Abschied nach 29 Jahren

Kreisjugendarbeiter Peter Soltau geht in den Ruhestand

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Bald Ruheständler: Ende März geht Kreisjugendarbeiter Peter Soltau – hier am Teich vor seinem Haus in Bad Emstal-Riede – in Rente. Natur, Wandern, Garten, Freunde, Reisen und ein Schweden-Sprachkurs sollen dann die Schwerpunkte sein, mit denen er sich beschäftigt.

Riede. In wenigen Wochen geht Peter Soltau, seit fast drei Jahrzehnten oberster Jugendarbeiter im Landkreis Kassel, in den Ruhestand.

Der Schopf des einst blonden Hünen ist inzwischen schlohweiß, aber die Augen von Peter Soltau haben noch immer dieses junge, optimistische Funkeln, das ihm auch vor gut 29 Jahren schon zu eigen war, als er den Job des Kreisjugendarbeiters übernahm. Der 65. Geburtstag ist bereits gefeiert, Ende März geht Soltau offiziell in den Ruhestand.

„Ich hab mit 36 Jahren beim Kreis angefangen“, sagt Soltau, „und zwischendurch immer mal gedacht, als Jugendarbeiter in Rente zu gehen, wäre absurd.“ Er ist es dennoch geblieben, hat sogar einen Antrag auf Verlängerung gestellt. Ein kleines Extra hat ihm der Kreis zugestanden, bis Ende Juli, damit er seinen Nachfolger noch bei den Vorbereitungen für die Jugendfreizeiten unterstützen kann.

Mehr und mehr väterlicher Freund geworden

„Am Anfang“, erinnert sich Peter Soltau an das Miteinander mit den Kollegen und den jungen Leuten, „habe ich als Spätjugendlicher, auf Augenhöhe mitgekämpft. Dann bin ich mehr und mehr väterlicher Freund geworden.“ Und jetzt, sagt die graue Eminenz der Jugendarbeit im Kreis Kassel, „bin ich schon eher der großväterliche Freund“. 

Über all die Jahre „fühlte ich mich von den jungen Leuten akzeptiert“. Für ihn eine ganz wesentliche Voraussetzung, um seinen Beruf auszuüben. Seine persönliche Bilanz: „Ich hatte einen Traumjob, der sowas von 1:1 auf mich zugeschnitten war, was Interessen, Empathie und Kenntnisse betrifft. Schöner kann man es kaum haben. Ich schaue da mit großer Zufriedenheit zurück.“

Allerdings: Beruflich hatte der in Kassel Geborene und in Zierenberg Aufgewachsene zunächst ganz andere Pläne. Von der Natur begeistert, wollte er ein alternatives Leben führen als Selbstversorger, ohne aber die Pfade eines bürgerlichen Lebens völlig aus dem Blick zu verlieren. Und so zog er in den 1970er-Jahren nach Elbenberg in eine Wohngemeinschaft in der alten Hardtmühle. Er absolvierte eine Ausbildung zum Tierwirt der Fachrichtung Schafzucht und beschäftigte sich danach gut zehn Jahre mit Ziegenhaltung und der Produktion von Biokäse. Außerdem schloss er ein Lehramtsstudium ab.

Soltau gründete eine Familie, mit seiner Frau zog er in ein altes Fachwerkhaus in Elbenberg, das es zu renovieren galt. Die Zeit als Ziegen-Peter war damit beendet. „Dann stand seriöses Geldverdienen an.“ Freie Lehrerstellen gab es damals nicht. Was interessierte ihn noch? Jugendarbeit. Soltau bewarb sich auf die Jugendpflegerstelle in Wolfhagen und bekam sie. Drei Jahre später wechselte der Vater zweier Söhne zum Kreis als oberster Jugendarbeiter.

Noch immer von seiner Arbeit begeistert

Wenn er über „Lobbyarbeit für Kinder und Jugendliche“ spricht, seinen Aufgabenbereich der vergangenen drei Jahrzehnte, über „das Arbeiten an den Verwerfungslinien der Gesellschaft“, über außerschulische Bildung, Unterstützung der Ortsjugendarbeiter, Aus- und Fortbildung von ehrenamtlichen Jugendleitern, dann funkeln sie besonders, die Augen von Peter Soltau.

Über die jungen Leute von heute sagt er: „Die Jugendlichen leben in einer Komfortzone, und die Medien dominieren ihr Leben so stark, dass die Gefahr besteht, dass sie sozial verwahrlosen, sich körperlich unterfordern und insgesamt auch viel zu wenig rausgehen ins normale Leben.“ Freizeiten in urwüchsiger Natur, in der Einsamkeit Schwedens beispielsweise, setzt die Jugendarbeit dagegen. 

„Wir holen die Jugendlichen raus aus ihrer Komfortzone und zeigen ihnen, dass sie viel mehr können, als sie sich selbst zutrauen.“ Für die jungen Leute, sagt Soltau, „ist das eine Herausforderung und wird von ihnen im Ergebnis als beglückend empfunden“. So wie es auch Peter Soltau als beglückend empfunden hat, für die Jugendlichen zu arbeiten.

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