Besonderer Kochkurs in Sand

Wenn Männer am Herd stehen: Hier kochen die Rentner

Bad Emstal. Das Kochen selbst steht gar nicht so sehr im Vordergrund, wenn sich die Ruheständler in der Schulküche der Christine-Brückner-Schule in Sand zum Männer-Kochkurs treffen. Es ist viel mehr der Austausch untereinander.

Während auf dem Herd nebenan das Gemüse vor sich hin köchelt, formt Peter Soltau Hackbällchen. Die Masse mit groben Zwiebeln und Knoblauch hat er kurz vorher zusammengeknetet.

„Wer in Rente geht, muss seinen Alltag neu organisieren“, sagt Soltau lächelnd. Gemeinsame Unternehmungen mit anderen helfen dabei.

Gute Vorbereitung ist alles: (v.li.) Peter Soltau, Peter Adolph und Frank Lötzerich bereiten gemeinsam den Eintopf vor. Fotos: Stefanie Lemke

Er selbst ist erst kurze Zeit im Ruhestand. „Oft stellt sich einem dann die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens.“ Bisher strukturierte der Beruf das Leben der fünf Herren. „Ich werde oft gefragt, ob ich mich langweile oder welche Pläne ich habe“, erzählt Soltau. Durch seine Arbeit als Tierwirt mit dem Fokus auf Schafe, Lehrer und zuletzt Kreisjugendarbeiter habe er viel von der Welt gesehen – könnte jetzt im Ruhestand wieder an das ein oder andere anknüpfen.

„Doch das Wichtigste ist einfach, sich nicht zurückzuziehen.“ Bewusst die Kommunikation mit anderen zu suchen und in Kontakt zu bleiben, das ist ihm wichtig. „Das gelingt beim gemeinsamen Kochen ganz besonders gut.“

Daher war es für ihn fast eine Selbstverständlichkeit, als ihn sein ehemaliger Kollege und Freund Klaus Ferrari für das gemeinsame Kochprojekt unter dem Motto „Mann schafft’s: Kochen! – Kochkurs für Männer“ gewinnen wollte.

„Die Idee hierfür entstand im Rahmen der Seniorenarbeit, die ich seit einiger Zeit betreue“, so Ferrari. Ziel sei es, Männer im Ruhestand vom heimischen Sofa zu locken und ihnen die Möglichkeit zu geben, Neues zu erlernen und den Kontakt zu anderen nicht zu verlieren. „So ein Kurs bietet Abwechslung vom Alltag“, weiß Ferrari, der in seiner Freizeit gern selbst vorm Herd steht und die eigene Ehefrau bekocht. „Ich hoffe, dass sich der Kurs noch vergrößert, wir durch Mundpropaganda noch ein paar Teilnehmer gewinnen.“

Klaus Ferrariinitiierte das Projekt

Das Gericht für das erste Treffen, Gemüseeintopf mit Hackfleischklößchen und Obstsalat mit Schlag zum Nachtisch, habe er bewusst gewählt. „Hier sind keine Vorkenntnisse nötig, jeder macht das, was er am besten kann.“

So auch Gerhold Erhard, der sich daran macht, die Äpfel, Mandarinen und Bananen für den Obstsalat zu schnippeln. „Ich habe null Ahnung vom Kochen“, gibt er lachend bekannt. Zuhause habe sich immer seine Frau um den Haushalt gekümmert. „Ich war immer der Hilfsarbeiter und habe meiner Frau höchstens zugearbeitet.“ Doch jetzt im Rentenalter ist es ihm wichtig, sich Kenntnisse auf bisher unbekannten Gebieten anzueignen. Um auch geistig fit zu bleiben. „Ich fände es auch eine gute Idee, wenn man Menschen aus Seniorenwohnheimen integrieren würde.“

Ein Kochfeld weiter haben Frank Lötzerich und Peter Adolph ein wachsames Auge auf die Gemüseeinlagen des Eintopfes. Kartoffeln, Sellerie und Lauch haben sie in ordentliche Stücke geschnitten. „Ich schäle und schnippele auch zuhause gern“, sagt Lötzerich.

Frische Kost ist den beiden auch zuhause wichtig. „Und es gibt weniger Fleisch“, erzählt Adolph. Aus gesundheitlichen Gründen achten beide genau darauf, was auf den Tisch kommt.

Nach der Arbeit folgt das Vergnügen. Gemeinsam wird der Eintopf verzehrt und werden Pläne geschmiedet, was in der kommenden Woche auf den Tisch kommt.

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