Seit Jahrhunderten verschwunden: Ortschaft Schwalgenhausen entdeckt

Fundort: Am Hang des Wartbergs hat Joachim Hübner den alten Ort Schwalgenhausen entdeckt. Fotos:  Privat/Vitos

Bad Emstal. Seit Anfang der 1990er-Jahre erkundet Joachim Hübner die Böden rund um Bad Emstal. Rund 30 archäologische Funde hat er  gemacht. Nun ist ein besonderer hinzu gekommen.  

Hübner entdeckte den alten Standort der Ortschaft Schwalgenhausen.Im 14. und 15. Jahrhundert seien viele Siedlungen in Nordhessen aufgegeben worden, sagt Hübner. Gründe dafür gab es viele: Seuchen, Fehden, eine Verschlechterung des Klimas und die wachsende Anziehungskraft der Städte. Historiker sprechen daher von einer regelrechten Wüstungsperiode. „In der Gemarkung der heutigen Gemeinde Bad Emstal sind 19 Ortschaften überliefert, die seit Jahrhunderten verschwunden, also Wüstungen, sind.“ Eine davon ist Schwalgenhausen oder auch Schwallingehausen genannt.

Joachim Hübner

Diesen Standort hat Hübner, der zu den Gründungsmitgliedern des Kultur- und Geschichtsvereins Bad Emstal gehört, nun wiederentdeckt. Bisher habe es nur Vermutungen gegeben, wo Schwalgenhausen liegt. An einem kleinen Bachlauf am Hang des Wartberges hat der 66-Jährige rund 300 Keramikscherben aus heller und grautoniger, vereinzelt auch brauntoniger Irdenware (keramische Werkstoffe), gefunden. Randscherben von Töpfen, Bodenstücke von Flach- oder Linsenböden, Deckelfragmente, Henkelbruchstücke, farbige Glasuren und Verzierungen auf den Gefäßen in Form von Rautenstempeln, Rillen und Riefen datieren die Keramik in das 11./12. bis 13./14. Jahrhundert. Dies habe ihm Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel vom Landesamt für Denkmalpflege in Marburg bestätigt. Dort hat Hübner die Funde bereits registrieren lassen.

„Der Fund ist interessant und bedeutsam, weil man ihn mit schriftlichen Überlieferungen in Einklang bringen kann“, sagt Hübner. Das Dorf war wohl im 11. Jahrhundert vom Fritzlarer Petersstift gegründet worden. In dessen Besitzverzeichnis aus dem Jahre 1209 ist der Ortsname erstmals schriftlich überliefert. Auch das Kloster Merxhausen besaß Güter in Schwalgenhausen, erklärt Hübner.

Nach einer Urkunde des Klosters Merxhausen lag Schwalgenhausen 1359 wahrscheinlich schon wüst. Sicher war das Dorf spätestens Anfang des 15. Jahrhunderts aufgegeben worden.

Aus welcher Zeit die Funde stammen, kann Joachim Hübner unter anderem an der Farbe und Form der gefundenen Scherben erkennen. „Hellgebrannte Irdenware ist eher jünger, später kam graues Steinzeug.“ Um diese zu finden, brauche man aber nicht nur Erfahrung, sagt der Hobby-Archäologe, sondern auch „ein sehr gutes Auge“. Denn manches Mal sind die Scherbenstücke gerade einmal Daumennagel-groß. In der Gemarkung Sand habe er schon viele Funde gemacht. Meist stammen die aus dem Mittelalter, manche sogar aus der Jungsteinzeit. Die Funde, die der Rentner machte, sind mittlerweile beim Hessischen Landesmuseum in Kassel untergebracht.

Wo genau er Schwalgenhausen entdeckt hat, möchte er nicht sagen - um keine Sondengänger oder Räuber zu animieren. Der Historiker Georg Landau vermutete im 19. Jahrhundert, dass die Wüstung unterhalb des Wartbergs lag. Tatsächlich lag der Ort weiter oberhalb am Hang.

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