Jugendwahl an der Christine-Brückner-Schule Bad Emstal: AfD mit starkem Ergebnis

Anlässlich der Hessischen Landtagswahl fand an der Christine-Brückner-Schule eine Jugendwahl statt – mit überraschendem Ergebnis: Die AfD lag bei den Zweitstimmen ganz vorn.
Bad Emstal – Noch dürfen sie bei Wahlen zu den Parlamenten nicht mitmischen, dazu sind die Schüler der Bad Emstaler Christine-Brückner-Schule noch zu jung. Aber es gibt ja die Juniorwahl. Dabei haben die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 7 bis 10 unmittelbar vor der Landtagswahl in Hessen die Abläufe der Stimmabgabe sehr nahe an der Realität nachvollzogen – mit einem unerwarteten Ergebnis.
Wer glaubte, die jungen Leute an der Bad Emstaler Schule seien ganz auf Kurs umwelt- und klimabesorgter Altersgenossen, die sich beispielsweise bei Fridays for Future engagieren und mit den Grünen sympathisieren, erlebte angesichts des Auszählungsergebnisses eine faustdicke Überraschung.
Auf den Grünen-Kandidaten (Erststimme) entfielen gerade mal 7,8 Prozent der gültigen Stimmen. Bei der Landesstimme (Zweitstimme) kamen die Grünen gar nur auf 6,4 Prozent. Hoch im Kurs dagegen: die Rechtspopulisten. 26,5 Prozent der Schüler gaben der AfD ihre Erststimme, und bei der Zweitstimme kam die „Alternative für Deutschland“ gar auf 31 Prozent.

Lagerbildung bei Schülern in puncto Wählbarkeit der AfD
Lediglich die CDU hatte ein besseres Ergebnis – und das auch nur bei der Erststimme. Da machten 34,3 Prozent der Schüler ihr Kreuz, bei der Zweitstimme lag die Union mit 26,1 Prozent auch deutlich hinter der AfD. Die SPD kam mit 19,6 Prozent (Erststimme) und 21,2 Prozent (Zweitstimme) auf den dritten Rang.
Olga Lange, die an der Christine-Brückner-Schule in einer 10. Klasse Politik und Wirtschaft (Powi) unterrichtet, erlebte unterschiedliche Reaktionen auf das starke Ergebnis der AfD, spricht von zwei Lagern: Da gebe es auf der einen Seite die Schüler, die das Ergebnis erschreckend fanden, „andere sagten, warum hat denn die AfD nicht noch mehr bekommen“.
Die Juniorwahl habe sicher auch die politische Einstellung im Elternhaus gespiegelt. „Bei mir in der Klasse stieß das Ergebnis auf völliges Unverständnis. Die älteren Schüler haben es auf die Unwissenheit der Jüngeren geschoben.“ Hier war man der Überzeugung, dass man sich gezielt informieren und sich mit den Programmen der Parteien im Vorfeld der Wahl beschäftigen müsse.
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Schüler bereiteten sich im Unterricht auf Wahlgang vor
Zwar habe es in den teilnehmenden Klassen eine Vorbereitungsphase gegeben, in der über die Abläufe und auch die teilnehmenden Parteien gesprochen worden sei. Möglicherweise sind die Siebtklässler mit der Thematik aber noch etwas überfordert. Darauf deutet auch das Beschäftigen mit dem online angebotenen Wahl-O-Mat hin, den die Schüler auch genutzt haben. Die erste Frage, so Olga Lange, lautete, wie man zum Absenken des Wahlalters auf 16 Jahre stehe. Da hätten dann viele gerade auch der älteren Schüler gesagt, „dazu müssten wir noch mehr wissen. Da fühlen wir uns noch zu unwissend“.
Die Schule, sagt Lange, habe jedenfalls eine ganz große Verantwortung beim Vermitteln, welch große Bedeutung Wahlen haben. „Die Juniorwahl ist auch ganz wichtig, um Hürden abzubauen, die Scheu vor Wahlen zu nehmen und über die Abläufe zu informieren.“
Unabhängig vom Wahlausgang sagt Politik-Lehrerin Olga Lange: „Wir waren sehr gut vorbereitet“, gerade in den höheren Klassen. Was sie aber als sehr problematisch empfindet: „Für viele hört nach der Schulzeit die politische Bildung auf.“
Wie in echt: Schüler mussten Wahlbenachrichtigung vorzeigen
Wie das Prozedere einer Wahl läuft, durften die 288 Bad Emstaler Schüler, die an der Juniorwahl teilgenommen haben, nun aber eigentlich kennen. Dazu hatte man die Aula der Schule in ein Wahllokal verwandelt. Hier bekamen die Schüler die Möglichkeit, das im Unterricht erworbene Wissen zum Thema Wahlen anzuwenden, denn der Ablauf der Juniorwahl war nahezu identisch mit einer echten Landtagswahl.
Alle teilnehmenden Klassen bekamen im Vorfeld des Urnengangs Wahlbenachrichtigungen. Diese mussten dann direkt vor der Wahl den Wahlhelfern aus der 6a vorgezeigt werden. Erst dann wurden die Stimmzettel ausgegeben. Gewählt wurde selbstverständlich geheim. Organisiert und durchgeführt wurde die Wahl von Powi-Lehrer Heinz Helge Fach und seinen Schülern in der Klasse 6a, die am Wahltag als Wahlhelfer eingesetzt waren und ihre Aufgabe sehr ernst nahmen, wie Olga Lange anerkennend urteilt.
Auch Bad Emstals Bürgermeister Stefan Frankfurth kam auf einen Besuch und dann auch mit den Schülern der 10G ins Gespräch. Von der schuleigenen Testwahl, erfuhr der Verwaltungschef, waren die Zehntklässler sehr angetan: Sie fördere das politische Interesse.
Kritik äußerten die Schüler mit Blick auf den echten Politikbetrieb an der Sprache der Politiker. Da wurde der Wunsch nach konkreteren Antworten und Lösungen geäußert und auch eine verständlichere Sprache für die zukünftige Wählerschaft gefordert. (Norbert Müller)