrem Testzentrum in Bad Emstal über die Ostertage vielleicht schon eine Infektionskette ausgebremst zu haben.

Genau darum ging es ihr, als sie vor nicht mal drei Wochen gemeinsam mit Freund André Stegmann spontan den Entschluss gefasst hat, in ihrem Heimatort ein Testzentrum zu eröffnen. „Wir hatten einfach noch keins“, sagt sie und berichtet von den Vorbereitungen, die sie „ganz schön gefordert“ hätten. Alles sei ganz schnell gegangen, von Absprachen mit ihrem Arbeitgeber, Gesprächen mit der Gemeinde bis hin zur Besorgung aller nötigen Materialien. „Die Gemeinde hat uns den Raum zur Verfügung gestellt und insgesamt ganz fantastisch unterstützt“, freut sich Kassat, die im Vorfeld auch mit der benachbarten Apotheke gesprochen und abgeklärt hat, dass sie mit ihren Plänen niemandem in die Quere kommt. „Dort werden keine Tests gemacht, insofern hat das gepasst.“

Haben gemeinsam die Alte Post in Sand in ein Corona-Testzentrum verwandelt: Anne Kassat und André Stegmann.

Mittlerweile läuft der Testbetrieb auf Hochtouren. Aushilfen hat sie schon eine ganze Reihe geschult, was ihr besonders wichtig ist. „Ich möchte, dass sich Menschen bei uns gut aufgehoben fühlen und auf Fragen kompetente Antworten erhalten, auch wenn ich mal nicht persönlich da sein kann“, so die Emstalerin, die ihren Vollzeitjob in einer Kasseler Apotheke nicht aufgeben will. Schwester, Freund, Mutter und viele Bekannte, alle helfen bei ihrem ehrgeizigen Ziel, gegen das Virus anzutesten.

850 Testkits hat sie für den Anfang bestellt, allerbeste Qualität aus Deutschland, die sowohl Tests bei Kindern im vorderen Nasenraum als auch Rachen- und tiefe Nasenabstriche bei Erwachsenen ermöglichen, die „nur wenige Sekunden dauern und gar nicht so schlimm sind, wie viele denken“. Für ein verlässliches Ergebnis seien sie einfach am besten geeignet, sagt die Expertin, die für die Zukunft plant, auch professionelle PCR-Tests anzubieten. „Das sind die, die im Labor ausgewertet werden und im Fall eines positiven Schnelltests vom Gesundheitsamt verbindlich vorgeschrieben sind.“

Den konnte sie an Ostersamstag zwar noch nicht anbieten, immerhin aber einen positiven Fall heraustesten, der ohne ihr Engagement vielleicht unentdeckt geblieben wäre. (Sascha Hoffmann)

Ohne Terminvergabe

Mit einem negativen Schnelltest kann man laut Anne Kassat etwa zwölf Stunden davon ausgehen, nicht infektiös zu sein. Die Tests sind kostenlos (auch mehrfach) und ohne Terminvereinbarung in der Alten Post im Rathaus (Kasseler Straße 57) möglich. Benötigte Formulare können vorab unter bad-emstal.de heruntergeladen und ausgefüllt werden. Getestet werden kann jeder ab 16 Jahren, der symptomfrei ist und einen Personalausweis vorlegt. Jugendliche unter 16 benötigen eine Einverständniserklärung der Eltern. Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Mittwoch, 9 bis 14 Uhr, Donnerstag und Freitag, 14 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 9 bis 15 Uhr.

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