Die Datenleitung bricht zusammen

Institut für Stottertherapie in Bad Emstal kämpft um schnelleres Internet

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Kämpft für schnelleres Internet: Dr. Harald Mollberg, Kaufmännischer Leiter der Kasseler Stottertherapie in Bad Emstal. Mithilfe einer Bundesförderung könnte der Traum von einer besseren Datenleitung frühestens 2020 wahr werden.

Bad Emstal – Das Institut für Stottertherapie mit Sitz in Bad Emstal hat sich bei der Behandlung von Menschen mit einer Störung des Redeflusses einen Namen gemacht. Es bietet Therapieformen an, hilft Klienten nicht nur in Deutschland, sondern weltweit und ist dabei auf das Internet angewiesen. Und an der Stelle liegt das Problem.

Denn mit Datenübertragungsraten von sechs Megabit pro Sekunde kommen die Bemühungen der Therapeuten schnell an ihre Grenzen. „Die Leitung bricht zusammen. Es gibt keine Übereinstimmung mehr von Bild und Ton“, sagt Dr. Harald Mollberg, Kaufmännischer Leiter des Instituts, das die Online-Therapie seit dem Jahr 2014 anbietet. Um die Situation zu umgehen, arbeiteten die Therapeuten mitunter von zu Hause. Seit 2014 hat es mehr als 3500 Onlinesitzungen gegeben.

Mit der schlechten Datenverbindung und den technischen Hindernissen, die sich daraus für die Therapien ergeben, hat es die Kasseler Stottertherapie (KST) kürzlich sogar in die überregionale Wochenzeitung die „Zeit“ geschafft. Die Journalistin Vera Weidenbach stellt darin die ambitionierten Ziele der Bundesregierung beim Breitbandausbau der Realität gegenüber.

Und bei der KST wird die Kluft zwischen Anspruch – so sollte laut Bund bis zum Jahr 2018 jeder Haushalt mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde versorgt sein – und Wirklichkeit deutlich. Die Räume des Instituts sind über Kupferkabel angeschlossen. Denn die höhere Übertragungsraten versprechenden Glasfaserkabel der Netcom enden in einem Gebietsverteilerschrank am Niedensteiner Weg / Bergstraße, sagt Andreas Bohn, Bauamtsleiter der Gemeinde Bad Emstal. Dass sie überhaupt ins Datennetz eingebunden wird, lässt sich die KST monatlich 500 Euro kosten. Dienstleister ist die Telekom.

Nach Angaben Mollbergs hat sich die KST in den vergangenen Jahren mächtig ins Zeug gelegt, um besser mit Internet versorgt zu werden. Mit Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier habe man gesprochen, den Breitbandbeauftragten des Landkreises Kassel konsultiert und die Probleme der Gemeinde Bad Emstal geschildert. „Alle sind willig“, sagt Harald Mollberg. Doch mit einer schnellen Lösung sei dennoch nicht zu rechnen. Weil sich die KST in der Feriendorfsiedlung relativ abgelegen in Sand befindet und dort die Übertragungsraten unter 30 Megabit pro Sekunde liegen, zählt der Bereich zu den weißen Flecken in der Region. Für sie haben Bund und Land im August 2018 ein Förderpaket geschnürt. Die Kosten für die geplante Breitbandversorgung werden zu 90 Prozent von Bund und Land übernommen. „Allerdings wird das vor 2020 nichts werden“, sagt der Breitbandbeauftragte im Landkreis, Oliver Brunkow. Der Förderbescheid des Bundes werde täglich erwartet. Dann folgten die Ausschreibungsverfahren und die Unternehmen verlegen die Glasfaserleitungen. Weil die Branche derzeit gut im Geschäft sei, werde es schwer, Firmen zu beauftragen, die die Arbeiten noch dazu zu einem akzeptablen Preis erledigten, sagt Brunkow.

Doch bis 2020 will das Institut für Stottertherapie eigentlich nicht warten. Mollberg und der Ärztliche Leiter, Dr. Alexander Wolff von Gudenberg, ziehen in Erwägung, sich für mehr als 50 000 Euro über die Netcom anschließen zu lassen. „Letztlich muss das jeder für sich selbst entscheiden“, sagt Brunkow. Wer bei seinem Geschäft auf hohe Übertragungsraten angewiesen ist, für den ist Zeit Geld.

Auch wenn sich das Institut für Stottertherapie mit einer neuen Sparte in Berlin niedergelassen hat, wollen Mollberg und von Gudenberg eigentlich in Bad Emstal bleiben. „Der Standort ist perfekt. Die Gebäude mit Zimmern, Büros, Saal und Besprechungsräumen sind für uns ideal“, sagt Mollberg.

Vor allem hätten sie hier Ruhe und die sei für die Therapie mindestens genauso wichtig wie eine leistungsstarke Breitbandversorgung.

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