„Tragende Rehe sind in Gefahr“

Jäger aus dem Altkreis Wolfhagen sind über die Verkürzung der Schonzeit verärgert

Ende der Schonzeit: Seit vergangener Woche ist die Schonzeit für Reh- und Rotwild vorzeitig aufgehoben. Die Jäger laufen Sturm gegen die Verordnung. Das Foto zeigt einen Rehbock auf einer Wiese nahe Ehrsten. 
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Ende der Schonzeit: Seit vergangener Woche ist die Schonzeit für Reh- und Rotwild vorzeitig aufgehoben. Die Jäger laufen Sturm gegen die Verordnung. Das Foto zeigt einen Rehbock auf einer Wiese nahe Ehrsten. 

Rot- und Rehwild darf jetzt schon im April statt erst wie sonst im Mai gejagt werden. Die Jäger aus dem Altkreis Wolfhagen sind deswegen sauer. 

Zierenberg/Bad Emstal – Jäger in der Region sind stinksauer, weil das hessische Umweltministerium erlaubt hat, Rot- und Rehwild schon im April zu jagen und nicht wie bisher erst ab 1. Mai. Das sagt Joachim Wadsack, Beisitzer und stellvertretender Hegeringleiter der Hegegemeinschaft Zierenberg. 

Die hessische Umweltministerin Prisca Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) hatte die Schonzeit für Rehe per kurzfristig erlassener Verordnung um einen Monat verkürzt, um den von Stürmen und Borkenkäfer schwer geschädigten Wald zu schützen. Hessen sei nun das zweite Land nach Mecklenburg-Vorpommern, das den Wald vor den Verbiss retten wolle und nun mit hohem Druck versuche, die Abschusszahlen zu erhöhen. „Das ist nicht nötig, da die Jäger im Landkreis Kassel in den letzten Jahren den Abschuss erfüllt haben“, so Wadsack.

Die verärgerten Jäger werden sich an dem Vorhaben der Ministerin nicht beteiligen, stellt der Hegeringleiter klar. Es könne nicht sein, dass der Waschbär als invasive Art längere Schonzeiten als Reh- und Rotwild habe.

Das Risiko, aus Versehen ein trächtiges Reh zu erlegen, steige

Der Landesjagdverband als anerkannter Naturschutzverband mit seinen rund 20 000 Mitgliedern sei bei dieser Entscheidung nicht zum ersten Mal übergangen worden. Mit der Jagd einen weiteren Monat früher zu beginnen, würde vor allem Stress für die Rehe bedeuten und sie tagsüber in ihre Waldeinstände quasi einsperren, wo sie umso stärker auf Knospen der jungen Triebe als Nahrung angewiesen seien. 

„Außerdem steigt neben dem starken Jagddruck auch das Risiko, ein schon trächtiges Reh versehentlich zu erlegen, was einen Monat später durch die deutliche Leibesfülle beinahe ausgeschlossen ist“, befürchtet Joachim Wadsack.

Uwe Huber, Revierförster in Bad Emstal, bewertet die Freigabe der Jagd im April etwas anders. Durch den Klimawandel beginne die Vegetationszeit früher und damit auch die Gefahr des Verbisses von jungen Knospen. Und der Wald sei durch Stürme und den Borkenkäfer schwer geschädigt. Daher habe man bei Hessen-Forst die Möglichkeit des früheren Abschusses in diesem Jahr schon erfolgreich genutzt.

Sogenanntes Intervall-Jagen soll Tiere beruhigen

Um die Tiere nicht ständig zu beunruhigen, gebe es im Staatswald das sogenannte Intervall-Jagen und dadurch auch mehr Schonzeiten als gesetzlich vorgeschrieben. „Wir lassen das Wild im Juni in Ruhe, im Juli wird nur zwei Wochen gejagt und dann erst wieder ab 1. September“, so Förster Uwe Huber. 

Er würde es befürworten, wenn der Juni generell als Schonmonat gelte und dafür bereits wie in diesem Jahr schon im April gejagt werden dürfe.

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