Anton Scheit aus Balhorn und Annetta Kopas aus Zierenberg organisieren Hilfsprojekt in Südostafrika

Junge Leute bauen in Malawi Lernstätte auf

Balhorn/Zierenberg. Anton Scheit und Annetta Kopas zieht es nach Malawi. Mitte Oktober kehren der Bad Emstaler und die Zierenbergerin in die kleine Stadt Nkhata Bay am Ufer des Lake Malawi zurück, in der sie erst im Frühjahr dieses Jahres für drei Monate unentgeltlich gearbeitet haben.

Sie unterrichteten Kinder, bauten einen Ofen und brachten die Menschen für gemeinsame Projekte zusammen. Nun wollen die beiden 20-Jährigen eine Lern- und Erlebnisstätte einrichten.

„Wir wollen den Menschen dort etwas Nachhaltiges hinterlassen, etwas, das weiterlebt, wenn wir wieder fort sein werden“, sagt Annetta Kopas. Dieses Mal werden sie ein halbes Jahr in Nkhata Bay bleiben. Und sie haben sich viel vorgenommen: Viele Familien haben so wenig Geld, dass sie sich einen Schulbesuch ihrer Kinder nicht leisten können. Deshalb wollen die jungen Leute ein kostenloses Unterrichtsprogramm entwickeln.

In verschiedenen Klassen der Wilhelm-Filchner-Schule Wolfhagen haben sie deshalb über ihre Pläne gesprochen. Schüler und Lehrer wollen sie nun unterstützen, indem sie Materialien und Unterrichtsbücher spenden. Lernen die Kinder Lesen und Schreiben, dann geschieht das schon bei den Jüngsten auf Englisch. Dadurch tritt ihre Muttersprache Tonga immer stärker in den Hintergrund. „Deshalb wollen wir auch muttersprachliche Bücher kaufen“, sagt Anton Scheit, der hofft, in den verbleibenden Wochen möglichst viele Spenden zu sammeln.

Daneben wollen sie einen Gemüsegarten anlegen, aus dem sich die Menschen selbst versorgen. Natürlich wüssten die Einheimischen auch selbst sehr gut, wie man einen Garten bewirtschaftet, sagt der Bad Emstaler.

Aber der Zeitgeist in Malawi hat sich gewandelt. „Die jungen Leute wollen das Land der Eltern nicht mehr haben. Sie verlieren das Interesse an Landwirtschaft und an ihrer Kultur. Handy und Addidasschuhe sind ihnen wichtiger“, sagt Scheit, der nach seiner Rückkehr Kunst studieren möchte.

Zudem wollen sie eine Kunstwerkstatt einrichten, in der die Einheimischen ihre Produkte herstellen und verkaufen können. Eine Galerie, in der sie ihre Arbeiten präsentieren, haben sie bereits im Frühjahr geschaffen. Regelmäßige Treffen an den Sonntagen, bei denen die Menschen zusammenkommen, liegen Annetta Kopas am Herzen. Ihr erster Besuch in Malawi hat die junge Frau geprägt. Viel hätten sie bereits im Frühjahr erreicht, aber vieles sei auch nur angeschoben und noch nicht fertig. „Ich hätte ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich nicht noch einmal nach Malawi zurückgekehrt wäre“, sagt die Zierenbergerin, die sich schon jetzt auf das Wiedersehen mit vielen Freunden und Bekannten freut.

All ihre Projekte sind in einem Haus angesiedelt, das die Eigentümer für monatlich 70 Euro vermieten. Während ihres Aufenthaltes wollen sie eine Möglichkeit finden, wie diese Miete dauerhaft aufgebracht werden kann.

Über Workaway in Kontakt kommen

Anton Scheit und Annetta Kopas haben über die Community Workaway für Freiwilligenarbeit und kulturellen Austausch den Weg nach Malawi gefunden. Sie sind untergebracht bei einem deutsch-schweizerischen Paar und zahlen nichts für Übernachtung und Essen. Dafür engagieren sie sich vor Ort. Bestandteil ihrer Idee von der Lern- und Erlebnisstätte ist, dass andere Freiwillige, die über Workaway nach Nkhata Bay kommen, ihr Projekt begleiten und fortführen. Weil junge Leute aus verschiedenen Teilen der Welt die Plattform nutzen, um Land und Leute kennenzulernen, werden die Menschen in Nkhata Bay von vielen Erfahrungen profitieren. (ant)

Kuchenverkauf, Benefizkonzert, Flohmarkt

An der Filchner-Schule haben Annetta Kopas und Anton Scheit von ihrer Arbeit in Malawi berichtet. Eine Klasse war so gerührt, dass sie eine Brieffreundschaft beginnen möchten. Schüler wollen für den 20. September in der ersten und zweiten Pause einen Kuchenverkauf organisieren, die Einnahmen wollen sie spenden. Lehrer wollen Lehrbücher zur Verfügung stellen. Der Mütterkreis Wolfhagen hat ebenfalls seine Unterstützung zugesagt. Spontan haben sie eine Monatsmiete für das Haus übernommen, in dem die Lernstätte eingerichtet werden soll. Der Posaunenchor Zierenberg, in dem Annetta Kopas Mitglied ist, will am 13. September in der Zierenberger Stadtkirche ein Benefizkonzert geben. Es beginnt um 19 Uhr. Die Einnahmen werden gespendet. Und am 16. September beteiligen sich Scheit und Kopas an einem Flohmarkt vor dem Möbelhaus Finke in Kassel. Wer die beiden unterstützen möchte, kann per E-Mail Kontakt aufnehmen unter scheitanton@yahoo.de und annetta-kopas@t-online.de 

Rubriklistenbild: © Antje Thon

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