Kabarettist Sebastian Pufpaff begeisterte mit bissiger Unterhaltungskunst

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Viele Facetten und scharfzüngiger Humor: Sebastian Pufpaff bei seinem Auftritt in Bad Emstal. 

Bad Emstal. Gleich zu Beginn des zweistündigen Programms erklärte Sebastian Pufpaff den Zuschauern im restlos ausverkauften Kur- und Festsaal, dass es seine Aufgabe sei, sich aufzuregen. Doch man ließe ihn nicht.

Alles sei doch gut. Die Mitarbeiter beim Service-Dienst seien freundlich, der Türke nebenan würde ihn grüßen und selbst der Obdachlose im Viertel hätte ein Haus. Und er als Deutscher müsse sich doch aufregen. Doch zur Erleichterung des Publikums fand er genügend Themen, über die er sich echauffieren konnte.

Im rasanten Tempo macht er sich über alles und jeden lustig. Von Sport über Sexindustrie, Rassismus, Medien, Haustiere, Schule und Essen wird alles mit bösem, bissigem Humor zerlegt, durchkaut und wieder ausgespuckt.

Immer wieder überraschte der Kabarettist die Zuschauer mit Geschichten, die eine überraschende Wende, eine nicht erwartete Pointe hatten. Als Beispiel gab er die Geschichte, als er zum Orthopäden ging und von der letzten funktionierten Hierarchie, der Sprechstundenhilfe, abgewimmelt wurde, um anschließend vom russischen Hausmeister, einer ehemaligen Kugelstoßerin, erfolgreich behandelt zu werden.

„Models lieben Reiher“

Obwohl der Spaßfaktor sehr hoch war, blieb dem Publikum das Lachen manchmal im Halse stecken. Wenn Sebastian Pufpaff beispielsweise von den dümmsten Haustieren, den Strudelwürmern, erzählte und wie man sie zerteilen kann und dass das Lieblingstier der Models der Reiher sei. Oder wenn er sich fragte, wie die zweite Unterrichtsstunde bei der Ausbildung von Selbstmordattentäter aussähe.

Pufpaff ist ein Meister der Satire. Er setzt geschickt zynische Bemerkungen, Unter- und Übertreibung ein, um auf humorvolle aber gleichzeitig kritische Art und Weise auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. „Wo ist der Unterschied unseres modernen Lebens zum Sklaven? Die Ketten sind leiser geworden,“ resümierte er am Ende. Aber er hat Ratschläge für den Zuschauer, wie er diesem ganzen Irrsinn des Lebens entfliehen kann: Zurückschalten, entschleunigen, die Aufmerksamkeit auf andere Mitbürger lenken, mit anderen Worten - alles auf Anfang schalten. Das Publikum quittierte das facettenreiche Programm mit ausgelassenen Heiterkeitsausbrüchen bis hin zu empörten Schnaubens und am Ende mit begeisterten Beifallsstürmen.

Angelika Kellermann aus Bad Emstal war ebenfalls sehr angetan von dem Kabarettisten. „Es kam keine Minute Langweile auf, weil er die Leute nicht nur zum Lachen gebracht, sondern auch wachgerüttelt hatte,“ sagte sie nach der Vorstellung.

Von Ursula Neubauer

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